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Anständige Rendite

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Öko ist nicht immer logisch. Aber es gibt ein gutes Gefühl. Klimawandel, steigender Ölpreis und Schlagzeilen über Rinderwahn, Pestizidbelastungen und fragwürdige Zusatzstoffe im Essen schärfen das Bewusstsein der Menschen für ihre Umwelt.
Immer mehr suchen nach dem Wohlfühleffekt: Biobenzin ist gefragt wie nie, geheizt wird wieder mit Holz, und Bioläden boomen. Für Umwelt und Gesellschaft ist das nicht nur von Vorteil. Einige Studien beispielsweise ergeben, dass Biosprit umweltschädigender ist als herkömmliches Benzin, und Getreide, das im Tank landet, fehlt auf den Tellern in der Dritten Welt. „Der Boom der Biokraftstoffe hat die Preise für Lebensmittel weltweit um bis zu 75 Prozent erhöht“, berichtete jüngst die britische Tageszeitung „The Guardian“ unter Berufung auf eine bisher geheim gehaltene Studie der Weltbank. Deutschlands Holzheizungen verpesten die Luft. Sie stoßen inzwischen mehr Feinstaub aus als der gesamte deutsche Autoverkehr. Und der Bio-Landbau hat neben vielen Vorteilen auch große Nachteile für die Natur. Um genau so viel zu produzieren wie der herkömmliche Ackerbau, benötigt er mindestens ein Drittel mehr Land. Würden alle Bauern auf Bio umstellen, wäre das das Ende der Wälder, Steppen und Feuchtgebiete – und der dort lebenden Tiere und Pflanzen. Eine Katastrophe. Das magische Viereck der Geldanlage Auch am Finanzmarkt steigt die Nachfrage nach ökologisch und sozial korrekten Produkten rasant. Das magische Dreieck der Geldanlage aus Rendite, Risiko und Liquidität wird zum magischen Viereck. Fonds und Zertifikate, deren Anlagestrategien die Rücksicht auf Umwelt und Gesellschaft vorschreiben, haben viele Namen: Sie werden als ökologisch, ethisch oder nachhaltig (englisch: sustainable) bezeichnet und sind an Kürzeln wie SRI (Socially Responsible Investment), CSR (CorporateSocial Responsibility), RI (Responsible Investment), ESG (Environment, Society, Governance) oder SEE (Social, Ethical, Environmental) zu erkennen. Keine direkte ökologische Wirkung Ähnlich wie bei Biosprit, Holzheizung und Öko-Obst stellt sich auch bei den Grünanlagen die Frage, ob sie halten, was sie versprechen und die Welt wirklich ein bisschen besser machen. Mit den Investments sollen Unternehmen gefördert werden, die entweder zu den Vorreitern in Sachen ökologischer und sozialer Kompetenz zählen oder aber in Branchen tätig sind, die als nachhaltig gelten. Beim Kauf von Aktien oder Renten am kapitalmarkt fließt jedoch kein Geld an die Firmen, außer bei Emission der Papiere. Eine direkte Förderung gäbe es also nur, wenn Fondsmanager und Zertifikate-Emittenten ausschließlich beim Börsengang einsteigen würden. Das macht jedoch keiner. Aber auch wenn der Kauf von Aktien und Renten keine direkte ökologische oder soziale Wirksamkeit hat, steigende oder sinkende Kurse haben durchaus indirekte Auswirkungen auf die Unternehmen. Und das ist der entscheidende Effekt nachhaltiger Investments. Denn Unternehmen und Länder sind prinzipiell an steigenden Kursen interessiert: Sie sorgen für ein gutes Image und senken die Kosten für zusätzliches Kapital. Je mehr Menschen ethische und soziale Kriterien beim Kauf und Verkauf von Aktien, Anleihen, Fonds und Zertifikaten berücksichtigen und dadurch die Kurse beeinflussen, desto wichtiger werden diese Kriterien für die Geschäftspolitik der Unternehmen. Und umso besser wird die Welt. Messbarer Mehrwert Doch wie nachhaltig sind nachhaltige Unternehmen und damit Fonds und Zertifikate eigentlich? Ein spezielles Rating, das die Produkte in dieser Hinsicht bewertet, gibt es nicht. Die tatsächliche Auswirkung der Grünanlagen auf Mensch und Natur, die sogenannte extrafinanzielle Rendite, fällt in der Regel unter den Tisch. „Es ist jedoch