Gerd Kommer und Alexander Weis Faktor-Investing – wie man es optimal betreibt

Alexander Weis (li.) und Gerd Kommer stellen vor, wie Anleger beim Kombinieren mehrerer Investment-Faktoren effizient vorgehen können. | © Gerd Kommer Invest

Alexander Weis (li.) und Gerd Kommer stellen vor, wie Anleger beim Kombinieren mehrerer Investment-Faktoren effizient vorgehen können. Foto: Gerd Kommer Invest

Der vorliegende Blog-Beitrag zu Factor Investing (Smart Beta Investing) vertieft den vorigen Beitrag „Die wichtigsten Strategien beim Factor Investing“. Interessierte Leser, die noch nicht mit Factor Investing vertraut sind, sollten zuerst den ersten Teil lesen.

Wer sich dazu entschieden hat, Faktorprämien in seinem passiv gemanagten Aktienportfolio zu berücksichtigen und das mit mehr als nur einer Faktorprämie tun möchte, steht vor der Grundsatzfrage, wie er solches Multifactor Investing praktisch umsetzen soll. Mit dieser eher technischen Frage befassen wir uns im vorliegenden zweiten Teil unserer Serie zum Thema Factor Investing. Es geht hier also um die konkrete Durchführung von Factor Investing oder salopper formuliert: Wie holt man sich Faktorprämien am klügsten ins Portfolio? Dieser Implementierungsfrage wird von vielen Privatanlegern unserer Erfahrung nach zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet.

Um den Sachverhalt visuell zu veranschaulichen, stellen wir den globalen Aktienmarkt symbolhaft als Würfel dar, genauer gesagt als den berühmten "Rubik's Cube" – siehe nachfolgende Abbildung 1. Unser Würfel repräsentiert die etwa 9.000 Aktien, die in rund 45 rund um den Globus verteilten Ländern laufend gehandelt werden. Diese 9.000 Aktien umfassen rund 99 Prozent der Marktkapitalisierung (des Börsenwerts) des globalen Aktienmarktes. Den Aktienmarktwürfel kann man, wie den echten Rubik's Cube, in 27 Teilwürfel aufspalten (= 3 × 3 × 3 = 27). Bezogen auf den Aktienmarkt repräsentieren die 27 Teilwürfel entlang der drei Dimensionen des Würfels – Höhe, Breite und Tiefe – die folgenden drei Faktorprämien: "Small Size" (Tiefe), "Value" (Breite) und "Quality" (Höhe). (Wir sind uns bewusst, dass mehr als nur drei solcher Rendite-Dimensionen, sprich Faktorprämien, existieren. Der Einfachheit halber beschränken wir uns hier aber auf diese drei.) Die Dimensionen der soeben genannten Faktorprämien sind in Abbildung 1 jeweils farblich hervorgehoben.

Abbildung 1: Die Faktorprämien Small Size, Value und Quality dargestellt als die drei Dimensionen Höhe, Breite und Tiefe eines Würfels. ► Quelle: Gerd Kommer Invest

Um als Anleger die drei gewünschten Faktorprämien „auszubeuten“, also in seinem Portfolio im Vergleich zu einem nach Marktkapitalisierung gewichteten Vergleichsindex überzugewichten, könnte der Anleger nun einfach drei einzelne Indexfonds erwerben: Einen globalen Small-Cap-ETF, einen globalen Value-ETF und einen globalen Quality-ETF – also einen ETF für jeden der drei Würfel. Diese Methode wird oft als „einfaches Multifactor Investing“ oder „Fund-Level Multifactor Investing“ bezeichnet. Sie ist in der Praxis die am meisten verbreitete Methode, Faktorprämien – verkürzt auch „Faktoren“ genannt – in einem Portfolio zu berücksichtigen.

Dieser traditionelle Weg des Multifactor Investing krankt jedoch an einem von vielen Anlegern übersehenen Grundproblem: Wer die drei Faktorprämien auf diese Weise kombiniert, holt zum Teil – indirekt und unabsichtlich – auch falsche, negative Prämien in sein Portfolio; also solche, die man eben gerade nicht haben wollte. So finden sich beispielsweise innerhalb eines Small-Cap-ETFs unweigerlich auch „Growth“-lastige und „Low-Quality“-lastige Small Caps. Denn die Aktien aus dem zugrunde liegenden Aktienuniversum wurden zwecks Bildung des Small-Cap-ETFs ja ausschließlich nach der Größendimension "Small Size" auseinandersortiert.