Themen-Experte
Eine dynamische Strategie für die Asset-Allokation

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Eine dynamische Strategie für die Asset-Allokation

Tradition und Moderne in Seoul, Südkorea Foto: imago images / Imaginechina-Tuchong

Anleihen

Asien zeigt sich robust

Joachim Fels, Managing Director und
Global Economic Advisor bei Pimco

Bereits vor dem Corona-Schock hatten wir mit einem schwierigen Marktumfeld gerechnet. Grund für diese Einschätzung waren eine Reihe langfristiger struktureller Trends, darunter der Aufstieg Chinas, zunehmender Populismus, der Siegeszug von Technologie und klimabedingte Risiken. Die Pandemie hat diese Faktoren noch verstärkt und die Bedingungen für Investoren weiter erschwert. In unserem Marktausblick erörtern wir, wie wichtig es ist, auf Veränderungen vorbereitet zu sein und Chancen zu nutzen, die sich aus Marktschwankungen ergeben.

Produktivitätswachstum könnte unter Druck geraten

Wir prognostizieren für die kommenden Jahre ein über dem Trend liegendes Wirtschaftswachstum, wenn die Weltwirtschaft aus der Covid-19-Rezession herauskommt – sind allerdings der Meinung, dass „wirtschaftliche Narbenbildung“ das potenzielle Produktivitätswachstum belasten könnte.

Drei Faktoren könnten dazu beitragen. Erstens wirken sich längere Phasen der Arbeitslosigkeit in der Regel negativ auf die Fähigkeiten des Einzelnen aus. Zweitens dürften wegen der höheren Unsicherheit die Unternehmensinvestitionen über einen längeren Zeitraum unter Druck geraten. Drittens wird aufgrund der massiven Unterstützungsmaßnahmen durch Regierung und Zentralbank ein zunehmende „Zombifizierung“ des Unternehmenssektors erwartet.

Die beiden wichtigsten Themen, die für Aufwärts- oder Abwärtsüberraschungen an den Kapitalmärkten sorgen können, sind der weitere Verlauf der Pandemie und das künftige Ausmaß der Fiskalpolitik. Während sich in Europa bereits weitere Stimuli abzeichnen, wird das Ergebnis der US-Wahlen im November (hoffentlich) mehr Klarheit über Umfang und Art der weiteren fiskalischen Unterstützung in den USA schaffen.

Leitzinsen dürften niedrig bleiben – oder weiter sinken

Angesichts des längerfristig schwierigen konjunkturellen Umfelds sowie der strukturellen Veränderungen, die immer wieder zu Schwankungen an den Finanzmärkten führen können, dürften die Leitzinsen in den meisten entwickelten Volkswirtschaften in den nächsten drei bis fünf Jahren mindestens über weite Strecken niedrig bleiben oder sogar noch weiter sinken.

Aus unserer Sicht sind negative Zinssätze Ausdruck von Verzweiflung mit negativen Nebenwirkungen, die mit der Zeit immer größer werden. Da die Anleiherenditen jedoch bereits niedrig oder negativ und die Renditekurven flach sind, werden sich als Reaktion auf künftige negative Schocks wahrscheinlich mehr Zentralbanken in den negativen – oder tieferen negativen – Bereich wagen, ergänzt durch weitere Käufe über ein breites Anlagespektrum.

Für die Inflation sehen wir kurzfristig zwar nur ein sehr geringes Aufwärtsrisiko. Allerdings ist es unserer Meinung nach sinnvoll, sich gegen längerfristig möglicherweise steigende Teuerungsraten abzusichern – mit inflationsgeschützten US-Staatsanleihen (engl. Treasury Inflation-Protected Securities, TIPS), Renditekurvenstrategien, Immobilien und unter Umständen Rohstoffen.

Investmentchancen im Anleihebereich

Im Anleihebereich sind die Spreads deutlich enger geworden. Dennoch wollen wir mit einer aktiven Wertpapierauswahl zusätzlichen Mehrwert zu schaffen. Als relativ stabile und defensive Ertragsquelle betrachten wir nach wie vor hypothekenbesicherte Papiere regierungsnaher US-Immobilienfinanzierer (engl. US agency mortgage-backed securities). Darüber hinaus bieten US-Hypotheken aus dem privaten Sektor (engl. US non-agency mortgages) und forderungsbesicherte Wertpapiere (engl. asset-backed securities, ABS) Vorrang in der Kapitalstruktur und ein interessantes Risikoprofil im Fall negativer Makro- oder Marktüberraschungen.

Anleihe- und Immobilienstrategien im privaten Sektor verfügen über attraktives Renditepotenzial – inklusive Illiquiditätsprämien für Investoren, die ihr Kapital längerfristig binden und die erhöhten Risiken tragen können.

Insbesondere die Schwellenländer interessant

In Europa rechnen wir mit guten Investitionsmöglichkeiten, wenn die aktuell relativ hohe Stabilität der Eurozone erhalten bleibt. Chancen für aktive Investoren können sich aber auch ergeben, wenn die Region dem bekannten Muster folgt: Ein Schritt vorwärts und zwei Schritte rückwärts.

Ebenfalls interessant ist Asien, das sich während der Covid-19-Krise vergleichsweise robust gezeigt hat. Dort bieten unter anderem Unternehmenskredite Möglichkeiten für aktive Investoren. Generell sind wir mit Blick auf die Bewertungen der Meinung, dass die aufstrebenden Märkte über höheres Renditepotenzial verfügen als die Industrieländer. Allerdings ist hier mit noch größeren strukturellen Veränderungen zu rechnen, die zu einer Reihe von Gewinnern und Verlierern führen werden.

Schwellenländer-Währungen dürften ebenfalls größeres Aufwärtspotenzial beinhalten, unterliegen jedoch lokalen und globalen Risiken. Während kurzfristig die Aussicht auf eine globale Konjunkturerholung nach dem Corona-Schock zu einer weiteren Abschwächung des US-Dollars führen könnte, dürften wiederholte Rücksetzer zu einer Flucht in die US-Währung führen. Denn diese bleibt in den Augen vieler Anleger selbst in einer multipolareren Welt der sicherste Hafen.

Aufgrund der Aussicht auf ein schwierigeres Investmentumfeld und damit verbunden möglicherweise steigender Konjunktur- und Marktvolatilität legen wir großen Wert auf Kapitalerhalt und darauf, das Risiko von Totalverlusten zu vermeiden. Geduld, Flexibilität und ein globaler Ansatz sind aus unserer Sicht erforderlich, um mit einer möglichst breiten Palette von Investitionsinstrumenten attraktive Renditechancen zu verfolgen.

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