Zinswende in Sicht

US-Aktienmarkt „überfällig für solide Korrektur“

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Die Bewertungen im breiten US-Aktienindex Standard & Poor’s 500 sind unterdessen weit von Rekordständen entfernt. In der Vergangenheit waren die Kurs-Gewinn-Verhältnisse nach einsetzenden Zinsanhebungen der US-Notenbank nicht in der Lage, noch wesentlich weiter zu steigen. Im Gegenteil: Um durchschnittlich 7,2 Prozent sind die Bewertungen im ersten Quartal nach jeder der zwölf letzten Zinsanhebungszyklen gesunken. Das geht aus Daten von Goldman Sachs Group und Bloomberg hervor.

Das alleine verstärkt die Sorgenfalten an den US-Börsen, aber vielleicht noch entscheidender sind die Pläne der Fed zur Straffung der Geldpolitik angesichts der Wirtschaftslage. Von einem Boom ist die US-Konjunktur derzeit weit entfernt. Sollten die Währungshüter ihre Leitzinsen noch vor dem Jahresende anheben, so täten sie das in einem Jahr, in dem die Unternehmensgewinne laut Analystenprognosen um nicht mehr als 1,4 Prozent steigen werden. Das ist das schwächste Wachstum vor Beginn eines Zinsanhebungszyklus seit dem Jahr 1980.

„Auf weitere Verdoppelungen würde ich jetzt nicht setzen”, sagte Fondsmanager Mark Spellman von Alpine Funds in Purchase, New York. Das heiße nicht, das nun gleich die Totenglöckchen klingeln würden oder ein Bärenmarkt drohe. „Aber es wird die Kursgewinne sicher deckeln”, sagte er.

Seit einem Tiefpunkt im Oktober 2011 bei 11,9 hat die Bewertung im S&P 500 im letzten Dezember einen Wert von 18,3 erreicht. Seitdem war sie jedes Jahr angestiegen und hat den Index um 87 Prozent angeschoben. Mittlerweile sind 18,4 erreicht und damit liegen die Bewertungen um mehr als zwei Prozent über dem Zehnjahresdurchschnitt.

Was die Gewinne anbelangt, werden derzeit die Prognosen so schnell gesenkt wie seit sechs Jahren nicht mehr. Im Mittel waren die Unternehmensgewinne seit 2009 um 15 Prozent gestiegen. Die seit 2009 anhaltende Rally ist erst kürzlich zur zweitlängsten der letzten 60 Jahre geworden. Damit ist auch klar, dass eine Wende bevorstehen könnte.

„Der Markt ist überfällig für eine solide Korrektur und die Zinsanhebungen der Fed werden dafür voraussichtlich ein Katalysator sein”, sagt Stratege David Lafferty von Natixis Global Asset Management in Boston voraus. Es handele sich um eine Stimmungssache, denn die Notenbank entscheide sich schließlich explizit zur Straffung ihrer Geldpolitik.

Der jüngste monatliche Arbeitsmarktbericht in den USA hat mit einem Plus von 280.000 bestätigt, dass die Konjunktur Fahrt aufnimmt. Es war sie stärkste Vorlage seit fünf Monaten, und auch die Stundenlöhne stiegen. Aber es gilt eben auch: Das Bruttoinlandsprodukt steigt im Mittel seit Ende der Rezession 2009 um 0,9 Prozent, und damit ist diese Konjunkturerholung die schwächste seit Ende des Zweiten Weltkriegs.

Grundsätzlich deuten Leitzinsanhebungen auf eine sich verstärkende Konjunkturentwicklung, aber die Aktienkurse haben sich seit 2009 glatt verdreifacht und sind damit immer anfälliger für Rückschläge geworden. Anleger sind dann weniger bereit, hohe Bewertungen zu zahlen, falls nicht die Unternehmensgewinne die Lücke ausgleichen, sagt Chefaktienstratege Bob Doll von Nuveen Asset Management in Chicago.

„Leicht verdientes Geld gibt es in einem Bullenmarkt vor allem am Anfang, wenn die Leitzinsen fallen und die Gewinne steigen”, sagt Doll. In der zweiten Hälfte neigten Aktienkurse zu zögerlicheren Steigerungen, denn die Bewertungen würden zunehmend in Frage gestellt und die Zinsen stiegen wieder an.

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