Andreas Scholz, DAS INVESTMENT.com (Foto: Thomas Görny)

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Die endlose Leier von der Unsicherheit

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Ja, wir haben es kapiert, nachdem gefühlte 325.000 Jahresausblicke es heruntergebetet haben: Das neue Jahr wird unsicher. Und ja, die Märkte werden volatil bleiben. Schon okay, haben wir verstanden.

Warum das nervt? Nur wenige Aussagen sind so überflüssig wie die allerorts festgestellte künftige Unsicherheit. Denn eines ist überhaupt nicht unsicher: Sicherheit ist der größte Feind der Geldanlage. Was war denn die Sicherheit wert, in der sich Aktienanleger Ende der Neunziger Jahre oder etwa 2006/2007 gewähnt haben? 1999 war sich der deutsche Aktionär SICHER, dass neu ausgegebene Aktien irgendwelcher Internet-Butzen die schnelle Mark bringen. Tausende waren sich SICHER, mit Aktienspekulationen ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Kurz darauf verzockten sie ihr Geld und mussten wieder arbeiten gehen.

Anfang 2008 waren sich ebenfalls zahlreiche Aktienexperten SICHER, dass das neue Jahr zumindest nicht schlecht werden würde. Es wurde eines der miesesten Aktienjahre der Börsengeschichte. Nur nebenbei: Es ist interessant, wie viele Menschen sich derzeit SICHER sind, dass Gold ihr Vermögen schützt.

Und weil Sicherheit so wichtig ist beim Geldanlegen, taucht sie regelmäßig um den Jahreswechsel herum in Marktausblicken auf. Da versteigen sich Analysten in so fesche Prognosen wie der, dass auch im neuen Jahr jederzeit Rückschläge möglich sind. Ach nee. Wirklich? Genauso gut könnte sich auch jemand mit der Ansage aus dem Fenster lehnen: „Im Herbst kann es in Hamburg regnen.“

Dass die Märkte sich nachhaltig beruhigen und die Schwankungen auf Neunziger-Jahre-Niveau sinken, ist jedenfalls nicht zu erwarten. Zumindest nicht, solange es Hochfrequenzhandel, computergesteuerte Trendfolger und Investoren mit Risikobudget gibt, die bei fallenden Kursen möglichst schnell das Weite suchen. Entweder kehrt der Börsenhandel mit schreienden Maklern auf dem Parkett zurück, oder wir werden mit Kursrutschen wie 2008 oder Mitte 2011 leben lernen müssen. Das ist sicher.

Anstatt auf der bösen Unsicherheit herumzureiten, wären Fakten aus der Gegenwart und ein paar echte Prognosen interessant. Wie teuer sind Aktien derzeit im Vergleich zu Anleihen und den Unternehmenswerten? Werden die Euroländer ihre Staatshaushalte auf Vordermann bringen? Welche Chancen hat Obama auf eine erfolgreichere zweite Amtszeit? Wetten werden noch angenommen. Natürlich nur solide hergeleitet und begründet.

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