Anthony Chan, Asien-Volkswirt, und Haydon Briscoe, Director Asia-Pacific Fixed Income bei AB

Anthony Chan, Asien-Volkswirt, und Haydon Briscoe, Director Asia-Pacific Fixed Income bei AB

Umfassende Reformen bieten Anlagechancen

China vor dem großen Umbruch

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Das Investment: Warum sollten sich Anleger jetzt in China bzw. im Renminbi engagieren?

Anthony Chan: China hat weitreichende Wirtschaftsreformen auf den Weg gebracht. Diese bezwecken unter anderem, die heimischen Kapitalmärkte zu liberalisieren und die Stellung des Renminbi an den internationalen Devisenmärkten zu stärken. Letztendlich soll der Renminbi zur weithin respektierten Leitwährung aufsteigen, an der in Asien aber auch weltweit kein Weg mehr vorbeiführt.

Können diese Pläne denn Erfolg haben?

Chan: Sicherlich sind in den nächsten zwei bis drei Jahren weitere umfassende Reformen notwendig. Diese werden aber auch konsequent angegangen. Ausländische Anleger beurteilen die Erfolgschancen Chinas daher oft zu pessimistisch. Wir erwarten, dass sich die Führung in Peking durchsetzt und ihre ehrgeizigen Ziele auch verwirklicht.

Investoren befürchten Rückschläge, weil sich die Konjunktur ungeachtet der hohen Kreditvergabe abschwächt…

Chan: Das BIP-Wachstum ist sinkt langsam, aber China kann das bewältigen. Auch die ausländischen Anleger werden es bald als normal empfinden, wenn die Wirtschaft in künftigen Jahren „nur“ noch um fünf bis sechs Prozent zulegt.

Einen großen Vorteil sehen wir darin, dass China seine Wirtschaft stärker am Binnenmarkt ausrichtet. Dies führt zu einem nachhaltigeren Aufschwung und mehr sozialer Stabilität. Langfristig denkende Anleger erkennen das. Sie sehen sich nach attraktiven Investmentgelegenheiten in ausgewählten Sektoren um, die vom eingeschlagenen Kurs profitieren.

Was spricht noch für einen tendenziell aufwertenden Renminbi?

Hayden Briscoe: Der Handel in Renminbi und die Liberalisierung des Werthandels nehmen immer weiter zu. Wurde vor Jahren noch beinahe ausschließlich in US-Dollar fakturiert, werden aktuell bereits 25 Prozent des China-Handels in Renminbi abgewickelt. In wenigen Jahren dürfte sich dieser Prozentsatz auf 50 Prozent verdoppeln. Parallel hierzu steigt die Bedeutung der chinesischen Währung für internationale Anleger. Wir erwarten, dass der vielfältige chinesische Anleihemarkt, aktuell der drittgrößte der Welt, in die globalen Indizes eingezogen wird. Dies könnte schon in zwei bis drei Jahren geschehen – und damit früher, als die meisten Investoren erwarten.

Welche Konsequenzen hätte das?

Briscoe: Sehr weitreichende. Indexnahe Anleger müssten bei einem solchen „Big Switch“ etwa 15 Prozent ihrer Rentenpapiere in Richtung China umschichten. Der chinesische Rentenmarkt bietet somit attraktive Anlagemöglichkeiten, sowohl unter Renditeaspekten als auch unter dem Gesichtspunkt einer möglichen weiteren Aufwertung.

Wie können sich ausländische Anleger dieses Potenzial am besten erschließen?

Briscoe: Sie sollten sich nicht alleine auf den zur Zeit weniger attraktiven Dim Sum-Markt beschränken. Denn die Zahl der Emittenten ist in diesem auch Offshore-Renminbi-Markt genannten Segment noch immer beschränkt. Dies erschwert es, ein diversifiziertes Portfolio zusammenzustellen. Zwar haben sich die Spreads gegenüber dem Markt für Onshore-Renminbi verringert. Dem Dim Sum-Markt mangelt es aber auch weiterhin an Liquidität, was zur Vorsicht mahnt. Wir sind derzeit der Meinung, dass Anlagen in eine breite Palette von Staats- und Unternehmensanleihen aus ganz Asien über ein vorteilhaftes Chance-Risiko-Profil verfügen. Werden diese dann gegen den Renminbi abgesichert, können Anleger am Aufwertungspotenzial der chinesischen Währung teilhaben und gleichzeitig attraktivere Zinseinkünfte vereinnahmen.

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