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Makroausblick Lombard Odier IM Steht Europa vor einer „Japanisierung“?

Salman Ahmed, Global Strategist bei Lombard Odier Investment Managers
Salman Ahmed, Global Strategist bei Lombard Odier Investment Managers
In den vergangenen Wochen erinnerten uns die weltweiten risikoreicheren Assetmärkte an ein grundlegendes Naturgesetz, das sowohl unsere Welt als auch das Universum bestimmt: Die Entropie. Diese physikalische Größe erklärt, warum die Zeit kontinuierlich vorwärts läuft und warum sich der natürliche Zustand des Universums mehr in Richtung Chaos als in Richtung einer zunehmenden Ordnung bewegt.

Die „intelligente“ Interaktion des Menschen mit der Natur war seit Anbeginn des Lebens auf das Management dieses natürlichen Prozesses (also zunehmendes Chaos) ausgerichtet. In der Tat, so wie Dinge derzeit stehen, wird die Fähigkeit der verantwortlichen Politiker, diese zunehmende „Unordnung“ zu managen, entscheiden, welches Lager (Bullen oder Bären) in den kommenden Monaten und Quartalen die Nase vorn haben wird.

Panische Bären

Das Szenario, dass die Bären unterstützt, ist klar. Der massive Anstieg der Verschuldung in der globalen Wirtschaft seit der Krise 2008/09, insbesondere in China und dem weltweiten Energiesektor, kommt zu seinem unvermeidlichen Ende. Eine Trendwende bei den Konkursen, die notwendig wäre um das System zu reinigen, die bis jetzt aber von unprofitabler Verwendung von Kapital in erheblichem Ausmaß blockiert ist, scheint langsam anzufangen.

Der weitverbreitete Einsatz von Wertpapierkaufprogrammen durch das Drucken von Geld, eingesetzt von den großen Notenbanken der Welt, hat einen direkten Anreiz zur ineffizienten Nutzung von Kapital geschaffen. Dabei fanden die zugrundeliegenden Fundamentaldaten allerdings keine ausreichende Berücksichtigung.

Während dieser Kapitaleinsatz in vollem Gange war, wurden die Risikoprämien in einigen risikoreichen Märkten „künstlich“ niedrig gehalten, um diesen Prozess zu erleichtern. Das führte zu einem zeitweisen Wachstumsschub (auch wenn dieser viel geringer war, als ursprünglich anvisiert oder versprochen) und schuf eine Art „Goldilocks“-Umfeld für die globale Wirtschaft.

Die erste Bewährungsprobe für diese „neue wirtschaftliche Ordnung“ kam 2011, als politische Themen in Europa das Schlaglicht auf die zugrundeliegenden Verschuldungskennziffern warfen. Jedoch rettete Mr. Draghi die Situation – er zauberte einen Hasen aus seinem politischen Hut und versprach, alles Notwendige zu tun („whatever it takes“), um den Euro zu verteidigen. Die durch dieses Versprechen erzielte Glaubwürdigkeit genügte, um die Märkte zu beruhigen, und schaffte einen Gezeitenwechsel, indem der Anreiz einer „Zusatz-Rendite“ das Kapital zurück nach Europa brachte.

„Beta“-Schock erwartet: Risikoreiche Anlagen sind überbewertet

Wenn wir auf 2016 schauen, dann ist der grundlegende Fokus auf die Fundamentaldaten stärker als je zuvor. Schließlich setzt sich die Wachstumsabschwächung in China, gepaart mit den Risiken einer Finanzkrise (angesichts anhaltender Kapitalabflüsse und schlechter politischer Kommunikation), fort, was derzeit auch in den globalen Makrodaten der Welt nachhallt. In dieser Situation ist der Start des Zinserhöhungszyklus durch die Fed, der den Dollar (die entscheidende Reservewährung der Welt) in den vergangenen eineinhalb Jahren nach oben getrieben hat, nicht gerade hilfreich.

Um das Bären-Szenario zusammenzufassen: Die Katze ist aus dem Sack und die hohen Bewertungen (besonders bei risikoreicheren Anlagen in den USA) passen nicht mehr zur globalen wirtschaftlichen Realität. Deshalb muss der weltweite Komplex risikoreicher Assets einen heftigen „Beta“-Schock, in Form fallender Kurse, durchlaufen. Dieser fängt gerade an, die Risikoprämien durch die Bank nach oben zu schieben.

Was die Bären aber in Angst und Schrecken versetzt, ist eine Wiederholung des politischen „Tricks“ von Mr. Draghi, der entweder verspricht, das System mit zusätzlicher freier Liquidität zu fluten, oder es tatsächlich tut. Auf jeden Fall aber genug, um den Blick auf die grundlegende Realität zu verschleiern, und um zu einer Art „Ordnung“ zu kommen, indem Investoren dazu gebracht werden, risikoreiche Anlageklassen zu kaufen, während die Erträge risikofreier Assets tiefer in negatives Territorium absinken.