Peter Thiel

Peter Thiel, Clarium Capital

Die Leiden des jungen Soros

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Es ist ein sehr heißer Sommertag im August 1998, als der Informatikstudent Max Levchin über den Campus der Stanford Universität im kalifornischen Palo Alto spaziert. Der 23-Jährige hat große Pläne. Er will ein Internet-Unternehmen gründen; wie so viele damals. Auf der Suche nach Schatten läuft er in die klimatisierte Aula der Universität. Dort hält ein 31-jähriger Fondsmanager einen Vortrag über internationale Finanzströme. Levchin trifft an diesem Tag das erste Mal auf Peter Thiel und unterhält sich nach seinem Vortrag mit ihm über seine Start-up-Idee. Beide Männer wissen nicht, dass dieses Treffen ihr Leben verändern wird. Vier Monate später beendet Thiel vorerst seine Fondsmanager-Karriere und steigt mit 240.000 Dollar in das Start-up ein. Thiel wird Vorstand, und aus dem Start-up wird Pay Pal. Thiel führt den Online-Bezahldienst durch die Wirren der Internet-Blase und bringt das Unternehmen 2002 an die Börse. „Pay Pal ist die neue Währung der Weltwirtschaft“, so Thiel damals. Noch im gleichen Jahr kauft Ebay das Unternehmen für 1,5 Milliarden Dollar. Thiel erhält schätzungsweise 60 Millionen, kauft sich einen Ferrari 360 Spider und zieht nach San Francisco in ein Hotel-Apartment. Dort gründet er Clarium Capital Management, einen Hedge-Fonds. Heute gilt der Clarium-Fonds als Quantum-Fonds des 21. Jahrhunderts und Peter Thiel als legitimer Erbe der Fondslegende George Soros. Klassenbester und Schachmeister Thiel wird 1967 in Frankfurt geboren. Er besucht Schulen in Kalifornien, Namibia, Ohio und Südafrika, bevor sich der Vater, ein Ingenieur, entschließt, mit der Familie im kalifornischen Foster City nahe des Silicon Valley zu bleiben. Thiel geht zur Highschool, ist durchweg Klassenbester; süchtig nach Tolkiens „Herr der Ringe“, Mathematik und Schach. Noch heute führt ihn die amerikanische Schachliga in ihren Reihen. Nach der Schule studiert er Philosophie und Jura in Stanford, praktiziert sieben Monate als Anwalt und wechselt dann als Händler zur Investmentbank Credit Suisse nach New York. Anfang 1998 zieht es Thiel zurück nach Kalifornien, wo er mit Thiel Capital Management seinen ersten eigenen Hedge-Fonds gründet. Dann kommt der heiße Augusttag 1998. Spende für die Unsterblichkeit Nach seinem Ausflug kehrt er 2002 zurück in die Hedge-Fonds Branche. Er investiert den Pay-Pal-Erlös in seinen Clarium-Fonds. Aus seinem Hotel-Apartment heraus managt er damals den Global-Macro-Fonds. Global Macro ist die Königsdisziplin unter den alternativen Investments. Erfolgreiche Manager haben die ganze Welt im Blick und setzen auf langfristige Trends. Thiel investiert in Rohstoffe, spielt Euro-Dollar-Wetten, kauft japanische Anleihen und Aktien. „Wir investieren wie George Soros in den 90ern und lernen dabei aus seinen Fehlern“, sagt Ralph Ho, Clarium-Vorstandsmitglied und ehemaliger Schatzmeister von Pay Pal. Noch zur Jahresmitte 2008 lag der Fonds mit unglaublichen 57 Prozent im Plus. Auf Sicht von zehn Jahren lag die Performance bei exorbitanten 400 Prozent. Doch dann ging es abwärts: Aggressiv investierte Thiel im dritten Quartal 2008 mehr als die Hälfte des milliardenschweren Fondsvermögens in zwei Positionen aus dem Internetsektor – Google und Yahoo. Fast 40 Prozent steckt Thiel zudem in einen Indexfonds aus dem Finanzsektor. Der Clarium Fonds, der in Spitzenzeiten ein Volumen von 7 Milliarden Dollar hatte, schrumpfte in lediglich einem halben Jahr auf nur zwei Milliarden Dollar. Neben den Wertverlusten in Höhe von etwa drei Milliarden haben Anleger ihr Kapital in Höhe von zwei weiteren Milliarden abgezogen. Milliardär dank Facebook Peter Thiel zählt trotzdem noch zu den besten Global-Macro-Managern weltweit. Nebenher arbeitete er als politischer Autor und finanzierte den Film „Thank you for Smoking“. Mit 3,5 Millionen Dollar unterstützte Thiel den Cambridge-Wissenschaftler Aubrey de Grey bei dessen Forschung nach Unsterblichkeit und beteiligte sich mit 7 Prozent am Online-Portal Facebook.com. Dieser Anteil ist heute auf dem Papier eine Milliarde Dollar wert. „Aber diese Summe ist Fantasie. Ich wäre verrückt, würde ich sie real nehmen“, so Thiel in einem Interview mit der „Zeit“. Thiels Jahreseinkommen wird auf 500 Millionen Dollar geschätzt. 42 Experten arbeiten heute bei Clarium Capital. In dem 2.000-Quadratmeter-Bürotrakt beginnt der Arbeitstag um fünf Uhr morgens – im Fitnesscenter oder der eigenen Bibliothek. „85 Prozent der Arbeit besteht aus Research“, sagt Matthew Kratter, promovierter Literaturwissenschaftler und Leiter der Handelsabteilung, „wir machen nur einen großen Deal pro Woche.“ Für die Zukunft ist Thiel optimistisch: Er will das Fondsvolumen in den nächsten Jahren auf 10 Milliarden Dollar steigern.

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