Stephan Albrech, Albrech & Cie.

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Gutes Aktienjahr 2012 dank der Geldflut von der EZB?

Welchen Unterschied eine Personalie macht. Unter EZB-Chef Trichet stand das Bankensystem der EU in den Augen der Anleger kurz vor dem Kollaps, weil der Franzose nicht zweifelsfrei klar stellte, dass die Notenbank, wenn nötig, die Märkte mit unbegrenzter Liquidität versorgt. Sein Nachfolger Draghi läutete diesen Kurswechsel ein und hat nun eine erste Kostprobe der Feuerkraft seiner EZB-„Bazooka“ geliefert. Nach der Reaktion insbesondere der Bankaktien zu urteilen, war der Erfolg durchschlagend.

Geldspeicher der Banken füllen sich

Die EZB schaltet die Kreditinstitute als Systemrisiko aus, indem sie ihnen nun die Geldspeicher füllt. Damit hat auch Europa sein Quantitative-Easing-Programm. Zudem haben kürzlich die Bank of Japan mit 100 Milliarden Euro und die englische Notenbank mit 50 Milliarden Pfund dem System große Liquiditätsspritzen verabreicht.

Die US-Notenbank hält derzeit zwar still, weil die Konjunktur besser läuft als erwartet, wird aber notfalls – wir haben schließlich Wahljahr – Geld drucken. Und China? Dort wurden die Mindestreserven für die Banken gelockert, und die Notenbank könnte die Zins-Zügel angesichts sinkender Inflation bald lockerer handhaben.

Anleger stecken noch im Krisen-Modus fest

Geld, das an die Börsen strömen könnte, ist also reichlich vorhanden. Sollte es zu keiner Rezession kommen, wie es der vierte Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas für Deutschland in Folge erwarten lässt, dürften die gut gefüllten Kassen den Risikoappetit der Großanleger anfachen.

Doch nicht nur monetär sieht die Lage anders aus als im vergangenen Jahr, auch das Sentiment unterscheidet sich: Während 2011 die deutliche Mehrheit zunächst noch von einer schnellen Lösung der Schuldenkrise ausging und dann ein böses Erwachen erlebte, sind die Anleger nun noch immer auf Krisen-Modus gepolt. Das ist börsentechnisch positiv zu werten, denn: Wer von einer Krise ausgeht, hat sein Geld noch auf dem Konto – und kann es später an den Märkten investieren und damit die Kurse treiben.

Rückschläge sind Kaufgelegenheiten

Fazit: Auch wenn die Konjunktur zwischenzeitlich abkühlt, sprechen die genannten Faktoren für eine weitere Börsenerholung. Temporäre Rückschläge sind daher ein guter Zeitpunkt, um Qualitätsaktien günstiger zu erstehen. Dass die Notenbanken mit ihrer Geldpolitik einen erneuten Preisanstieg der Rohstoffe, zu denen außer Energieträgern ja auch Lebensmittel gehören, in Kauf nehmen, steht indes auf einem weniger rühmlichen Blatt.

Der Autor: Stephan Albrech, Vorstand der Albrech & Cie. Vermögensverwaltung AG, Köln, und einer der Experten von www.vermoegensprofis.de.

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