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Schattenseiten der Digitalisierung So wenden Cyberkriminelle den Enkeltrick bei Unternehmen an

Der sogenannte Enkeltrick richtet sich gezielt gegen ältere Menschen. Er wird mittlerweile häufig auch auf Unternehmen angewandt, Foto: Getty Images
Der sogenannte Enkeltrick richtet sich gezielt gegen ältere Menschen. Er wird mittlerweile häufig auch auf Unternehmen angewandt, Foto: Getty Images
Dies ist eine neue Stufe des Enkeltricks, angewandt auf Groß- und mittelständische Unternehmen. Möglich machen ihn Digitalisierung und Globalisierung.

Beim herkömmlichen Enkeltrick gibt sich ein Anrufer bei älteren Menschen als ein Enkel aus, der vermeintlich schnell Geld benötige und um eine Überweisung bittet. Diese landet dann auf einem fremden Konto.

Die Masche lässt sich auch auf Unternehmen anwenden. Über das Phänomen „CEO Fraud“ berichtet die Börsen-Zeitung und beruft sich dabei auf Informationen und Zahlen des US-amerikanischen Inland-Geheimdienstes FBI und des bayerischen Landeskriminalamts (LKA): Ein Anrufer, der sich als hoher Entscheidungsträger des Unternehmens ausgibt, bittet um schnelle Überweisung einer hohen Summe in einer Angelegenheit, die Diskretion erfordere. Viele Mitarbeiter von Unternehmen sind in der Vergangenheit bereits auf diese neue Version des Enkeltricks hereingefallen.

Von den USA nach Europa

Das Phänomen sei zuerst in den USA, seit 2013 auch in Europa aufgetreten. Von Oktober 2013 bis August 2015 hätten Betrüger auf diese Weise weltweit einen Schaden von mehr als 1,2 Milliarden Dollar verursacht worden. Der Partner und Leiter Forensic bei KPMG Deutschland, Alexander Geschonneck, spricht in der Börsen-Zeitung angesichts der von KPMG registrierten Fallzahlen von einer regelrechten Welle von Betrugsfällen, die derzeit die Unternehmen überrolle.

CEO Fraud erfordert akribische Vorbereitung. Neben den Unternehmensseiten holten sich Betrüger Informationen über Mitarbeiter aus sozialen Netzwerken oder spionierten E-Mails aus. Sie studierten Wortwahl und den Sprachduktus von CEOs oder setzten Stimmrekorder und Sprachveränderungsprogramme ein, zitiert die Börsen-Zeitung den IT-Experten Gunnar Porada. Mitunter würden auch Internetadressen genutzt, die der der betroffenen Firma sehr ähnlich seien.

Einmal getätigte Überweisungen seien nur in einem engen Zeitfenster wieder rückgängig zu machen. Nur wenige Firmen seien gegen Betrugsversuche dieser Art versichert.

So können sich Unternehmen gegen Betrüger wappnen

Um sich vor Angriffen dieser Art zu schützen, empfehlen Experten den Unternehmen, ihre Mitarbeiter nicht über Free-Mail-Anbieter geschäftlich kommunizieren zu lassen und Details zu unternehmensinternen Abläufen im Unternehmen zu halten. Mitarbeiter sollten über die Betrugsmasche informiert sein und bei Anfragen zur Überweisung hoher Geldsummen ins Ausland stets Rücksprache mit dem Vorgesetzten halten. Informationen zu Cybercrime und eine Liste mit Anlaufstellen ist unter www.polizei.de abrufbar.

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