Vermögensverwalter schätzen ein

Was bedeutet der Chefwechsel für die Deutsche-Bank-Aktie?

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Die Doppelspitze der Deutschen Bank, Anshu Jain und sein Co Jürgen Fitschen, hat am Sonntag ihren Rücktritt erklärt. Das Vertrauen in das Duo hatte in den letzten Wochen immer mehr nachgelassen. Besonders nachdem nur 61 Prozent der Aktionäre bei der letzten Hauptversammlung Jain entlastet hatten, gerieten die beiden unter Druck. Künftig soll John Cryan die Geschäfte führen, so hat es der Aufsichtsrat unter Führung von Paul Achleitner beschlossen. Fitschen soll ihm noch ein Jahr zur Seite stehen, damit eine geregelte Übergabe gewährleistet ist. Auf den Personalwechsel reagierten viele Investoren erfreut. „Das zeigt, dass die Aktionärsdemokratie in solchen Extremfällen doch funktioniert“, sagte Hans Hirt, Manager der britischen Fondsgesellschaft Hermes EOS, dem Handelsblatt. Hermes, die auch als Aktionärsberater tätig sind, hatte der Vorstandsspitze auf der Hauptversammlung im vergangenen Monat das Vertrauen entzogen und damit entscheidend zu der Aktionärsrevolte beigetragen. Martin Stürner von der PEH Wertpapier AG sagt: „Meiner Meinung nach ist das eine sehr große Chance für die Deutsche Bank, mit einem einzigen Schlag alle Diskussionen und Probleme zu beenden.“ Weiter sagt Stürner, die Bank habe Potential und die Aktie sei unterbewertet. „Es geht weniger um Köpfe als um die Geschäftsmodelle" Aber nicht alle Experten in der Branche stimmen in das Loblied ein. Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter Flossbach und Storch meint: „Es geht weniger um Köpfe als um die Geschäftsmodelle. Und die aktuellen Geschäftsmodelle der meisten europäischen Großbanken sind langfristig nicht tragfähig. Die Kapitalausstattung vieler Institute ist weiterhin zu gering. Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass der Deutsche-Bank-Aktienkurs am Montag einen Kurssprung machen wird – nur ändert das wenig am Grundproblem.“ Ähnlich sieht es auch Goldman-Sachs-Experte Omahen. Er rechnet mit kurzlebigen Kursgewinnen. Die Probleme der Bank seien eher struktureller Natur als personenbezogen. Es fehle insgesamt vor allem an ordentlichen Eigenkapitalrentabilität, die allenfalls noch das Investmentbanking liefere, so Omahen. Auch der Managementwechsel liefere keine neuen Optionen. Andrew Stimpson von der Investmentbank Merrill Lynch gab seine negative Einschätzung für die Deutsche Bank-Aktie auf und beurteilt sie nun mit neutral. Der Personalwechsel stelle für ihn aber keinen Automatismus für eine neue Strategie dar. John Cryan könne aber in der Planung bis 2020 ambitionierte Ziele setzen. Im Parketthandel am Montagmorgen schoss die Aktie der Deutschen Bank bereits sieben Prozent in die Höhe.

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