Unternehmensgewinne im Jahr 2019 Warum ein nachlassendes Momentum in Sicht ist

Harley-Davidson-Store in Shanghai: Der legendäre US-Motorradhersteller leidet unter der US-Zollpolitik und will verstärkt im Ausland produzieren. | © Getty Images

Harley-Davidson-Store in Shanghai: Der legendäre US-Motorradhersteller leidet unter der US-Zollpolitik und will verstärkt im Ausland produzieren. Foto: Getty Images

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Thomas Kruse, Investmentchef von Amundi Deutschland

Eine sehr wichtige Kennzahl zur Beurteilung der Ertragskraft von Unternehmen, das Earnings-per- Share (EPS)-Wachstum, wird kurzfristig und weltweit zurücksetzen: Belief sich der EPS-Zuwachs am globalen Aktienmarkt in den Jahren 2017 und 2018 auf +17 Prozent beziehungsweise (nach vorläufiger Schätzung) +16 Prozent, dürfte das EPS-Plus im Jahr 2019 unserer Einschätzung nach auf +7 Prozent sinken. Volkswirte erwarten im kommenden Jahr im Konsens hingegen derzeit noch einen Zuwachs von +10 Prozent. Grundlage der annualisierten EPS-Berechnungen ist jeweils der MSCI All Countries World Index (MSCI ACWI), der Aktien der 2.500 größten Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern bündelt.

Rückgang der EPS-Erträge von zwei Faktoren beeinflusst

Die Weltkonjunktur schwächt sich ab: Das globale Wachstum ist nach wie vor hoch, aber zunehmend mit Risiken behaftet. Amundi-Ökonomen prognostizieren für 2019 ein Plus der Weltwirtschaft von 3,6 Prozent, was zwar leicht unter den Werten der Jahre 2018 und 2017 von jeweils +3,8 Prozent liegt, aber immer noch weit über den +3,1 Prozent des Jahres 2016 rangiert. Auf das Weltwirtschaftswachstum drücken der zunehmende Protektionismus, politische Risiken sowie die Schwäche einzelner Schwellenländer, darunter vor allem Südafrika, Argentinien und die Türkei. Zusätzlich muss sich die Weltwirtschaft aufgrund der Zinserhöhungen wichtiger Notenbanken auf einen Rückgang der bislang gekannten Liquidität einstellen.

Der US-Konjunkturzyklus kommt an sein Ende: Das Gewicht der Vereinigten Staaten innerhalb des MSCI ACWI ist beträchtlich. Doch die zyklische Erholung der USA befindet sich bereits in ihrer Spätphase. Seit ihrem Tiefpunkt im Juni 2009 ist die US-Wirtschaft bis Ende September 2018 über 111 Monate hinweg gewachsen – der zweitlängste von insgesamt 33 Wirtschaftszyklen, die seit dem Jahr 1857 beobachtet wurden. Obwohl das US-EPS seit seinem Tiefststand vom Dezember 2009 bisher um 147 Prozent gestiegen ist und 77 Prozent über dem Vorkrisenniveau vom Dezember 2007 liegt, ist zusätzliches Wachstumspotenzial zwar durchaus möglich, scheint jedoch begrenzt.

Die Wirkung der US-Steuerreform entfällt im Jahr 2019

Im September 2017 kündigte US-Präsident Donald Trump eine Steuerreform zur Senkung des Unternehmenssteuersatzes an und ermutigte die US-Unternehmen zu Aktienrückkäufen. Die Reform trat Anfang 2018 in Kraft und hatte massive Auswirkungen auf das EPS-Wachstum von US-Unternehmen: Das EPS-Wachstum erhöhte sich in den USA von +11,3 Prozent im Jahr 2017 auf erkleckliche +23,5 Prozent im Jahr 2018. Doch weil ein großer Teil der Aufwärtsrevision des EPS für 2018 mit dem Einmaleffekt der Steuerreform zu erklären ist, dürfte das EPS-Wachstum im kommenden Jahr deutlich geringer ausfallen.

Außerdem werden der Anstieg der Arbeitskosten in den USA und hohe Handelszölle das EPS-Wachstum im Jahr 2019 erheblich belasten. Das EPS-Wachstum dürfte in den USA deshalb von den genannten +23,5 Prozent im Jahr 2018 auf +8 Prozent absinken. Weltweit ist mit einem Schwund von +16 Prozent auf +7 Prozent zu rechnen. Werden die USA im weltweiten Szenario außen vor gelassen (MSCI ACWI ex-USA), dürfte das globale EPS-Wachstum von +10 Prozent auf +6 Prozent schrumpfen.