Jorgen Kjaersgaard

Jorgen Kjaersgaard

ACM Bernstein: Ende des Booms bei High-Yield-Anleihen?

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Aus unserer Sicht handelt es sich bei Unternehmensanleihen eher um eine Korrektur, denn das Interesse an höheren Renditen ist immer noch groß. Zudem dürfte man mit europäischen High-Yield-Anleihen noch länger relativ hohe Erträge erzielen können als mit US-Papieren.

Zinswende ist möglich


Das größte Risiko für Unternehmensanleihe-Investoren besteht in steigenden Staatsanleiherenditen. Mittlerweile gab es dazu bereits einen ersten Vorgeschmack: Als die US-Notenbank begann, die Märkte auf einen allmählichen Rückzug aus ihrem Aufkaufprogramm von Staatsanleihen vorzubereiten, reagierten diese entsprechend.

Seit Mitte Mai sind die durchschnittlichen Renditen von in Euro denominierten High-Yield-Anleihen von 5,5 Prozent auf rund 6,5 Prozent gestiegen. In den USA ist die Geldpolitik schon etwas weiter als in Europa, und auch die Konjunktur ist stärker. Im Euroraum dürften die Leitzinsen und Staatsanleiherenditen daher noch länger niedrig bleiben.

Rendite schlägt Kursverluste

Ob man trotz steigender Zinsen in hochverzinsliche Anleihen investieren sollte oder nicht, hängt davon ab, ob die höheren Renditen die Kursverluste ausgleichen. Wir sind der festen Überzeugung, dass der Renditeaufschlag von Europäischen High-Yield-Anleihen den in den nächsten zwölf Monaten zu erwartenden Anstieg der Staatsanleiherenditen wettmachen wird.  

Seit Mai hat sich unsere grundsätzliche Einschätzung nicht geändert, jedoch erwarten wir eine steigende Volatilität am High-Yield-Markt. Entscheidend ist das Zinsänderungs- beziehungsweise Durationsrisiko. Aber es gibt auch Möglichkeiten, dieses zu mindern. Zum einen indem in Anleihen mit kürzeren Laufzeiten oder in variabel verzinsliche Papiere (Floaters) investiert wird.

Zum anderen indem Emittenten ausgewählt werden, deren Wertentwicklung von unternehmensspezifischen Faktoren abhängen und deren Anleihen sich deshalb relativ unabhängig vom Auf und Ab der Märkte entwickeln. Dazu zählen vor allem einige kleinere Emittenten, beispielsweise aus Großbritannien oder Unternehmen mit einem B-Rating.

Im Gegensatz dazu sind Anleihen von BB-bewerteten Unternehmen außerhalb des Finanzsektors anfälliger für Zinsänderungsrisiken und Volatilität als Papiere mit niedrigeren Ratings. Diese Unternehmen machen ungefähr 50 Prozent des Gesamtmarktes aus. In diesem Marktsegment sind die Spreads mit durchschnittlich 390 Basispunkten nur halb so hoch wie 2011 und nur ein Drittel so hoch wie 2009.

Deshalb haben sie steigenden Renditen nur wenig entgegenzusetzen. Das BB-Segment wird von einigen großen Unternehmen dominiert, die zum Teil sehr konjunkturabhängig sind. Anders als bei kleinen Emittenten kommen oft größere systematische Risiken hinzu, das heißt, sie reagieren meist stärker auf die Schwankungen des Gesamtmarkts. Aufgrund des relativ großen Emissionsvolumens sind sie auch stärker von Kreditkrisen bedroht, sollte die Liquidität im Markt stark zurückgehen.      Turbulenzen erzeugen Chancen

Wir bevorzugen nach wie vor eine Untergewichtung von BB-Anleihen, eine Übergewichtung von B-Anleihen und die Beimischung von Papieren ausgewählter CCC-Emittenten. Auch einige Anleihen außerhalb des Finanzsektors in den Euro-Peripherieländern halten wir für zunehmend interessant.

Wir glauben, dass die jüngsten Turbulenzen für einige Kaufchancen bei nachrangigen Finanzanleihen gesorgt haben. Angesichts der aktuellen Kurse dürfte man mit einem gut diversifizierten Portfolio eine Rendite von etwa 6,8 Prozent erzielen können – und ist dabei auch noch recht gut vor zukünftigen Zinsschwankungen geschützt.    


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