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Private Label Fonds: Professionalisierung erstrebenswert

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Netzwerk – Kontakte sind keine Garantie

Es gibt Fondsprojekte, die trotz exzellentem Netzwerk scheitern. Dieser Sachverhalt wurde von dem Autor in einem anderen Beitrag angesprochen – kurz gesagt: Fondsprojekte, auf welche die Welt nicht gewartet hat bzw. die gegenwärtige bzw. die zu erwartende Leistung des potenziellen Fondsmanagers überzeugt nicht.

Bei Fondsinitiatoren, die scheinbar über ein exzellentes Netzwerk verfügen, stellt sich selbst bei erkennbarer Erfolgsträchtigkeit des Fondsauflagevorhabens (Performance, Track Record etc.) die Frage, ob der Fondsinitiator in einem vertretbaren Zeitrahmen die notwendige Anzahl von den richtigen Kontakten anspricht (u. a. auch Thematik Ressourcen): Aus Erfahrung kann man sagen, dass zum Beispiel nur eine sehr kleine Anzahl von Initiatoren überhaupt relevante Datenbanken besitzen bzw. aufgebaut haben. Auch bestimmte Family Offices haben in Teilen diese Probleme: Aus Gründen der Diskretion kann nicht „laut polternd“ auf dem Markt nach Investoren oder Co-Investoren gesucht werden, Eleganz in der Kommunikation ist gefragt – mit oder ohne Datenbanken.

Erfahrungsaustausch kann hilfreich sein: Verbände wie der Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland e. V. (VuV) oder auch Nachrichtendienste wie Citywire (Ausland) können oft Anregungen bieten oder aufzeigen, welche Unternehmen sich möglicherweise mit ähnlichen Fragestellungen (Produktauflage, Seeding, Vertrieb etc.) beschäftigen.

Budget und Ressourcen – zentraler Stolperstein bei Fondsprojekten

Die Budgetierung von internen oder möglicherweise extern unterstützen Fondsauflageprojekten stellt häufig den strategischen Engpass bei der Konzipierung neuer Fonds dar. Wie bei Forschung und Entwicklung im Bereich Industrie gilt auch für die professionelle Fondsauflage: Wenn Projekte im Trubel des Tagesgeschäftes heranreifen - manchmal sogar eher aus wirtschaftlicher Not motiviert bzw. aus opportunistisch getriebener „Ertragsgier“ – besteht bewusst oder unbewusst oft die Gefahr, dass der Startschuss für eines der zahlreich am Markt zu findenden „Wir-wursteln-uns-konzeptionslos-durch“-Projekte entsteht. Am Schluss dieser Projekte steht dann ein verzweifelter Fondsinitiator, der bei der Endphase der Seed Money-Suche mit der „Streubüchse“ versucht, händeringend irgendeinen bzw. irgendwelche Investoren zu finden.

Der Stresspegel bei Fondsprojekten steigt insbesondere, wenn sich langsam die Erstzeichnungsfrist dem Ende zuneigt. Eine Sondervariante dieser Stressvariante sind Gespräche mit Fondsinitiatoren mit dem Tenor: „Wir haben das nötige Geld für den Fondsstart schon eingesammelt – uns fehlen nur noch die letzen zwei Millionen von zwanzig Millionen – habe Sie nicht eine Idee?“

Fazit: Wenn beispielsweise eine unausgegorene Fondsidee auf nicht-priosierende, unterbudgetierte Projektdesigns trifft, kann der Fondsinitiator sich auf spannende, aufreibende Zeiten einstellen. Der Wunsch, einen eigenen Fonds aufzulegen, kann einen lehrreichen und erfolgreichen, ertragreichen Prozess anstoßen. Sollte sich im Laufe der kommenden Jahre eine Professionalisierung im Bereich Seed Money-Suche entwickeln, dann würde zunehmend der folgende Ausspruche Gültigkeit verlieren: „Wie Butter in der Sonne - am Schluss schmilzt nichts so schnell hin wie die Zusage von Seed Money“. Man wünscht es der Branche von Herzen – interessante neue Produkte bereiten Vertrieb und Investoren große Freude. Über den Autor: Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt. Seine Fachgebiete liegen in Marketing / Vertrieb / PR und in der Managerselektion. Hill beschäftigt sich intensiv mit Private Label Fonds, Fondsboutiquen und dem Einsatz von Publikumsfonds (Fondsselektion) bei Institutionellen: www.markus-hill.com
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