Investmentchef Reinhard Pfingsten 5 Gründe, die für Gold sprechen

Reinhard Pfingsten, Investmentchef bei der Bethmann Bank.

Reinhard Pfingsten, Investmentchef bei der Bethmann Bank.

Dass Gold nicht mehr richtig als Versicherungsschutz gegen Krisen funktioniert, hat sich zuletzt bei der Eskalation des Handelsstreits der USA mit China gezeigt. Obwohl US-Präsident Donald Trump gegenüber der Volksrepublik eine immer härtere Gangart einschlägt, notiert das Edelmetall nicht höher als vor drei Monaten. Dennoch sind die Aussichten für Gold durchaus positiv. 

Erstens befindet sich das Wirtschaftswachstum weltweit in einer späten Phase des Zyklus. Wachstum wird weiterhin vorhanden sein, unter anderem durch fiskalpolitische Impulse. Weltweit beobachten wir aber eine Schwäche der Industrie und in den USA verliert die Nachfrage der Konsumenten an Dynamik. Zwar steigen die Einkommen der amerikanischen Verbraucher durch die niedrige Arbeitslosigkeit und höheren Löhne.

Doch nach rund zehn Jahren Wirtschaftswachstum sind die Konsumenten langsam satt und fahren die Sparquote hoch. Gleichzeitig bleibt Europa strukturell schwach. Da hilft es nur wenig, dass China durch fiskalische Maßnahmen wie die Senkung der Mehrwertsteuer die Wirtschaft unterstützt. Von einer steigenden Nachfrage der chinesischen Konsumenten profitieren in erster Linie heimische Unternehmen und weniger die europäische Exportfirmen. 

Da allerdings auch keine Rezession zu erwarten ist, ist das konjunkturelle Umfeld für Gold recht positiv: Erfahrungsgemäß profitiert das Edelmetall von etwas steigenden Preisen und einer höheren Volatilität, die für die späte Phase eines Konjunkturzyklus typisch ist. 

Notenbanken kaufen Gold

Dazu kommt, dass eine Reihe von Zentralbanken vermehrt bei dem Edelmetall zugreifen. Nach Angaben des World Gold Council haben die Notenbanken netto im ersten Quartal 2019 ihre Bestände um 145,5 Tonnen erhöht. Das ist der höchste Wert für ein Auftaktquartal seit sechs Jahren. Vor allem Länder wie China, Russland oder auch die Türkei wollen ihre Devisenbestände mit Gold weiter diversifizieren und sich so etwas unabhängiger vom Dollar machen. 

Drittens ist wieder ein etwas schwächerer Dollar zu erwarten. Dafür spricht die erwähnte nachlassende konjunkturelle Dynamik in den USA. Außerdem hat die US-Notenbank Fed die Phase steigender Zinsen beendet, was dem Dollar Unterstützung entzieht. Meistens neigt der Goldpreis zu einer Erholung, wenn der Dollar nachgibt. Diese gegenläufige Entwicklung hat sich im Laufe der Zeit als relativ stark und stabil erwiesen. 

Zwar gab es auch immer wieder Zeiten, in denen sowohl Gold als auch der US-Dollar gleichzeitig nachgaben. Das passierte aber meistens in einem Umfeld, in dem die US-Realrenditen stiegen, was die Goldpreise drückte. Parallel erhöhten sich die Realrenditen außerhalb der USA stärker als in den Vereinigten Staaten, was wiederum den Dollar belastete. Doch davon sind wir derzeit weit entfernt. Das Zinsniveau ist in den USA immer noch spürbar höher als anderswo. 

Außerdem dürfte die Fed noch eine Zeit lang an ihrer Zinspause festhalten. Es gibt sogar schon Forderungen nach einer Zinssenkung. Auch die anderen großen Notenbanken wie die EZB, die Bank of Japan oder die People`s Bank of China verfolgen eine insgesamt lockere Geldpolitik und sorgen damit für ein niedriges Zinsniveau. Auch davon profitiert das zinslose Edelmetall.