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US-Soldaten haben Feldbetten in einem Veranstaltungszentrum in Seattle aufgebaut: Die Covid-19-Pandemie sorgte international für Markteinbrüche. | © mago images / ZUMA Wire Foto: mago images / ZUMA Wire

Investmentchef J.P. Morgan AM

„Die schlimmsten Tage meiner 39 Jahre Markterfahrung“

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Robert Michele
Foto: JPMAM

Es war am 9. März, während ich bei Bloomberg im TV-Studio auf mein Interview wartete, und mit Schrecken die aktuelle Marktentwicklung sah: Spontan war mein erster Kommentar zum Moderator: „Sehen Sie nur, der Aktienmarkt schließt auf einem Tiefstand und die Renditen für US-Staatsanleihen haben aufgehört zu fallen. Das ist gar nicht gut.“ Rückblickend hatte ich keine Ahnung, wie dramatisch die nächsten zwei Wochen werden würden. Es waren tatsächlich die schlimmsten Tage meiner inzwischen 39 Jahre an den Rentenmärkten.

In der Woche vom 9. März löste sich die klassische Verbindung des Anleihenmarktes im weiteren Sinne und des US-Staatsanleihenmarktes im Speziellen mit den anderen Asset-Klassen. Da alle Vermögenspreise fielen, gab es keinen offensichtlichen „sicheren Hafen“ mehr außer staatlich garantierten Geldmarktanlagen. Ich habe so etwas noch nie zuvor erlebt, außer vielleicht im Jahr 1981, als der Vorsitzende der Federal Reserve (Fed), Paul Volcker, den US-Leitzins auf 20 Prozent angehoben hatte, da ein ölbedingter Inflationsschock durch das System ging.

Anleihenmarkt außer Kontrolle

Aber in allen anderen Marktphasen floss trotz Panik und Risikoreduktion Geld in US-Staatsanleihen und Rentenfonds hoher Qualität. Dieses Mal war es wirklich anders. Die Kombination aus Margin Calls, Abwicklung von Risikoparitätsfonds, Inanspruchnahme von Kreditlinien und der Notwendigkeit, Liquidität zu beschaffen, führte zu einem enormen Abverkauf von Staatsanleihen und Rentenfonds. Marktteilnehmer und Zentralbanken wurden überrascht – das System war darauf nicht vorbereitet.

Die Zentralbanken reagierten mit ersten Zinssenkungen, Wiedereinführung von Anleihenaufkäufen und einer Bilanzausweitung. Aber die Aktivitäten wirkten zunächst unkoordiniert und unzureichend. So handelten in dieser Woche nach dem 9. März die Renditen der 10-jährigen US-Treasuries nach einem Tief von 0,3 Prozent am Montag am folgenden Freitag zum Start ins Wochenende bei 1,02 Prozent. Die Zentralbanken sahen plötzlich machtlos aus und der Rentenmarkt befand sich gefühlt im freien Fall. War er gar zusammengebrochen?

Nichts schien zu funktionieren

Am Sonntag, den 15. März, schritt die Federal Reserve sehr konsequent ein und senkte die Zinssätze um weitere 100 Basispunkte, erweiterte ihre Bilanz und begann die Einführung von Kreditaufkäufen. Andere Zentralbanken reagierten ebenfalls mit beherzten Maßnahmen: Zinssenkungen, Aufkäufe von Vermögenswerten, Liquiditätsinstrumente und „Forward Guidance“ – viele in der Finanzkrise erprobte Instrumente wurden wieder eingesetzt, um auch dieser Krise zu trotzen.

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