Börsenmakler an der Frankfurter Börse. Foto: Getty Images

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„The trend is your friend"

Momentum-Strategie auch bei schwachen Europabörsen erfolgreich

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Momentum-Aktien haben die Verluste für Anleger im laufenden Jahr begrenzt, nachdem Sorgen wegen eines möglichen Brexit, der Wahlen in Spanien und einer sich abschwächenden Konjunktur schon rund 821 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung ausradiert haben. Ein Index der Aktien, die in der jüngsten Vergangenheit am stärksten zugelegt haben, hat weniger als halb so viel verloren wie der Stoxx Europe 600.

„Das Bild für Europa ist weniger klar, eher ungleichmäßig und von daher ist eine Momentum-Strategie in vielen Fällen der einzige Weg für Investmententscheidungen", sagt Anthony Peters, Stratege bei Sol Capital Markets in London. „Angesichts einer derartigen Unsicherheit besteht die einzige Chance darin, mit dem Markt zu schwimmen, egal in welche Richtung er sich bewegt."

Umfragen deuten darauf hin, dass die Befürworter eines Ausstiegs Großbritanniens aus der EU am 23. Juni die Nase vorne haben könnten. Auch die spanischen Wahlen drei Tage später und Skepsis angesichts der Erfolge der Europäischen Zentralbank bei der Wachstumsankurbelung lasten derzeit auf den Aktienmärkten Europas.

Dominanz der Momentum-Indizes


Ungeschoren ist der so genannte iStoxx-Index, der Momentum-Aktien umfasst, zwar nicht davon gekommen. Mit 5,3 Prozent Verlust hat es ihn seit Jahresbeginn aber weit weniger erwischt als den Stoxx 600, der um zwölf Prozent in die Knie gegangen ist. Damit setzt der Momentum-Index eine über zehnjährige Tradition fort. In all den Jahren hat er sich besser entwickelt als der Referenzindex.

Aber auch andere Themenindizes haben die Momentum-Werte hinter sich gelassen, beispielsweise die MSCI-Europe-Indizes auf Substanzwerte, niedrige Volatilität und hohe Dividendenrendite sowie den gleichgewichteten Ansatz. Auch den Stoxx Europe Size Factor Index, der Werte mit niedriger Unternehmensbewertung umfasst, überflügelten die Momentumaktien.

Der Strategie kommt der Mangel an Anlagealternativen zugute


Die EZB-Anleihekäufe, die seit diesem Monat Unternehmensanleihen umfassen, und ein schwacher Konjunkturausblick haben die Anleiherenditen in den Keller getrieben. So sind Renditen für zehnjährige Bundesanleihen erstmals überhaupt unter null gefallen. Zugleich sitzen Anleger auf Barbeständen wie seit fast 15 Jahren nicht mehr.

„Es gibt weiterhin so viel Unsicherheit wegen der europäischen Konjunktur, den Schwellenländern, den US-Leitzinsen und sogar geopolitische Sorgen im Euroraum," sagt der Chefstratege Philippe Gijsels von BNP Paribas Fortis in Brüssel. „All diese Unsicherheit, dazu aber großen Bestände an Geld und die Verpflichtung zum Investieren. Da ist es kein Wunder, dass sich Momentum-Werte besser entwickeln."

Ohne Risiken ist die Momentum-Strategie, auf die US-Hedge-Fonds in den vergangenen Jahren gerne setzten, aber nicht. Einige Analysten bemängeln einen Herden-Effekt, der zum Platzen verdammt sei, zumal er die Bewertungen in luftige Höhen treibe.

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