Nachdem Schürfer aufgeben „Werden nun weniger Bitcoin-Blöcke erzeugt, Herr Biagosch?“

Nicolas Biagosch: „50 Millionen Tera-Hash pro Sekunde“ | © Postera Capital

Nicolas Biagosch: „50 Millionen Tera-Hash pro Sekunde“ Foto: Postera Capital

Im Netz kursieren Fotos von verschrotteten Bitcoin-Farmen, weil sich durch den gesunkenen Bitcoin-Kurs das Schürfen nicht mehr lohnt. Wie sehr ist die Rechenleistung des Netzwerks gesunken?

Nicolas Biagosch: Die Leistung misst man an der sogenannten Hash-Rate. Sie ist zuletzt tatsächlich gesunken, nachdem sie jahrelang nur gestiegen ist und liegt jetzt in etwa auf dem Niveau von Mai oder Juni 2018. Das ist auch ganz gut so.

Inwiefern?

Biagosch: Die Leistung betrug Ende 2017 rund 15 Millionen Tera-Hash pro Sekunde und stieg dann auf über 50 Millionen in der Spitze. Das war im Vergleich zur Preisentwicklung zu schnell und zu viel. Jetzt ist das System wieder etwas geschrumpft und damit effizienter geworden.

Durch das Schürfen entstehen auch neue Blöcke für die Bitcoin-Blockchain. Werden nun weniger Blöcke erzeugt?

Biagosch: Nein, das System reguliert sich selbst. Mit der sinkenden Leistung sinkt auch die Schwierigkeit der zu lösenden Rechenaufgaben. Das war gerade erst vor etwas über einer Woche wieder der Fall. Damit bleibt die Geschwindigkeit gleich, mit der neue Blöcke entstehen.

Die Macher haben also ein Einsehen?

Biagosch: Es gibt keine Bitcoin-Macher in dem Sinne. Alles passiert vollautomatisch.

Warum verpulvert man eigentlich so viel Energie für so ein unausgereiftes System?

Biagosch: Zunächst halte ich es für einen Fehler, neue Dinge mit fertig ausgereiften Dingen zu vergleichen. Wenn man das macht, legt man alles Neue automatisch weg und kommt nie voran. Und das Thema Energie finde ich in anderen Gebieten viel schlimmer. Den meisten Strom auf der Welt verbraucht das US-Militär. Ist Krieg eine notwendige Sache? Ich finde, nein.