Das Bundesbank-Gebäude in Frankfurt. <br> Quelle: Deutsche Bundesbank

Das Bundesbank-Gebäude in Frankfurt.
Quelle: Deutsche Bundesbank

Wie lange bleibt der Hafen Deutschland sicher?

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John Paulson hat die Immobilienkrise in den USA vorhergesehen und mit dieser Einschätzung viel Geld für seinen Hedge-Fonds verdient. Jetzt spekuliert er gegen Deutschland und hofft wieder auf einen satten Gewinn. Diesmal könnte der Schuss aber nach hinten losgehen. Denn anders als bei der Immobilienkrise trifft seine Ankündigung nicht auf ein Publikum, das sich in Sicherheit wiegt. Derzeit bewegen sich im Gegenteil viel zu viele Investoren im Krisenmodus. Die Vorhersage sinkender Kurse für europäische und auch deutsche Staatsanleihen ist daher keine überraschende Einzelmeinung, sondern gelebte Praxis.

Viele institutionelle Investoren aus dem Ausland haben sich bereits vor einiger Zeit komplett aus der Euro-Zone zurückgezogen. Deutschland ist bei vielen keine Ausnahme. Lediglich hartgesottene Euro-Investoren suchten um jeden Preis Euro-Anleihen und fanden die risikoärmsten nun einmal in Deutschland. Dort wurde gekauft, die Zinsen sanken, die Renditen schwanden. Weiter abwärts kann es kaum noch gehen. Was also ist an der Ankündigung steigender Zinsen so überraschend?

Wünschen erlaubt

Höchstens die Begründung: Weil die Euro-Krise wieder aufflamme werde Deutschlands Kreditwürdigkeit sinken. Ach? Es sind Binsenweisheiten, die Paulson hier verbreitet. Sie als Begründung zu nehmen für eine Spekulation gegen Deutschland ist weit hergeholt. Viel wahrscheinlicher ist, dass Paulson auf Positionen sitzt, die in die falsche Richtung laufen. Schließlich haben die jüngsten Anleiheemissionen fast regelmäßig neue Zinstiefs gebracht. Gut möglich also, dass hier jemand die Märkte in seine Richtung zu reden versucht – wünschen bleibt erlaubt.

Allerdings ist auch klar, dass die Kreditwürdigkeit Deutschlands tatsächlich auf der Kippe steht. Nicht wegen der Euro-Krise sondern wegen ihrer Bekämpfung. Die Blanko-Schecks, die den Euro-Rettern des ESM ausgestellt wurden, können teuer und immer teurer werden. Zahlen muss das dann das einzige Land, dass stark und stabil genug ist, um noch Geld im Portemonnaie zu finden: Deutschland. Die Rettung des Euro könnte also die deutsche Kreditwürdigkeit gefährden – nicht die Krise. Denn die ist mittlerweile ebenso allgegenwärtig wie vergessen. Sie immer wieder als Gespenst hervorzuziehen wird immer weniger Effekt haben.
Zum Autor: Uwe Zimmer ist Vorstandsvorsitzender des Vermögensverwalters Meridio AG und einer der Experten von www.vermoegensprofis.de.

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