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Anlegerstimmung dreht Steigt der Ölpreis wieder?

Steigt der Ölpreis wieder?
Laut einer aktuellen Sentix-Umfrage hat sich die Anlegerstimmung beim Schwarzen Gold wieder deutlich aufgehellt. Während die Stimmung vor einer Woche noch ein Allzeittief markierte, verbesserte sie sich sprunghaft und notiert wieder im neutralen Bereich. Die Ölpreise profitierten deutlich, binnen einer Woche haben sie sich von ihren Tiefs um 25 Prozent erholt. Und auch die mittelfristigen Markterwartungen zeigen nach oben. Ist das die Trendwende? Der Preisdruck aufs Rohöl dauert nun schon seit Mitte 2014 an. Ein weltweites Überangebot, entstanden durch die erhöhte Fördermenge in den USA (Stichwort „Fracking“) und das Verhalten der OPEC, die zur Erhaltung der Marktanteile die Förderung nicht drosselte, führten zur Krise beim schwarzen Gold. Um fast 60 Prozent brachen die Preise für WTI und Brent in der Spitze ein. Der niedrigere Verkaufspreis führte indes in den USA nicht zu einem Produktionsrückgang, wie volkswirtschaftlich zu vermuten wäre. Denn zwar mussten viele Fracking-Unternehmen, vor allem die hochverschuldeten, die Segel streichen und die Zahl der Bohrungen ging um etwa 60 Prozent zurück, doch die verbliebenen Player produzieren jetzt kostengünstiger. Für einige von ihnen waren die gesunkenen Produktionskosten sogar so lukrativ, dass sie die Förderung weiter ausbauten. Die Gesamtfördermenge in den USA nahm im ersten Halbjahr 2015 sogar noch zu. Die Einigung im Atomabkommen mit dem Iran bringt zukünftig sogar noch mehr Öl auf den Markt. Experten rechnen zwar erst ab 2016 mit einer Angebotsausweitung, doch wird sie kommen. Und auch Obamas Kampagne für erneuerbare Energien war zuletzt Wasser auf die Mühlen der „Öl-Bären“. Wie sieht es auf der Nachfrageseite aus? Weltgrößter Ölimporteur ist China und auch hier schlugen zuletzt ernüchternde Nachrichten den Anlegern aufs Gemüt. Die Wirtschaft schrumpft und nun bedroht auch noch ein Börsenbeben den privaten Konsum im Land. Fakt ist aber, dass in China - trotz der Wachstumsverlangsamung - keine mengenmäßige Reduzierung der Ölimporte zu verzeichnen ist. Und auch aus dem Rest der Welt sind aufgrund der konjunkturellen Erholung eher positive Nachfrageeffekte zu erwarten. Die Ölnachfrage sei 2015 so stark angewachsen, wie seit fünf Jahren nicht mehr, verkündete erst kürzlich die Internationale Energieagentur EIA. Sehr wahrscheinlich also, dass der Ölpreisrutsch bereits alle Ängste ausreichend, um nicht zu sagen übertrieben, abbildet. Ein klassisches Einstiegsszenario für langfristig orientierte Anleger, auch wenn die jüngste Veröffentlichung der EIA, nach der die US-Fördermenge im Juni unerwartet gesunken ist, die Preise kurzfristig nach oben schnellen ließ. Nun gilt es, sich nicht von Tagesmeldungen verrückt machen zu lassen – in die eine wie in die andere Kursrichtung. Die Möglichkeiten, ins schwarze Gold zu investieren sind vielfältig. Während Termingeschäfte hauptsächlich professionellen Anlegern vorbehalten sind, fällt der erste Blick der Privatinvestoren schnell auf Zertifikate, die den Preis des Rohstoffs - mit oder ohne Hebel - abbilden. Diese sind jedoch selten ein gutes Geschäft. Vor allem die begrenzte Laufzeit kann Anlegern einen Strich durch die Rechnung machen, wenn sich die Erholung länger hinzieht als gedacht. Zumal Papiere mit längerer Laufzeit mit einem deftigen Aufschlag versehen sind. So genannte Open-End-Zertifikate übernehmen die Verlängerung der zugrundliegenden Termine automatisch für den Anleger. Ob dadurch Rollgewinne oder -verluste entstehen, ist abhängig von der Terminkurve des Rohstoffs. Sind künftige Kontrakte teurer als aktuelle, legen Anleger dabei drauf. Diese „Contango-Situation“ ist auch aktuell zu verzeichnen und kann eintretende Preiszuwächse beim Öl auffressen. Die vorteilhafte „Backwardation“ ist hingegen die seltenere Ausnahme. Erfolgsversprechender können Aktien von Ölkonzernen sein. Jene haben mit der Preisentwicklung zu kämpfen, doch einige können die Umsatzeinbußen im Fördergeschäft mit steigenden Margen in der Distribution ausbügeln. Oder haben Sie sich noch nicht gefragt, warum die Preise an der Zapfsäule nicht so stark auf die Preisturbulenzen am Markt reagiert haben? Ölmultis wie Chevron und Exxon mussten für das zweite Quartal 2015 die schwächsten Ergebnisse seit Jahren verzeichnen. Trotz gestiegener Ölförderung brachen die Gewinne teilweise um die Hälfte ein. Doch sie verdienen nach wie vor gutes Geld und dank der üppigen Gewinnrücklagen werden sie ihren guten Ruf als „Dividendenaristokraten“ nicht aufs Spiel setzen müssen. Ein Vorteil für langfristig orientierte Anleger, denen das Warten mit regelmäßigen Dividendenzahlungen versüßt wird. Eine weitere Möglichkeit zu profitieren: Die Währungen von Wirtschaftsräumen mit einer hohen Abhängigkeit von der Ölförderung, wie zum Beispiel die norwegische Krone, haben unter der Situation stark gelitten. Bei einer langfristigen Stabilisierung des Ölpreises sind positive Aufholeffekte zu erwarten.

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