Björn Drescher „Fall Haywood muss der Branche zu denken geben“

Björn Drescher, Gründer und Geschäftsführer von Drescher & Cie. | © Drescher & Cie.

Björn Drescher, Gründer und Geschäftsführer von Drescher & Cie. Foto: Drescher & Cie.

„Wir sind der Auffassung, dass der Liquidationsansatz den Anlegern die Möglichkeit geben wird, die Erlöse schneller zu erhalten, und eine Gleichbehandlung sicherstellt.“ Sätze dieser Art „zum Schutz der Anleger“ kennen wir aus der Vergangenheit eher von Anbietern offener Immobilienfonds als von Initiatoren flexibler Absolute-Return- und Unconstrained-Bond-Fonds. So gesehen jetzt im Fall der Schweizer GAM. Das Unternehmen plant, alle neun seit Anfang August eingefrorenen Fonds (6,3 Milliarden Euro) des suspendierten Managers Tim Haywood abzuwickeln und die Anleger schrittweise auszuzahlen. Haywood werden Unregelmäßigkeiten und Verstöße gegen interne Richtlinien zur Last gelegt, im Rahmen derer indes keine Anleger zu Schaden gekommen sein sollen.

Der Vorfall muss der Fondsbranche zu denken geben. Lassen wir dabei Haywoods Verhalten und die Prozesse im Hause GAM einmal ebenso unkommentiert wie die Kommunikation der Gesellschaft. Der Vorfall zeigt aber sehr deutlich, wie eingeschränkt liquide Teile des Rentenmarkts sind und welche Risiken unter anderem im High-Yield-Bereich und auch im außerbörslichen Handel auf der Suche nach den „letzten Renditen“ des Rentenmarkts und der niedrigsten Volatilität im Zuge einzelner (alternativer) Bond-Strategien bisweilen eingegangen werden. Für den Fall nachhaltigen Verkaufsdrucks auf breiter Front droht da echtes Ungemach. Es wird Zeit, das Risiko entsprechender Fonds auch über den synthetischen Indikator (SRI) hinaus realistisch zu beurteilen.