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Containerschiff im Hamburger Hafen: Deutschland wird von der Corona-Krise weniger stark getroffen als andere Staaten. | © imago images / Team2 Foto: imago images / Team2

Investment-Experte Benjamin Melman

Deutschlands Wettbewerbsvorteil wächst

Benjamin Melman, globaler Investmentchef von Edmond de Rothschild Asset Management

Nach den massiven Einbrüchen im März legten risikobehaftete Wertpapiere im April wieder zu. Treiber dieser Entwicklung waren nach Überzeugung von Benjamin Melman, globaler Investment-Chef von Edmond de Rothschild Asset Management, die konzertierten Unterstützungsmaßnahmen sowohl von Seiten der Geld- als auch der Fiskalpolitik. Dennoch bleibe kurz und mittelfristig die Unsicherheit für Anleger hoch.

Mit Ausnahme von Deutschland produziere kein westlicher Staat ausreichend Tests, um infizierte Personen in Quarantäne schicken zu können. Und es sei nicht einmal klar, ob die zur Verfügung stehenden Schutzmasken ausreichen werden, kommentiert Melman die medizinische Seite der Corona-Krise. Da es zudem bis zu zwölf Monate dauern könne, bis mit wirksamen Impfstoffen zu rechnen sei, dürfte die soziale Distanzierung noch länger anhalten – was die Wirtschaft weiterhin massiv belastet.

Zombie-Unternehmen auf dem Vormarsch

Auch der nächste Konjunkturzyklus dürfte von deutlich höherer Unsicherheit geprägt sein als vergangene Phasen. Denn während Unternehmen gewöhnliche Rezessionen dazu nutzen, ihre Verschuldung zu reduzieren und ihre Ertragsfähigkeit zu steigern, sind die Vorzeichen aus Sicht Melmans diesmal anders: Diejenigen Unternehmen, die die Krise überstehen, dürften eine noch höhere Verschuldung und vermutlich geringere Margen aufweisen, ist der Experte überzeugt. Die Anzahl sogenannter Zombie-Unternehmen dürfte daher zunehmen, insbesondere da die politischen Entscheidungsträger alles daransetzen, die Zahl der Insolvenzen so gering wie möglich zu halten und damit auch weniger rentablen Unternehmen einen Fortbestand zu ermöglichen.

Deutschland steht gut da

Für Unsicherheit sorgt nach Ansicht von Melman auch die im Zuge der aktuellen Krise nochmals gesteigerte Verschuldung vieler Staaten – die reduziert werden müsse. Dabei würde jedoch einerseits ein zu frühes Umlenken die wirtschaftliche Erholung behindern und daher kontraproduktiv wirken. Andererseits wären zu späte Maßnahmen sehr gefährlich angesichts der ohnehin bereits hohen Schuldenbelastung der öffentlichen Hand.

Die für die Euro-Staaten vorliegenden Daten deuten laut Melman darauf hin, dass Deutschland von der Krise weniger stark getroffen wird als seine Partner – was die Schere der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der verschiedenen Länder noch weiter auseinanderklaffen lässt. Auf der anderen Seite werden Italien, Frankreich und Spanien belastet durch sehr hohe Staatsschulden schwächer aus der Krise kommen, so der Experte. Wenn die Regeln zur Staatsverschuldung wieder in Kraft treten, werde es darauf ankommen, innerhalb Europas eine sinnvolle politische und wirtschaftliche Vereinbarung zu finden.

Aktien geringer gewichtet

In Bezug auf die Anlage-Allokation spricht das aktuelle Unsicherheits-Niveau laut Melman für erhöhte Vorsicht. Daher habe Edmond de Rothschild Asset Management nach der Erholung Anfang des vergangenen Monats und vor dem Treffen der Eurogruppe am 23. April die Gewichtung in europäische Aktien reduziert. Vorerst warten Melman und seine Kollegen ab, wie die institutionelle Reaktion eines Europas ausfallen wird, das sowohl ökonomisch als auch politisch zunehmend heterogen ist.

Und auch bei globalen Aktien ist die französische Fondsgesellschaft derzeit leicht untergewichtet, da die Situation sehr dynamisch ist und es sich um eine gänzlich neue Krise handelt. So ist die globale Wirtschaftsleistung in beispiellosem Umfang eingebrochen und auch die fiskal- und geldpolitischen Stimulus-Maßnahmen besitzen einen enormen Umfang, sodass beträchtliche Kapitalbeträge auf dem Spiel stünden. Laut Melman ist es daher nur sehr eingeschränkt möglich, Parallelen aus vorangegangenen Phasen zu ziehen, um die Auswirkungen der aktuellen Krise abschätzen zu können, wie er an einem Beispiel veranschaulicht:

Seit dem 1. März hat sich die Bilanzsumme der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) um 2,41 Billionen US-Dollar ausgeweitet. Im Vergleich dazu war sie in den sechs Jahren nach der großen Finanzkrise und während der Umsetzung von vier quantitativen Lockerungsprogrammen um 3,6 Billionen US-Dollar gestiegen. Somit hat sich die Zentralbankbilanz bereits um zwei Drittel des Gesamtbetrages der größten und längsten jemals realisierten monetären Stimulus-Operation erhöht – in nur acht Wochen.

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