Björn Siegismund, Investmentchef bei Laransa Private Wealth Management

Björn Siegismund, Investmentchef bei Laransa Private Wealth Management

Vermögensverwalter Björn Siegismund

„Mischfonds bieten ein attraktives Risiko-Return-Verhältnis“

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DAS INVESTMENT: Zu welchem Anteil setzen Sie Mischfonds in Kundenportfolios ein?

Björn Siegismund: Bis zu 35 Prozent (sofern auch aktive Multi-Asset Absolute-Return-Fonds hinzugezählt werden).

Die Asset Allokation gilt als Königsdisziplin und Kernaufgabe in der Vermögensverwaltung, bestimmt sie doch zu 80 Prozent die Rendite und sogar zu 95 Prozent das Risiko von Kundenportfolios. Kritiker sagen, dass Vermögensverwalter durch die Wahl von Mischfonds die Kontrolle über die Asset Allocation verlieren beziehungsweise diese bewusst an Dritte abgeben. Was ist ihre Meinung dazu?

Bis zu einem gewissen Grad mag es der Fall sein, dass die Asset Allocation an Dritte ausgelagert wird. Andererseits investiert man bei aktiven Ansätzen in die Strategie, beziehungsweise die Fähigkeiten des Managers und sein Risikomanagement. Die richtige Auswahl vorausgesetzt, führt dies zu deutlich stabileren Performanceverläufen und einem attraktiven Risiko-Return-Verhältnis. Bei mehr oder weniger passiven Ansätzen ist ein Mehrwert allerdings fraglich.  
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Warum Mischfonds, wenn reine Aktienfonds doch langfristig eine bessere Rendite erwarten lassen?

In der Theorie ist das richtig, aber es gibt einen Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Die Mehrzahl der Investoren kann eine hohe Verlustphase nicht aushalten. Aus psychologischen Gründen, aufsichtsrechtlichen Bestimmungen oder auf Druck des Prinzipals werden Strategien nicht durchgehalten und meist zum schlechtesten Zeitpunkt geändert. Ein guter Mischfonds kann vielleicht langfristig Aktienfonds nicht schlagen, aber durch einen stetigeren Verlauf helfen, die Strategie beizubehalten.

Wie lassen sich Mischfonds sinnvoll mit Aktien- und Rentenfonds (sowie mit Einzeltiteln) in Kundenportfolios kombinieren? Was sind hierbei die wichtigsten Überlegungen?

Als aktive Absolute-Return-Fonds diversifizieren sie ein Portfolio mit traditionellen Anlageklassen. Insofern sind sie ein weiterer Baustein neben Aktien und Renten.

Wodurch muss sich ein Mischfonds auszeichnen, um den Weg in Ihre Kundenportfolios zu finden? Und andersherum: Welche Merkmale führen zum Ausschluss eines Mischfonds? Achten Sie auf die Korrelation einzelner Mischfonds zueinander?

Ein statischer Mischfonds liefert keinen Mehrwert. Wir kombinieren unterschiedliche aktive Ansätze miteinander. Dabei achten wir darauf, dass das Risikomanagement funktioniert und der Fonds sich so verhält, wie wir das erwarten. Neben quantitativen Analysen achten wir auch auf die qualitative Bewertung der Managementleistung und des Strategieansatzes.

Welche konkreten Mischfonds stehen bei Ihnen aktuell ganz oben auf der Liste?

Sowohl bekannte Namen wie DWS Concept Kaldemorgen und FvS Multiple Opportunities als auch Namen der zweiten Reihe wie GAM Star Keynes und  der SQ New Normal Fund.

Laut BVI-Statistik haben Mischfonds bereits einen Marktanteil von 24 Prozent erreicht und mittlerweile Rentenfonds überholt. Worauf führen Sie diesen Trend zurück, wie lange wird er weitergehen und wohin wird er führen?

Wir haben die Weiterentwicklung der Mischfonds von einfachen Balanced-Konzepten hin zu aktiven Ansätzen, die verschiedene Anlageklassen und Ansätze mit eigenem Risikomanagement verbinden, gesehen. Diese Entwicklung wird weitergehen. Die einfachen Balanced-Ansätze werden zunehmend verschwinden, da sie keinen Mehrwert bieten. Aktive Ansätze mit gutem Risikomanagement werden hingegen eine Zunahme verzeichnen. Als diversifizierendes Element, so wie es auch professionelle Investoren wie US-Stiftungen nutzen, kann es echten Mehrwert für das Portfolio liefern.

Flaggschiff-Fonds oder kleine Mischfonds-Perlen: Welche Rolle spielt die Fondsgröße bei der Portfolio-Qualität?

In erster Linie sind das Fondskonzept, die Managererfahrung und das Risikomanagement wichtig. Die Fondsgröße ist dann relevant, wenn die Liquidität der einzelnen Titel im Fonds nicht zum Fondsvolumen passt. Ein Fonds, der in liquiden Titeln investiert, darf auch mehr Volumen verwalten. Ein großer Fonds, der zum Beispiel in illiquide Unternehmensanleihen oder Aktien investiert, sollte eher kleiner sein.

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