Foto: fastduck / photocase.com

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Niedrigzins fördert Wohnungskauf

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Jeder zweite Deutsche wohnt in den eigenen vier Wänden. Überdurchschnittlich hoch ist dieser Anteil bei Kindern und Personen ab 45 Jahren.

Berechnet man die Quote nach Wohnungen, die von ihren Eigentümern bewohnt werden, liegt Deutschland mit 43 Prozent ganz weit hinten im Europa-Vergleich. Nur in der Schweiz gehören noch weniger Immobilien ihren Bewohnern.

„Auf Etage“ wohnen noch 80 Prozent zur Miete

Wenn schon Eigenheim, dann ein Haus – scheint die bisher verbreitete Maxime. Schließlich wohnen in fast zwei Drittel der Einfamilienhäuser die Eigentümer selbst.

Im Geschossbau sieht das ganz anders aus. „Auf Etage“  wohnen knapp 80 Prozent zur Miete, nur knapp 20 Prozent ist von Eigentümern bewohnt.  Hier ist Potenzial zum Eigentumserwerb noch groß.

Der Wunsch nach dem Eigenheim ist bei vielen Mietern durchaus vorhanden. Welche Studie man auch nimmt: Der Großteil der Deutschen würde gern in den eigenen vier Wänden wohnen und sieht dies auch als gute Altersvorsorge.

Wohnungseigentum auch für Einkommensschwächere

Ein Anfang ist bereits gemacht. Ende der 80er Jahre gab es nur 16 Prozent Eigentümer in Mehrfamilienhäusern, zeigt eine Studie von Empirica im Auftrag der Landesbausparkassen.

Für das Forschungsunternehmen ist mehr selbst genutztes Eigentum an Geschosswohnungen der Schlüssel zur Erhöhung der Wohneigentumsquote bei jungen, einkommensschwächeren Haushalten.

Eine Analyse hat ergeben, dass bei den typischen Geschosseigentümern, nämlich die 30- bis 39-jährigen Haushalte, vor allem die einkommensschwächere Hälfte im Mehrfamilienhaus Eigentum gebildet hat.

Der Anteil der Eigentümer könnte weiter wachsen. Das aktuelle Zinsumfeld bietet beste Konditionen für  Käufer: Einen zehnjährigen Hypothekenkredit gibt es zurzeit bei den günstigsten Anbietern für fast lächerliche 3,2 Prozent Zinsen.

Für 500 Euro im Monat können Immobilieninvestoren so rund einen Kredit von 140.000 Euro bei einem Prozent Tilgung bezahlen. Anfang der 90er reichten 500 Euro nicht einmal für die Hälfte, damals waren noch 8 Prozent und mehr fällig.

Verkäufer von Baufinanzierungen freuen sich zurzeit über eine Hochkonjunktur. Die dürfte noch etwas anhalten. Auch wenn die Bauzinsen durchaus in den nächsten Monaten wieder anziehen können, starke Sprünge sind nicht so schnell zu erwarten.

Niedrige Zinsen machen Immobilien erschwinglich

Durch den niedrigen Zins sind Wohnungen in Deutschland weiter erschwinglich. Die Deutsche Bank Research hat einen Erschwinglichkeitsindex entworfen, der die Annuität (also die zu zahlende Rate) einer Vollfinanzierung zu den verfügbaren Einkommen in Relation setzt.

2010 liegt er in der Nähe des historisch niedrigsten Werts. Selbst wenn die Hypothekenzinsen um einen vollen Prozentpunkt steigen sollten, läge der Index immer noch 30 Prozent unter dem langjährigen Mittelwert.

Ein zusätzliches Bonbon zu den niedrigen Zinsen liefert der Staat: Über die Riester-Förderung zahlt er einen Obulus bei der Tilgung von Eigenheimen hinzu.

Ebenso dürfen Immobilienkäufer ihr angespartes Vermögen im Riester-Vertrag zum Kauf eines Eigenheims einsetzen oder bei Rentenbeginn den laufenden Kredit ablösen. 

Wohnungsprivatisierung schafft Angebot

Gute Zeiten also für Wohnungsprivatisierer, die ganze Wohnblöcke in einzelne Eigentumswohnungen wandeln und diese stückweise verkaufen. Dem Arbeitskreis Wohnungsprivatisierung des Bundesverbands Freier Wohnungsgesellschaften (BfW) zufolge sind noch allein rund 3,3 Millionen Wohnungen in kommunaler Hand.

Eine Privatisierung würde die klammen Kassen etwas füllen. Hinzu kommen Wohnungsbestände aus nicht öffentlicher Hand, die nach Umwandlung in Einzeleigentum  ebenfalls an die Mieter, neue Selbstnutzer oder Kapitalanleger verkauft werden.

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