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Berufsunfähigkeit: Billig gewinnt nicht immer

Mehr Risikoklassen in der Berufsunfähigkeitsversicherung– auch die Versicherungsgruppe die Bayerische (ehemals BBV – Bayerische Beamten Versicherung) folgt mit ihren neuen Tarifen „BU Protect“ diesem Trend. Bei der Bayerischen gibt es mit dem neuen Tarifpaket statt der bislang fünf nun acht Berufsklassen.

Für Friseurinnen und Lackiererinnen zu Beispiel sei der neue Tarif um 17 Prozent günstiger geworden, für kaufmännische und Bankangestellte um 11 Prozent, teilt der Versicherer mit.

„Als Folge der neuen Unisex-Tarife ergibt sich für Männer ein moderater Preisanstieg, dafür ist es bei Frauen in vielen Berufsgruppen günstiger“, sagt Bayerische-Vertriebsvorstand Martin Gräfer. Doch bleibt die immer stärkere Ausdifferenzierung von Berufsgruppen in der BU-Versicherung nicht unkommentiert. So betrachtet Michael Franke, geschäftsführender Gesellschafter beim Hannoveraner Rating- und Analyseunternehmen Franke und Bornberg, den allgemeinen Trend mit gewisser Skepsis.

Hintergrund: Während es für einige Berufsgruppen günstiger wird, wird der BU-Schutz für andere Werktätige sehr teuer. Franke erkennt aber auch an, dass sich die Versicherer dieser Entwicklung momentan nicht entziehen können. Und an der Entwicklung seien auch die Verbraucherschützer nicht gänzlich unbeteiligt, meint Franke. Denn jahrelang hätten diese das Credo „billig gewinnt“ hochgehalten– aber gleichzeitig hohe Leistungen gefordert.

Billig gewinnt nicht immer

So komme es, dass das Leistungsniveau auf dem deutschen Markt mittlerweile einmalig hoch sei. „Aber gerade für körperlich Tätige sind die neuen Tarife deutlich kostspieliger geworden“, sagt auch Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer beim unabhängigen Analysehaus Morgen & Morgen. Diese Berufsgruppen sollten sich nach Alternativen umschauen.

Ein Ansatz: In größeren Unternehmen sei das Belegschaftsgeschäft mit einer häufig noch einfacheren Tarifierung eine Ausweichmöglichkeit. Ansonsten bliebe das Ausweichmanöverauf andere Policenfomen, etwa auf Erwerbsunfähigkeitsversicherungen. „Da muss ich natürlich ernstlich kränker sein, um die gleiche Leistung zu bekommen“, sagt Experte Franke. „Aber für diesen Fall abgesichert zu sein ist besser, als lediglich einen BU-Vertrag mit einer Leistung von 400 Euro zu haben.“

Dread Disease als Zusatzleistung

Bayerische-Vorstand Gräfer weist als Alternative auf Dread-Disease-Leistungen hin, die in der Premium-Protect-Produktvariante automatischer Bestandteil sind. Versichert sind auf diese Weise 38 verschiedene Krankheitsbilder wie Herzinfarkt, Krebs, Schlaganfall, Alzheimer oder Parkinson. Die Bayerische finanziert dies durch eine einmalige Kapitalleistung kurz nach der Diagnose.

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Bei den neuen BU-Tarifen sieht Frankeschon in der Einstufung eine Menge Klärungsbedarf. Wie viel Prozent Reisetätigkeit etwa ein Job mit sich bringe, sei für Kunden selbst nicht immer richtig einzuschätzen. Und ob das Schleppen von Aktenordnern als körperliche Tätigkeitzählt, dürfte auch vielen Maklern unklar sein, meint Franke.

Damit bestehe die Möglichkeit, dass Tätigkeiten mit höherem Risikopotenzial von Makler und Kunde zu niedrig eingestuft werden. „Viele zahlen dann eine Prämie, die nicht risikoadäquat ist. Wird das erst im Leistungsfall bemerkt, ist es aber zu spät“, so Schinnenburg. „Bei der Antragstellung sollten Vermittler die Konditionen genauestens checken.“

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