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„Auf Dauer werden die USA ihr "AAA"-Rating nicht halten können“

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Bisher haben es Demokraten und Republikaner in den USA nicht geschafft, sich auf die Erhöhung der Schuldengrenze zu einigen. Kein Grund zur Sorge, meint Christopher Molumphy, Vize-Präsident und Investment-Chef der Renten-Sparte von Franklin Templeton. Denn ein Zahlungsausfall der USA sei äußerst unwahrscheinlich.

Dass die Politiker bis zur letzten Minute über die Erhöhung der Schuldengrenze diskutieren sei üblich und gehört zum „Spiel“ dazu, erklärt der Experte. Letztendlich heben sie diese doch an, prognostiziert er und zwar „kurz vor Mitternacht am 1. August“. Selbst wenn dieser Termin überschritten werden sollte, hält Molumphy die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls bei US-Anleihen für verschwindend gering.

Die Marktmeinung ist entscheidend

Eine Herabstufung des AAA-Ratings der USA durch die internationalen Rating-Agenturen hält der Experte hingegen für durchaus denkbar. „Potenziell größere Bedeutung als die Einschätzung der Ratingagenturen zur Kreditwürdigkeit der USA hat jedoch der Eindruck der globalen Marktteilnehmer“, sagt er. Denn am Ende seien es die Inhaber von Anleihen, die den Zins bestimmen, zu dem die USA Kredit erhalten.

Andreas Rees, Chefvolkswirt bei Unicredit in Deutschland, geht noch weiter. „Auf Dauer werden die USA ihr "AAA"-Rating nicht halten können“, sagt er. Dazu seien die strukturellen Probleme in der amerikanischen Wirtschaft zu groß. Die USA verfügen laut Rees über kein nachhaltiges Wirtschaftsmodell, das für die nächsten Jahre ein ausreichend hohes Wachstum generieren könnte.

Der Immobilienmarkt sei weggebrochen, ein gleichwertiger Ersatz nicht in Sicht. Ein schnelles Herauswachsen aus der Schuldenfalle sei deshalb nicht möglich. Und bis es dem Land gelingt, die Wirtschaft umzustrukturieren und auch wettbewerbsfähiger für den Export zu werden, dürften noch viele Jahre vergehen.

Staatsanleihen aus den Schwellenländern besser als aus den USA

Als Alternative zu US-Staatsanleihen kommen für den Unicredit-Chefvolkswirt mehrere Anlageklassen in Frage. Zum einen wären das die Staatsanleihen von Schwellenländern, die im Schnitt eine deutlich geringere Staatsverschuldung bei gleichzeitig höherem Wirtschaftswachstum als die Industriestaaten aufweisen.

Aber auch Staatspapiere einiger Industrieländer mit stabilem „AAA“-Rating findet Rees interessant. Dazu zählt er insbesondere Deutschland, aber auch Frankreich, die Schweiz und einige wachstumsstarke Staaten wie Schweden und das rohstoffreiche Australien.

Eine Herabstufung der USA schlägt auf das Unternehmensrating durch

„Bis zu einem gewissen Grad könnten Unternehmensanleihen als Alternative zu amerikanischen Staatsanleihen fungieren“, so Rees weiter. Hier kämen grundsätzlich sowohl defensive Titel mit einem stetigen Ertragsstrom als auch konjunkturempfindliche Papiere in Frage, die von dem starken Wachstum in Asien profitieren.

In jedem Fall sollte es sich um "Global Player" handeln und nicht um Unternehmen, die einen Tätigkeitsschwerpunkt in den USA aufweisen, empfiehlt Rees. Andernfalls würden Investoren "vom Regen in die Traufe kommen". Eine Herabstufung der USA schlüge zumindest teilweise auf das Unternehmensrating durch.

Edelmetalle hingegen hält Rees für keine gute Alternative. „Zwar verdoppelte sich der Goldpreis seit dem Kollaps von Lehman Brothers im Herbst 2008“. Der Aufwärtstrend sei aber zwischenzeitlich immer wieder unterbrochen worden; die kurzfristige Volatilität des Goldpreises sei hoch. „Für eine noch stärkere Umschichtung in Rohstoffe müssten Investoren auch größere Schwankungen in Kauf nehmen.“ Im Gegensatz dazu wären Immobilien eine vergleichsweise risikoarme, allerdings aber auch wenig liquide Alternative.

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