ETFs für die Altersvorsorge? Transaktionskosten sind das Problem

ETF-Kolumne vom Fonds-Experten Detlef Glow von Lipper

Aus meiner Sicht gehören börsennotierte Indexfonds (ETFs) wegen ihrer geringen Managementgebühren zu den geeignetsten Produkten für die private Altersvorsorge. Denn gerade bei langfristigen Kapitalanlagen fallen die Kosten stark ins Gewicht.

Trotzdem nutzen bislang nur wenige Anleger ETFs im Rahmen von Sparplänen - und bringen sich damit häufig um den einen oder anderen Renditepunkt. Der Grund dafür sind meiner Meinung nach die hohen Transaktionskosten.

Die hohen Kosten machen ETF-Sparpläne erst bei größeren Sparbeträgen interessant

Das betrifft vor allem Sparpläne mit geringen Einzahlungen, wie auch die neueste Studie des Instituts für Vermögensaufbau (IVA) AG zeigt. Demnach fallen bei einem ETF-Sparplan über 50 Euro, bei Direktbanken in Deutschland durchschnittlich 4,7 Prozent Transaktionskosten an.

Die hohen Kosten machen ETF-Sparpläne erst bei größeren Sparbeträgen interessant. Diese können sich aber wiederum nur wenige Kunden erlauben.

ETFs kaufen ohne Transaktionskosten

Genau an diesem Punkt setzt eine neue Kooperation zwischen der Deutschen Bank und der  DAB Bank an. Dabei können Sparplan-Anleger dauerhaft ohne Transaktionskosten – mit Ausnahme der Xetra-Gebühr – in eine Auswahl von ETFs der Deutschen Bank investieren.

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Ich wundere mich, dass es solche Angebote nicht schon eher gegeben hat. Denn Sparpläne sind für Fondsanbieter sehr attraktiv, weil sie normalerweise für beständige Mittelzuflüsse sorgen.

In diesem Sinne ist die oben beschriebene Kooperation sicherlich ein richtiger Schritt, um neue Kundengruppen für ETFs zu erschließen. Ich denke, dass weitere ETF-Sparplanangebote ohne Transaktionskosten nur eine Frage der Zeit sein werden.

ETF-Kauf über Fondsplattformen?

Die ETF-Anbieter sollten darüber nachdenken, ihre Fonds neben den Direktbanken auch über die gängigen Fondsplattformen anzubieten.

Diese haben zwar meistens keine Börsenzugänge. Aber da sie die Transaktionen zu den Nettoinventarwerten abwickeln können, den die Anbieter einmal täglich berechnen, sollte das kein Problem sein.

Wären die ETFs auf Fondsplattformen gelistet, könnten sie auch von unabhängigen Finanzberatern vermittelt werden, die in der Regel mit diesen Plattformen zusammenarbeiten.

Die Berater scheuen sich wegen des gängigen Vergütungsmodells zwar meist noch, provisionsarme Produkte wie ETFs zu verkaufen. Aber die Zahl der Honorarberater, die nicht von Provisionen leben, wächst stetig.

Offen für neue Vergütungsmodelle

Wie gesagt: Aus meiner Sicht eignen sich ETFs ideal für die private Altersvorsorge, weil die geringen Kosten die Renditen kaum schmälern. Damit die Anleger davon profitieren können, müssen sie aber offener für neue Vergütungsmodelle werden.

Sie müssen begreifen, dass Finanzberatungen Dienstleistungen sind, für die sie zahlen müssen. Dann wäre der Weg in Deutschland frei für eine flächendeckende Honorarberatung.

Und die Anleger könnten sich im Schnitt sehr wahrscheinlich über höhere Kapitalerträge im Rahmen ihrer Altersvorsorge freuen.

Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von Thomson Reuters.

Glow schreibt regelmäßig in der Online-Community von Thomson Reuters - Lipper
, die nur für professionelle Investoren (Vermögensverwalter mit §32 KWG Zulassung o.ä.) zugänglich ist.

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