Anleihen: Wenn der Rubel rollt …

Peter E. Huber, Starcapital

Peter E. Huber, Starcapital

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Die Zinsen für deutsche Bundesanleihen und amerikanische Treasury-Bonds verharren in der Nähe ihrer historischen Tiefststände und auch die Renditen zahlreicher anderer Staats- und Unternehmensanleihen sind deutlich nach unten gerutscht. Deshalb wird es für unsere zwei internationalen Rentenfonds natürlich schwieriger, eine so erfreuliche Wertentwicklung wie im letzten Jahr (Argos 2012: + 14,5 Prozent, Bondvalue: + 12,8 Prozent) zu erzielen.

Vor diesem Hintergrund gewinnt ein geschicktes Währungsmanagement natürlich erheblich an Bedeutung. Dies ist sicher nicht so einfach, weil sich die Gemeinschaftswährung als recht wertstabil erweist. Nur wenn der Euro gegenüber anderen Währungen an Wert verliert, lassen sich jedoch mit den entsprechenden Fremdwährungsanleihen Gewinne aus der Veränderung der Wechselkurse erzielen.

Auf mittlere Sicht bestehen dafür durchaus Chancen. Nicht unbedingt gegenüber den anderen drei Hauptwährungen – US-Dollar, britisches Pfund und japanischer Yen – denn diese leiden alle unter derselben Krankheit. Ihre Zentralbanken lassen die Notenpressen heiß laufen, um durch den Kauf von Staatsanleihen die Zinsen niedrig zu halten und so den Regierungen ihre Schuldenpolitik zu ermöglichen.



Es bietet sich also an, nach Währungen von Staaten Ausschau zu halten, die mehr Solidität aufzuweisen haben – weil eben kein exzessives quantitatives Easing betrieben wird, weil man über Rohstoffreserven verfügt, die Staatsfinanzen in Ordnung hält oder die demographische Entwicklung Wachstum verspricht. Eine breite Diversifikation in ein Bündel solcher Währungen ohne Bildung von Klumpenrisiken müsste sich auszahlen.

Als Anleger fallen einem dabei sofort Währungen wie der australische oder neuseeländische Dollar, die norwegische oder schwedische Krone oder der kanadische Dollar ein. Deshalb sind hier die Zinsen ebenfalls bereits deutlich gesunken. Es lohnt also ein Blick in die zweite Reihe – in die Türkei, nach Brasilien, Polen oder Russland. Spätestens bei Russland spüren wir den stummen Protest der Investoren. Ausgerechnet ein Land, das erst 1998 einen formidablen Staatsbankrott hingelegt hat, mit staatlicher Willkür und fehlender Rechtssicherheit, in dem Kapitalflucht, Korruption und organisierte Kriminalität an der Tagesordnung sind?

Bei näherem Hinsehen stellt man jedoch fest, dass der Rubel durchaus seine Reize hat. Denn das Land verfügt über riesige Rohstoffvorkommen und eine geringe Staatsverschuldung – und mit 533 Milliarden US-Dollar über die drittgrößten Devisenreserven weltweit. Die russische Zentralbank ist laut internationalem Währungsfonds mit dem Kauf von 570 Tonnen Gold in den letzten zehn Jahren der größte Gold-Importeur weltweit. Und auch die eigene Goldförderung steigt und soll sich in den nächsten sieben Jahren versechsfachen. Die Inflation zieht zwar leicht an, aber nur, weil durch höhere Löhne eine kaufkräftige Mittelschicht entsteht. Die Kapitalflucht nimmt deutlich ab – 2012: zirka 41 Milliarden US-Dollar nach über 70 Milliarden US-Dollar in 2011.