Mohamed El-Erian

Mohamed El-Erian

Mohamed El-Erian

„Das politische System hat die Wirtschaft im Stich gelassen“

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Der Ex-Investmentchef von Pimco und heutige Unternehmensberater Mohamed El-Erian hat sich im Interview mit der Börsen-Zeitung verhalten pessimistisch zur zukünftigen europäischen Marktentwicklung geäußert.

Europäische Einigung unzulänglich

El-Erian vergleicht den wirtschaftspolitischen Kurs Europas mit einer Straße, auf der man unter zwei Voraussetzungen immer weiter gefahren sei: Das Wachstum gehe langsam, aber stabil voran und die Zentralbanken würden es schaffen, Volatilität im Notfall einzudämmen.  Diese Straße ende jetzt, so El-Erian. Die Politik habe nicht die nötigen Voraussetzungen für eine Fortführung  geschaffen.

Den Kern des Problems sieht El-Erian in der nur unzulänglich umgesetzten europäischen Einigung. Neben Währungs- und Bankenunion fehle Europa eine Fiskalunion und eine politische Einigung. „Es gibt keinen Zweifel daran, dass das politische System die Wirtschaft im Stich gelassen hat“, so El-Erian. Die Zentralbanken könnten zwar korrigierend eingreifen. Sie könnten jedoch kein ökonomisches Wachstum kreieren, da sie auf politische Vorarbeit angewiesen seien. Mittlerweile hätten sie die Grenzen ihrer Möglichkeiten erreicht.

Hoffnung auf den „Sputnik-Effekt“

Die Politik habe indessen nur unzulänglich den Boden bereitet. Die westlichen Demokratien hätten heute nicht mehr zyklische, sondern in erster Linie strukturelle Herausforderungen zu bewältigen, schätzt El-Erian ein.

Für die Zukunft setzt der Ex-Pimco-Experte auf einen „Sputnik-Effekt“: Die USA sei von der Entsendung eines sowjetischen Saltelliten ins Weltall in den 1950er-Jahren überrascht worden und hätten daraufhin ihre eigenen Anstrengungen in der Raumforschung massiv ausgeweitet. Auf eine ähnliche Initialzündung hofft El-Erian nun für die Wirtschaft.

Eine schnelle politische Umsetzung der geforderten Einigungsanstrengungen hält der Ex-Pimco-Experte indes selbst für wenig realitisch: „Ich sage nicht, dass es wahrscheinlich ist. Aber es ist möglich“, so El-Erian zur Börsen-Zeitung.
 

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