Ginmon-Chef Lars Reiner „Mit dem Geld auf deutschen Sparkonten lässt sich sechs Mal Griechenland sanieren“

Lars Reiner ist Gründer und Chef des Frankfurter digitalen Vermögensverwalters Ginmon. | © Ginmon

Lars Reiner ist Gründer und Chef des Frankfurter digitalen Vermögensverwalters Ginmon. Foto: Ginmon

Wovor haben die Deutschen Angst? Vor Krankheit? Vor Arbeitslosigkeit? Vor dem nächsten Gegner der DFB-Elf? Das ist nicht klar. Klar ist, wovor sie sich nicht fürchten, nämlich Inflation. Das glauben Sie nicht? Es ist erwiesen. Seit 20 Jahren führt eine große deutsche Versicherung eine Befragung zur jeweils größten Angst der Deutschen durch. In knapp der Hälfte der Fälle lautete die größte Sorge: Inflation. Im Jahr 2018 sorgen sich die Deutschen hingegen nicht vor steigenden Preisen, sondern hauptsächlich vor den Auswirkungen der aktuellen US-Politik. Nachvollziehbar ist das nicht.

Donald Trump ist egal

Angst ist eine Frage der persönlichen Betroffenheit. Nun kann man zu Donald Trump stehen, wie man mag, aber was hat der Mann bisher tatsächlich für einen Einfluss auf das Leben der Deutschen gehabt – nervige Twitter-Tweets außen vor gelassen? Richtig, dieser Einfluss ist für den Einzelnen eher gering. Welchen Einfluss hat dagegen der Anstieg der Inflation auf das Leben der Bundesbürger im Jahr 2018? Einen sehr hohen; für jede und jeden. Denn es geht den Deutschen ans Portemonnaie. Das ist denen aber offensichtlich egal. Das glauben Sie auch nicht? Und wieder liegen Sie falsch!

Just im Oktober stieg die Teuerung in Deutschland auf 2,5 Prozent, während sie im November bei 2,1 Prozent lag. Damit liegt sie derzeit auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren. Von zwei Prozent im August legte sie deutlich zu. Der Ärger hält sich offenbar Grenzen. Oder wie sonst ist es zu erklären, dass 2018 mehr als 2,2 Billionen Euro in Deutschland auf Giro- oder Tagesgeldkonten liegen? Mit dem Betrag ließe sich sechs Mal der griechische Staatshaushalt sanieren und vom Rest könnte man den Flughafen Berlin Brandenburg abreißen und 14-mal neu bauen lassen – davon 13-mal „In Time“.

Die Tatsache, dass es keine Zinsen auf Giro- und Tagesgeldkonten gibt, nehmen die Deutschen Sparer ja bereits seit Jahren billigend in Kauf. Dass ihnen dabei Geld verloren geht, scheint sie entweder nicht zu kümmern oder ihnen nicht im vollen Ausmaß bewusst zu sein. Die vergleichsweise hohe Inflation sorgt nämlich für einen realen Vermögensverlust.

Der Sparer zieht den Kürzeren

Legt man ein Tagesgeldkonto mit einer Verzinsung von 0,5 Prozent zugrunde – was derzeit weiter von der Realität entfernt ist, als die Erde vom Mars – und zieht die Inflationsrate von 2,5 Prozent ab, erhält man eine negative Realrendite von zwei Prozent. Bei einer Anlagesumme von 1.000 Euro blieben nach Ablauf eines Jahres 980 Euro, nach fünf Jahren wären schon knapp 100 Euro verschwunden. Klingt eher nach Geldvernichtung als nach Sparen.

Und so verlieren in Deutschland die fleißigen Sparer schleichend an eben jenem. Im September belief sich der Realzinsverlust auf knapp vier Milliarden Euro. Im Zeitraum von Januar bis September summiert sich der Verlust auf 27,5 Milliarden Euro; bis Ende des Jahres sind es schätzungsweise 40 Milliarden Euro. Das sind fünf Milliarden Euro mehr als das Bruttoinlandsprodukt von Serbien – oder rund fünfeinhalb Berliner Flughäfen.

Cleverer als der Sparer: der Anleger

Um am Ende nicht selbst vor der Ruine seines Ersparten zu stehen, sollten Sparer zu Anlegern werden. Wer den Kapitalmarkt für den Vermögensaufbau nutzt, kann sein Geld tatsächlich mehren und die Inflation ausgleichen. Nur mit einem breit diversifizierten Depot und einem langfristigen Anlagehorizont können so Renditen erzielt werden. Vielleicht wird es nicht für den Neubau des Berliner Flughafens reichen, aber womöglich für eine nette Altersvorsorge.