Oliver Pradetto

Oliver Pradetto

Oliver Pradetto zur Bafin-Kontrolle der 34f-Berater

„Bürokratie- und Kostenorgien“

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DAS INVESTMENT: Sind Sie für oder gegen die Kontrolle der 34f-Vermittler durch die Bafin und aus welchem Grund?

Oliver Pradetto: Grundsätzlich hält blau direkt es für sinnvoll, dass auch Vermittler unter die Kontrolle der Bafin gestellt werden. Bisher ist es so, dass die Bafin ausschließlich die Institute und Versicherer beaufsichtigt. Diese stellen sich gegenüber Vermittlern frei, indem diese in Ihren Verträgen die Pflichten an die Vermittler formaljuristisch weiterreichen. Dort werden diese dann regelmäßig nicht erfüllt und nichts geschieht. Die Bafin fühlt sich nicht zuständig, Instituten und Versicherern ist es egal, so lange der Umsatz stimmt.

So kann es nicht weitergehen. Recht darf nicht über Vermittlerstrukturen ausgehebelt werden, denn dann verliert immer der Qualitätsvermittler und dies zwei Mal: Erst weil er ein bisschen Umsatz an die weniger seriös vermittelnden Kollegen verliert, dann weil Verbraucherschutz und Politik ihn in einen Topf mit den anderen werfen und tot regulieren. Wir brauchen weniger neue Regulierung. Es würde reichen effektiv umzusetzen, was es schon gibt. Können Sie die Argumente des anderen Lagers nachvollziehen?

Natürlich. Behörden sind schwerfällig, teuer und bergen die Gefahr von Bürokratie-Orgien. Außerdem werden die Behörden nach dem Gusto der jeweils herrschenden Partei in der Führung besetzt und dann geführt. Das ist für die Wirtschaft immer ein schwer kalkulierbares Risiko. Doch diese Argumente ziehen nur, wenn wir eine bessere Alternative bieten. Das hat die Branche versäumt. Ist Ihrer Ansicht nach die bisher vorgenommene Regulierung der Vermittler branchenweit (also auch von Versicherungsvermittlern, Honorarberater, Immobilienkreditvermittlern et cetera) ein Erfolg? Das hängt von der Perspektive ab. Die Regulierung hat zweifelsohne positive Auswirkungen auf die Qualität der Branche. Allerdings sind diese recht gering, wenn man bedenkt welche Bürokratie- und Kostenorgien dafür in Kauf genommen werden mussten. Ich glaube, dass etwas getan werden musste und ich begrüße die Absicht, aber in der Art der Umsetzung hätte ich mir anderes gewünscht. Welches ist die drängendste Frage im gesamten Regulierungskomplex der Finanzdienstleistungsbranche, die an erster Stelle gelöst werden müsste?

Politik und Verbraucherschutz glauben das im wesentlichen die Provisionshöhe darüber entscheidet, was in welcher Qualität verkauft wird. Ich glaube selbst eine geringe Höhe der Bezahlung macht voreingenommen, wenn die gesamte Bezahlung von einem einzigen Produkthersteller kommt. Die Wahrheit ist doch: Wenn Du 10.000 unabhängige Makler regulierst, verkaufen 80.000 Ausschließlichkeitsvermittler immer noch den gleichen Murks. Einem Ausschließlichkeitsvermittler mit schlechten Produkten nützen Qualifizierung, Dokumentierung und Registrierungsvorschriften ebenso wenig wie die Kürzung seines Einkommens. Am Ende hat er immer noch das gleiche Produkt an den Kunden zu bringen. Da liegt das zentrale Problem.

Du kriegst keinen guten Preise im Zugverkehr, so lange ein einziger Marktteilnehmer bestimmt, wer die Schienen benutzen darf. Telefonpreise blieben hoch so lange die Leitungen der Telekom gehörten. Strom bleibt teuer, wenn kleine Wettbewerber nicht an das Netz kommen und so weiter. Du musst das Produkt vom Zuliefererweg trennen. Nur dann erreichst Du echten Wettbewerb und damit Verbesserung. So lange der Versicherungsvertrieb wesentlich in der Hand der Versicherer selbst ist, ist jede Regulierung für die Katz. Glauben Sie, dass ein Regierungswechsel in Berlin oder die Evaluierung bestehender Richtlinien durch Brüssel zu signifikanten Änderungen in der Kontrolle der Finanzvermittler führen wird? Wir leben in einer Demokratie unter dem Primat der Politik. Da ist alles möglich. Allerdings glaube ich nicht an Wohl und Wehe eines bestimmten Wahlergebnisses: Was die Linken mit teils weltfremder Ideologie beschädigen, ruinieren die Rechten durch Inkompetenz und Klientelpolitik. Am Ende wird es darauf ankommen, dass wir selbst das Heft des Handelns in die Hand nehmen. Wenn unsere Branche ihre Probleme löst, statt ständig welche zu verursachen, wird weder rechts noch links uns reinpfuschen.

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