Europäische Aktien

Konjunkturzyklische Unternehmen stärker berücksichtigen

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Die wirtschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen in Europa entwickeln sich in die richtige Richtung. Vor dem Hintergrund der geopolitischen Spannungen in der Ukraine und im Irak präsentierten die Staaten des Euroraums zwar durchwachsene Wirtschaftsdaten. Gleichzeitig lag die Inflation deutlich unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2,0 Prozent, was auf deflationäre Tendenzen hindeutete. Die EZB senkte im Juni jedoch ihren Leitzins auf 0,15 Prozent. Außerdem führten die Währungshüter einen negativen Einlagensatz von minus 0,1 Prozent ein. Geschäftsbanken müssen seitdem einen Strafzins in dieser Höhe zahlen, wenn sie bei der EZB über Nacht Geld hinterlegen.

Wir begrüßen die von der EZB eingeleiteten Maßnahmen. Die Notenbank begegnet damit dem wichtigsten Hemmnis für den Aufschwung in Europa: Der unzureichenden Kreditvergabe an kleine und mittelständische Unternehmen durch die Banken, speziell in der südlichen Peripherie.

Energiesektor im Aufwind

Zu den Gewinnern im zweiten Quartal 2014 zählten Unternehmen aus dem Energiesektor. Ein großer europäischer Öl- und Gaskonzern profitierte von erwarteten Umstrukturierungen sowie von der konkreten Ankündigung, nicht zum Kerngeschäft zählende Vermögenswerte abzustoßen. Die Aktie eines zweiten Branchenunternehmens setzte nach den Parlamentswahlen in Indien zu einer Rallye an. Investoren erhofften sich von dem dortigen Machtwechsel Impulse für die Gesellschaft, die über Aktivitäten in Indien verfügt. Die siegreiche einstige Oppositionspartei BJP hatte versprochen, eine stärker unternehmensfreundliche Politik zu verfolgen.

Eine große britische Baumarktkette, zwei ebenfalls auf der britischen Insel ansässige Unternehmen des Transportsektors sowie europäische Finanztitel gehörten hingegen zu den Verlierern. In regionaler Hinsicht entwickelten sich die Aktienmärkte in Deutschland, Frankreich und Großbritannien unterdurchschnittlich. Die Londoner Börse litt zudem unter Zinsspekulationen. Anleger befürchteten, dass die Bank von England aufgrund der guten Konjunktur ihre Leitzinsen früher anheben könnte als zuvor erwartet.

Ausblick: „Wir rechnen mit steigenden M&A-Aktivitäten“

Die plötzliche Rotation der Anleger in defensive Aktien halten wir nicht für klug. Wir geben nach wie vor stärker konjunkturzyklischen Unternehmen den Vorzug, deren Geschäft sich auf die europäische Heimatregion konzentriert. Diese Gesellschaften befinden sich in zweifacher Hinsicht im Vorteil: Zum einen verfügen sie über das Potenzial, ihre operative und finanzielle Leistungsfähigkeit zu verbessern. Zum anderen sollten diese Unternehmen ihre Gewinnspannen aufgrund des sich erholenden Wirtschaftsklimas steigern können.

Gleichzeitig verfügen europäische Aktien weiterhin über attraktive Fundamentaldaten. Zu nennen sind hier insbesondere die überdurchschnittlichen Dividendenrenditen und hohen Cashflows. Hinzu kommt, dass wir angesichts solider Unternehmensbilanzen vermehrt mit Fusionen und Übernahmen rechnen. Steigende M&A-Aktivitäten (Mergers & Acquisitions) wirken sich gewöhnlich positiv auf die involvierten Unternehmen aus. Wir bleiben allerdings diszipliniert und beteiligen uns nur dann, wenn diese attraktive Erträge erwarten lassen.

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