Hannah Dudeck (Redakteurin)Lesedauer: 6 Minuten

Raffinierte Indexfolger Diese Stärken haben Smart-Beta-ETFs

Europäisches Wahrzeichen Atomium in Brüssel
Europäisches Wahrzeichen Atomium in Brüssel: Seit 2009 ist der Anteil der Smart-Beta-Produkte am gesamten europäischen ETF-Markt kontinuierlich gestiegen. | Foto: imago images / ANP

Ob Anleger mit Geld in Faktor-ETFs, die besonders risikoarm anlegen sollen, im vergangenen Frühjahr ruhiger schlafen konnten? Der entsprechende MSCI-World-Strategie-Index brach im März weniger stark ein als sein Standard-Pendant. „Mission erfüllt“, heißt es von den Anbietern. Sogenannte Faktor-, Alternative-Beta-, Strategic-Beta- oder Smart-Beta-ETFs setzen auf unterschiedliche Strategien, um Standard-Indizes zu schlagen oder Schwankungen im Portfolio zu verringern.

Welche Produkte Fondsgesellschaften unter diesem Etikett zusammenfassen, ist dabei durchaus unterschiedlich. „Für uns ist Smart Beta all das, was nicht klassisch auf marktkapitalisierte Gewichtungen abzielt“, sagt Stefan Kuhn, Deutschlandchef der ETF-Sparte SPDR von State Street Global Advisors. Diese Definition habe sich auch bei vielen anderen Anbietern im Markt durchgesetzt. In die Kategorie fallen bei SPDR Produkte, die sich unter Substanz, niedriges Marktrisiko und Dividenden fassen lassen. „Auch wenn es sich bei Dividendenstrategien nicht um klassische Faktor-ETFs handelt, sehen wir sie als Smart-Beta-Produkte, da sie eben nicht alleine nach Marktkapitalisierung gewichten“, erklärt Kuhn.

Auch für Morningstar gehören Dividenden-ETFs in die Rubrik. Einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Untersuchung zufolge machen diese Produkte mit 38 Prozent der Vermögenswerte den Großteil des europäischen Marktes der Strategie-ETFs aus. Auf Rang 2 folgen, Stand Ende 2019, risikominimierende Strategien mit 17 Prozent. Sogenannte Multifaktor-Ansätze, die mehrere Strategien bündeln, belegen mit etwas mehr als 11 Prozent Platz 3. Nur knapp darunter liegt der Anteil der Value-ETFs. Noch 7 Prozent der Vermögenswerte liegen in Produkten, die sich unter dem Faktor Qualität bündeln lassen. Die Nettomittelflüsse in Strategie-ETFs lagen der Analyse zufolge in Europa bei 9,5 Milliarden US-Dollar im Erhebungsjahr.

Mit dem klassischen ETF-Geschäft könne der Absatz nicht mithalten: „In den vergangenen Jahren waren vor allem konventionelle ETFs gefragt“, schrieb der ehemalige Morningstar-Chefanalyst Ali Masarwah, der mittlerweile nicht mehr für das Haus tätig ist. Insgesamt ist der europäische Markt zudem vergleichsweise klein: 88 Prozent der Gelder stecken in Produkten, die für den US-Markt aufgelegt wurden. Größter Anbieter in Europa ist mit 45 Prozent Marktanteil Schwergewicht iShares. Amundi kommt nach der Übernahme von Lyxor auf 12 Prozent, gefolgt von State Street (10 Prozent) und UBS (7 Prozent). Das ETF-Geschäft der DWS liegt mit 5 Prozent auf Rang 5.

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