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Aufbruch zum Wachstum

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Thailands Hauptstadt Bangkok: Die Währungen von Ländern, die Reformen vorantreiben und von einer guten konjunkturellen Entwicklung profitieren, stehen vor Aufwertungschancen. | © Getty Images

Interview mit Andreas König, Forex-Exchange-Experte „Währungen haben ein deutlich geringeres Risiko als Aktien“

Andreas König, Head of Global FX bei Amundi AM

Herr König, was sollten Anleger über den Euro wissen? Die Gemeinschaftswährung steht derzeit ungefähr bei 1,12 zum US-Dollar. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein?

Andreas König: Der Euro ist in den vergangenen Jahren trotz einzelner Schwankungen gegenüber dem US-Dollar recht stabil geblieben. Eine Vielzahl von Kräften hält das Wechselkursverhältnis ungefähr in der Balance. Die positive Handelsbilanz der Eurozone hat zum einen den Effekt, dass Geld in den Euro fließt. Auf der anderen Seite sind die Zinsen in der Eurozone niedriger, wodurch viele Investoren veranlasst sind, ihr Geld im US-Dollar anzulegen. Es ist wirklich paradox: Derzeit hat der US-Dollar die höchsten Zinsen der G10 Währungen. Normalerweise erhält man für die größte Sicherheit die niedrigsten Zinsen. Natürlich haben sich die Rahmendaten in den USA in der jüngeren Vergangenheit fest gezeigt, damit war es der Federal Reserve möglich, die Zinsen anzuheben. Derzeit wird der Zinsunterschied jedoch wieder kleiner, nachdem die US-Notenbank auf ihrem Zinspfad gerade eine Kehrtwende gemacht hat. Dennoch: Wir erwarten weiterhin ein recht stabiles Wechselkursverhältnis zwischen Euro und US-Dollar. Um den nachhaltigen Wert des Euros würde ich mir keine Sorgen machen.

Die Risiken in der Eurozone sind jedoch nicht von der Hand zu weisen …

König: Sie haben völlig recht. Der Brexit birgt Unwägbarkeiten. Italien bleibt wackelig. Wir leben nach wie vor in einem Europa ohne Bankenunion und einige Strukturen innerhalb der Europäischen Union sind nach wie vor nicht aus einem Guss. Die Eurokrise von 2011/12 könnte wieder aufleben, aber im Moment sehen wir diese Gefahr nicht. Entsprechende Risiken hängen über dem Euro – aber im Krisenfall würde er etwas abwerten, was die Wirtschaft gleichzeitig wiederum stützt. Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang, wie die Staaten in einem schwierigen Umfeld miteinander kooperieren würden. Wächst man weiter zusammen? Oder driftet man weiter auseinander? Aufgrund des aufkommenden Populismus in Europa ist eher Letzteres anzunehmen. Dabei müssten die EU-Staaten eigentlich enger zusammenstehen, um zukünftige Krisen schultern zu können.

Inwieweit verändert der derzeit verhärtete Handelskonflikt Ihre Arbeit im Währungsgeschäft?

König: Wesentliche Einflussfaktoren für Handel mit Währungsparitäten ändern sich dadurch. Zum Beispiel das positive Umfeld für Carry-Trades. Dabei kauft man eine Währung mit hohen Zinsen, und finanziert diesen Kauf, indem man eine andere Währung dafür gibt. Man kauft zum Beispiel Türkische Lira; die Zinsen in der Türkei liegen bei ca. 20 Prozent, und finanziert das Geschäft mit Euro, wo derzeit die Zinsen im negativen Bereich liegen. Wichtig ist bei Carry-Trades eine niedrige Volatilität zwischen den gehandelten Währungen, um Verlustrisiken zu begrenzen. Nötig ist auch genügende Liquidität, um solche Trades zu stemmen. In den vergangenen Jahren, in denen die Zentralbanken stets versucht haben, die Gefahr einer konjunkturellen Eintrübung mittels sehr niedriger Zinsen zu verhindern, waren Carry-Trades sehr beliebt, weil der Zinsunterschied so groß war. Die Volatilität auf den Währungsmärkten hingegen war gleichzeitig niedrig. Die Spielregeln waren klar: Währungen aus Ländern mit hohen Zinsen neigten zur Aufwertung, was natürlich auch ein höheres Risiko mit sich brachte. Mit dem globalen Abschwung ist dieser Weg nun wesentlich weniger attraktiv. Angesichts der Unsicherheit an den Märkten hat der Euro zuletzt eher gegenüber vielen anderen Währungen aufgewertet.

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