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Baden mit Barren um den Bauch: Uwe Zimmer über Kommentare zu seinem Gold-Artikel

Uwe Zimmer
Uwe Zimmer
Uwe Zimmer ist Vorstandsvorsitzender der Vermögensverwaltung Meridio in Köln. Seinen Artikel „Ran ans Gold – gegen alle Vernunft“, der sowohl zu den meistgelesenen als auch zu den am häufigsten kommentierten gehört, finden Sie hier.

Wer Gift und Galle spuckt und immer nur das Negative sieht, wird nicht alt. Ein gehöriges Maß an Skepsis ist aber gesund. Das gilt auch und vor allem in Bezug auf die Märkte. Denn hier verspielen Menschen, die nicht die Beweggründe der anderen Marktteilnehmer hinterfragen, ihre Zukunft.

Können Aktien-Kurse überhaupt sinken? Wenn eigentlich alle daran glauben, dass „langfristig“ mit Aktien das meiste Geld zu verdienen ist, sollte es doch eigentlich einen einzigen Run auf die Papiere geben. Banken überbieten sich darin, Privatanlegern zu erzählen, dass Aktien die lukrativste Anlage sind – und verkaufen dann genau diese Papiere. Reiner Edelmut? Hauptsache, der Kunde ist zufrieden?

Oder die Sache mit dem Gold. In den vergangenen Jahren ist der Goldpreis stark gestiegen. Wer schon seit vielen Jahren Gold im Tresor hatte atmet auf: endlich tritt das ein, was man immer erhofft hat. Der Preis steigt und der Besitzer wird reich. Nur verkaufen wird er es jetzt nicht, denn er sieht ja im Gold den besten, vielleicht den einzigen Schutz vor Inflation, vielleicht sogar vor dem Weltuntergang. Also lässt er das Gold im Tresor und ist weiterhin nicht reich. Genauso, wie er es die ganzen Jahre vorher nicht war, denn da hat Gold einfach nur Geld gekostet in der Anschaffung und nichts gebracht an Ausschüttung.

So haben Tausende viel Geld dafür bezahlt, ihre Ängste einmal richtig auszuleben. Das ist legitim aber es sollte doch niemand so tun als ob Gold wirklich eine lukrative Geldanlage wäre. Wer im richtigen Moment einsteigt und im genauso richtigen wieder aussteigt, kann mit Gold verdienen. Mit Gold lässt sich vielleicht auf die ganz lange Sicht ein Inflationsausgleich schaffen. Es gibt Phasen, da kann man richtig reich werden – binnen weniger Jahre. Man nennt die Phasen Blasen und sie platzen bei Gelegenheit. Aber wer es gegen (oder für?) seine Angst kauft, der kann nur verlieren. Denn es entgehen ihm Erträge in anderen Anlageformen, die zum Teil höher sind, aus denen etwas Reales entsteht, die man ausgeben kann.

Das betrifft übrigens auch einen anderen Aspekt als nur den geldwerten: Wer stets in Angst lebt, Inflation, Hyperinflation, Staatsbankrott und Weltenende erwartet und Gold dagegen als Sicherheit hortet, der hat wenig Freude am Leben. Und derjenige wird wahrscheinlich bei all der Galle auch nicht alt. Übrigens: wer verkauft denn Gold, wenn das Edelmetall so toll ist? Die Banken? Ach so, aus den gleichen Beweggründen wie bei Aktien: Edelmut, Selbstlosigkeit, Kundenzufriedenheit. Wären sie von der Unausweichlichkeit der Hyperinflation überzeugt und auch davon, dass Gold der richtige Schutz davor ist, würde keine Unze die Tresore der Banken verlassen.

Recht haben die Banken damit, dass manchmal auch Aktien die bessere Wahl sind. Manchmal sind es aber auch Tagesgeldkonten, Immobilien oder Emerging Markets-Anleihen. Das Entscheidende ist einzig und allein der passende Mix aus vielen verschiedenen Anlageklassen und -formen. Denn dieser verbindet das Nutzen von Chancen mit der Absicherung gegen Risiken. Gold zu horten ist dagegen so, als würden Anleger mit Barren um den Bauch Baden gehen.
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