paradox, sich bei der Beurteilung von nachhaltigen und sozialverantwortlichen Anlagen nur auf den finanziellen Ertrag zu fixieren“, sagt Christoph Butz, der seit 2002 als Experte für nachhaltige Investments bei Pictet arbeitet. Das Asset Management der Schweizer Privatbank ist vom britischen Finanzmagazin „Global Pensions“ zum SRI-Anbieter des Jahres 2008 gekürt worden. Pictet ist die einzige Fondsgesellschaft, die diese Auszeichnung zweimal in Folge bekommen hat. Butz: „Die finanzielle Performance ist keine hinreichende Bedingung für den Erfolg einer nachhaltigen Anlagestrategie.“ Schließlich seien die Ziele der ökologisch und sozial korrekten Anleger nicht ein-, sondern mehrdimensional. Sie wollen ja eben nicht nur Geld verdienen, sondern auch Gutes tun. Pictet hat die extra-finanzielle Performance nachhaltiger Anlagen nun zum ersten Mal gemessen, zumindest annäherungsweise: Anhand der Kohlendioxid-Emissionen wurde die Umweltdimension der Firmen beurteilt, anhand der Schaffung neuer Arbeitsplätze die Sozialdimension. Zusammengestellt wurden die Portfolios nach einem Best-inclass-Ansatz. Dabei werden Unternehmen
berücksichtigt, die in ihrer Branche zu den nachhaltigsten zählen, unabhängig davon, wie umweltzerstörerisch der Sektor auch sein mag. Mit dabei sind also auch Ölkonzerne wie BP oder Chemiekonzerne wie BASF. Das Ergebnis der Studie: Unternehmen im nachhaltig optimierten Portfolio stoßen weniger Kohlendioxid aus und schaffen mehr Arbeitsstellen als ihre Mitbewerber und bieten dem Anleger so einen messbaren Mehrwert in Sozial- und Umweltfragen. „Die Entscheidung darüber, wie die verschiedenen finanziellen und extra-finanziellen Ziele in Einklang gebracht und gewichtet werden, muss letztendlich jeder Investor für sich treffen“, so Butz. Fondsmanager und Zertifikate-Emittenten verfolgen dabei die unterschiedlichsten Strategien. Pictet ist einer der konsequentesten Anbieter: Die Manager verwenden bei der Suche nach attraktiven Unternehmen für ihre Fonds keine finanziellen Kriterien. Gekauft wird ausschließlich unter nachhaltigen Gesichtspunkten.Trotz Konsequenz: Die Schweizer verfolgen einen Best-in-class-Ansatz. Einigen Investoren geht das nicht weit genug. Sie wollen bestimmte Sektoren erst gar nicht in ihren Portfolios haben und bevorzugen Ausschlusskriterien. „Die strengsten Nachhaltigkeitskriterien der Branche verwenden unter anderem Ökoworld, Sarasin und Swisscanto“, sagt Carmen Junker, Geschäftsführerin der Öko-Finanzberatung Grünes Geld GmbH. Fonds wie der Ökovision Europe (WKN: A0M X8J), Sarasin Sustainable Equity (921 125) oder Swisscanto Green Invest haben demnach die nachhaltigsten Portfolios. Fonds im Vorteil Nachhaltige Zertifikate sind nur dann erste Wahl, wenn Investoren zusätzliche Strukturen wie Puffer, Hebel oder eben Garantie wünschen. Produkte auf einen Index oder Aktienkorb haben im Vergleich zu Fonds den großen Nachteil, dass sie meistens nicht aktiv gemanagt werden. Ausnahmen sind unter anderem die Indexzertifikate von DWS Go, darunter das Global Clean Technologies (WKN: DWS 0HM) und German Green Technologies (DWS 0HL). Mit 17 beziehungsweise 14 Unternehmen aus dem Bereich Umwelttechnologie sind die beiden zugrundeliegenden Indizes jedoch ebenso wie viele andere Nachhaltigkeitsindizes recht konzentriert. Auch mit einem Zertifikat auf den S&P Global Eco Index kaufen Anleger nur 30 Firmen, mit dem HVB Nachhaltigkeitsindex sogar nur 16. Das Risiko ist bei diesen Produkten damit deutlich höher als bei einem Fonds. Für alle Grünanlagen gilt: Da die starken Schwankungen an den Börsen nach Meinung vieler Experten negative Auswirkungen auf die Wirtschaft und damit auf die Menschen haben, sollten Öko-Sparer langfristig investieren. Das gilt natürlich auch für Fondsmanager und Zertifikate-Emittenten. Logisch.

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