Lesedauer: 6 Minuten

Emerging Markets Malaysia: Wirtschaftlich weit mehr als nur das Land des Kautschuks

Seite 2 / 2



Malaysia soll Standort für internationale Studenten werden

Malaysia wird 2015 den Vorsitz im ASEAN führen. Aufgabe wird es sein, die für 2015 geplante Initiative für wirtschaftliche Zusammenarbeit im ASEAN (AEC) weiter voran zu treiben. Durch die AEC wird ein gemeinsamer Markt geschaffen, der erwartungsgemäß 600 Millionen Menschen und ein kombiniertes BIP von annähernd 2 Billionen US-Dollar umfasst. Malaysia wird einen Zehn-Jahres-Plan für den Zeitraum 2016-2025 formulieren und hat hierfür das Thema „A People-Centric ASEAN“ (Eine menschenorientierte ASEAN) gewählt. Dieses Thema passt unserer Meinung nach gut zu dem kooperativen Geist, den die ASEAN verkörpert – insbesondere angesichts Malaysias Bestrebungen, ein Bildungszentrum für Studenten aus der Region und darüber hinaus zu werden.

Die private Agentur Education Malaysia Global Services wurde unter der Schirmherrschaft des malaysischen Ministeriums gegründet. Aufgabe ist es, das Land zu einem Standort für internationale Studenten zu machen. Dies erfolgt im Rahmen der „Vision 2020“ aus dem Jahr 1991, das die Registrierung von 200.000 internationalen Studenten bis dahin zum Ziel hat. Bildungsinvestitionen sind unserer Meinung nach von grundlegender Bedeutung, um das Ziel Industriemarktstatus zu erlangen. Außerdem hat die malaysische Regierung das ehrgeizige Ziel, bis 2020 mindestens eine malaysische Universität unter den 50 besten Universitäten der Welt zu platzieren – und drei in den Top 200.

Vor-Ort-Besuch zeigt: Unternehmen setzen auf weltweit steigende Palmöl-Nachfrage

Wir besuchten vor kurzem einen malaysischen Anbieter von Ölfelddienstleistungen mit Geschäftstätigkeit nicht nur in Malaysia, sondern auch in ganz Südostasien, Brasilien, Australien und Afrika. Der gesunkene Ölpreis wird aller Wahrscheinlichkeit nach erhebliche Auswirkungen auf die Geschäfte des Unternehmens haben. Es sieht so aus, als ob die Geschäftsführung den Gürtel enger schnallen muss. Nichtsdestotrotz arbeiten einige Ölfelder in Malaysia zu sehr niedrigen Kosten, weit unter 50 US-Dollar pro Barrel. Der niedrige Ölpreis bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass Unternehmen im Sektor nicht rentabel sind.

Wir besuchten auch einen Kfz-Vertrieb. Dieser wird künftig von der reinen Kfz-Vertriebstätigkeit zur Montage importierter japanischer Fahrzeuge expandieren. Die Geschäftsführung ist optimistisch, dass der Fahrzeugmarkt in Malaysia wächst und Verbraucher zunehmend an anspruchsvolleren Marken und Modellen interessiert sind.

Während unseres Besuchs bei einem Palmöl-Plantagenbetreiber erhielten wir wichtige Informationen über eines der malaysischen Hauptexportgüter. Die Palmölpreise sind zeitweise zwar unter Druck geraten. Langfristig gesehen erwartet das Unternehmen aber eine weltweit steigende Nachfrage nach Palmöl. Die Geschäftsführung vergrößerte daher die Plantagenfläche und ersetzte ältere durch neue Palmölbäume, die mehr Palmöl produzieren.

Wer sein Geld in Malaysia anlegen möchte, sollte unserer Meinung nach selektiv vorgehen. Insbesondere angesichts der Tatsache, dass die Bewertungen höher sind als in einigen anderen asiatischen Märkten. Gleichzeitig hat die Wertentwicklung generell ein wenig enttäuscht.

Versorger und konsumorientierte Firmen dürften von Malaysias Politik profitieren

Eines unserer Schwerpunktthemen sind kleinere Unternehmen, die aus unserer Sicht über ein Wachstumspotenzial verfügen und von vielen Anlegern übersehen werden. Ein Bereich, der von der Abschaffung staatlicher Zuschüsse profitieren und somit seine Rentabilität verbessern dürfte, sind die Versorger. Konsumorientierte Firmen halten wir ebenfalls für attraktiv. Denn sie dürften von Malaysias langfristigem Ziel, ein Land mit hohem Einkommen zu werden, profitieren. Auch das potenzielle Wachstum der Mittelklasse könnte hierzu beitragen.

Natürlich wird es zu einigen Widerständen kommen, die sich auf diese Vision auswirken. Auch werden einige politische Maßnahmen wie die Abschaffung der Zuschüsse und die für April geplante Einführung der GST bei der Bevölkerung nicht sehr populär sein. Dadurch werden die malaysische Umsatzsteuer von 10 Prozent und die Dienstleistungssteuer von 6 Prozent durch eine pauschale Steuer von 6 Prozent für fast alle Waren und Dienstleistungen in jeder Phase der Lieferkette ersetzt.

Als Anleger müssen wir langfristig denken und uns auf Unternehmen konzentrieren, die auch unter schwierigen Umständen überleben und sich gut entwickeln. Ein weiterer zentraler Punkt: Die Unternehmen müssen eine interessante Nische füllen. Darüber hinaus suchen wir auch nach Unternehmen, die nicht nur Verbraucher in Malaysia, sondern auch weltweit bedienen können.

Derzeit können wir beobachten, wie Malaysia eine Übergangsphase durchläuft. Denn alte politische Ansätze müssen sich weiterentwickeln, damit zukünftige Ziele erreicht werden können. Wir sind im Hinblick auf Malaysia derzeit vorsichtig optimistisch und hoffen, dass Malaysia beim Erreichen seiner ehrgeizigen Ziele erfolgreich sein wird. Wir planen, während des ganzen Weges mit dabei zu sein.
Mehr zum Thema