Jens Weidmann über Konjunkturbesserung

EZB-QE nicht nötig

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“Ich war und bin weiterhin nicht überzeugt, dass die gesamtwirtschaftliche Lage” den Einsatz einer quantitativen Lockerung wirklich erforderlich gemacht hätte, sagte Weidmann, der auch Präsident der Deutschen Bundesbank ist, bei der Vorstellung des Geschäftsberichts der Notenbank in Frankfurt am Donnerstag. “Problematisch ist insbesondere, dass die Zentralbanken des Eurosystems durch die umfangreichen Käufe von Staatsanleihen zum größten Gläubiger der EWU-Mitgliedstaaten werden. Finanz- und Geldpolitik werden hierdurch noch stärker miteinander verknüpft.”

Die Bundesbank, die zu dem 19 Länder umfassenden System der europäischen Zentralbanken gehört, hat in dieser Woche mit Käufen gemäß ihrer Quote an Staatsanleihen unter dem 1,1 Billionen Euro schweren Aktiva-Kaufplan der EZB begonnen. Zwar bestreitet Weidmann den Bedarf weiterer Impulse, dennoch muss seine Institution den größten nationalen Anteil der Käufe durchführen.

In ihrem Geschäftsbericht schrieb die Bundesbank, dass der Überschuss im Geschäftsjahr 2014 auf 2,95 Milliarden Euro gesunken sei, nach 4,59 Milliarden Euro 2013. Der Rückgang sei vor allem auf die geringeren Zinerträge zurückzuführen. Die deutsche Notenbank hat die Wagnisrückstellung unverändert bei 14,4 Milliarden Euro belassen.

“Aufgrund der Leitzinssenkungen im Juni und September 2014 ist das erwartete Jahresergebnis 2015 rückläufig”, schrieb Weidmann. “Die Wagnisrückstellung bleibt auch deshalb unverändert hoch, weil sich durch die vom EZB-Rat neu beschlossenen Ankaufsprogramme zusätzliche Kreditrisiken ergeben.”

Die Bundesbank berichtete, dass in “den besonders von der Krise betroffenen Ländern sich nun mehr und mehr die Wachstumskräfte durchzusetzen scheinen”, und der Euroraum insgesamt ein höheres Wirtschaftswachstum aufweisen dürfte. Dazu beigetragen haben dürften die günstigeren Perspektiven für den internationalen Handel, die verbesserten Finanzierungsbedingungen und der erheblich gesunkene Ölpreis.

In dem Jahresbericht heißt es, die deutsche Wirtschaft dürfte in diesem Jahr “etwas über ihrer Normalauslastung wachsen, im Jahr 2016 womöglich noch kräftiger”

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