Goldman Sachs: Rohstoff-Hausse ist keine Blase

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Bei den Preissteigerungen an den Rohstoffmärkten in den vergangenen Monaten und Jahren handelt es sich nicht um eine Spekulationsblase. Vielmehr spiegeln die aktuellen Notierungen die fundamentalen Erwartungen der Marktteilnehmer wider. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie aus dem Hause Goldman Sachs. Die Analysten der amerikanischen Investmentbank weisen darauf hin, dass die typischen Anzeichen einer spekulativen Übertreibung an den Rohstoffmärkten derzeit nicht auszumachen sind. 

Wären die Preise an den Rohstoffterminmärkten nicht durch fundamentale Markteinschätzungen untermauert, müsste es zu Nachfragerückgängen und einem entsprechenden Überangebot auf den physischen Märkten kommen. Dieses Überangebot hätte wiederum steigende Lagerbestände zur Folge – der wichtigste Indikator für übertrieben hohe Preise. Deutlich erhöhte Lagerhaltungen könne man aktuell jedoch auf keinem der analysierten Rohstoffmärkte feststellen. Im Gegenteil, bei vielen Rohstoffen befinden sie sich am unteren Ende der historischen Spanne. 

Ohnehin, so die Analysten, weisen Rohstoffmärkte zwei Eigenschaften auf, die sie für spekulative Übertreibungen weniger anfällig machen als andere Kapitalmärkte. Zum einen können Investoren an den Rohstoffmärkten leicht und unbeschränkt auf fallende Kurse setzen. Wenn Marktteilnehmer die Preise angesichts der erwarteten Angebots- und Nachfrageentwicklung als zu hoch erachten, können sie sich dementsprechend durch das Eingehen von Short-Positionen nahezu unbeschränkt positionieren. Märkte, in denen dies nicht möglich ist, neigen eher zur Bildung von Spekulationsblasen. Die begrenzte Zahl frei gehandelter Aktien und der somit nur begrenzten Möglichkeiten zu Leerverkäufen war zum Beispiel eine der Ursachen für die Technologieblase Ende der neunziger Jahre. 

Zum anderen können Investoren auf dem Aktienmarkt auch verstärkt zu Käufen von Aktien motiviert sein, die sie als überteuert einschätzen. Diese Art von Käufen tritt dann auf, wenn Anleger erwarten, die Titel trotz Überbewertung zu einem späteren Zeitpunkt und einem höheren Preis weiterverkaufen zu können. An den Aktienmärkten kann diese Weitergabe von Aktien theoretisch unbeschränkt fort geführt werden. An den Rohstoffmärkten hingegen müssen die Netto-Long-Positionen am Ende an den physischen Verbraucher weitergegeben werden. Im Ergebnis sind die Preise von Rohstoff-Futures somit relativ stark an ein Niveau gebunden, das mit den Fundamentaldaten auf den physischen Märkten im Einklang steht.

Aktienmarktähnliche Spekulationsblasen können an den Rohstoffmärkten allein durch eine künstliche Verknappung des Angebots durch die Produzenten entstehen Dies wiederum würde eine erhöhte physische Lagerhaltung mit sich bringen, die aktuell nicht beobachtet werden kann. 

Die Studie thematisiert ebenfalls die viel diskutierte Rolle der spekulativen Marktteilnehmer und deren Einfluss auf die Rohstoffpreise. Demnach kann durchaus von einer Preis steigernden Wirkung dieser Händlergruppe gesprochen werden. Direkte Ursache ist jedoch nicht das verstärkte Eingehen von Long-Positionen. Der Grund liegt vielmehr in dem ihnen zugesprochenen überlegenen Informationsstand über aktuelle und zukünftige fundamentale Entwicklungen, den die Spekulanten durch ihre Positionierungen ausdrücken. Wenn die anderen Marktteilnehmer hinter den Käufen der Spekulanten ein fundamental begründetes Verhalten vermuten, übernehmen sie diese Erwartungen und akzeptieren höhere Preise.

Spekulanten treiben die Preise demnach nicht durch ungezügelte Käufe in die Höhe, sondern nehmen eine wichtige Roll im Preisbildungsprozess ein. Stärkere Kontrollen oder Handelsrestriktionen, wie sie für diese Gruppe derzeit in politischen Kreisen diskutiert werden, wäre nach Ansicht der Analysten der falsche Weg. Dann nämlich würde der Einfluss von hochwertigen Informationen auf den Preisbildungsprozess abnehmen, und Produzenten und Konsumenten wären einem höheren Preisrisiko ausgesetzt, das sie nicht adäquat managen können.

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