Philipp Bärtschi von der Bank Sarasin

Philipp Bärtschi von der Bank Sarasin

Börsen: Kein „Ausverkauf“ in diesem Sommer

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„Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich“, schrieb schon Mark Twain. So wird auch die Börsenkurve 2012 ihren eigenen Verlauf zeigen.

Bei einer Betrachtung des Verlaufs der Aktienmärkte in den vergangenen drei Jahren fällt auf, dass die Börsen jeweils bis zu Beginn des zweiten Quartals stark zulegten, nur um dann in den Sommermonaten wieder zurückzufallen.

Ein besonders wichtiges Signal für die Finanzmärkte sind die positiven und negativen Überraschungen bei den Wirtschaftsdaten. So ist es kein Zufall, dass die Börsen sowohl 2010 wie auch 2011 dem Citigroup Economic Surprise Indicator, welcher die veröffentlichten US-Wirtschaftsdaten mit den Erwartungen vergleicht, eng folgten.

Dieser Index stürzte in beiden Jahren im Sommer ab und schürte Ängste um eine harte Landung der US-Wirtschaft. Nach einer längeren Phase mit positiven Überraschungen ist dieser Index nun auch 2012 auf ein neutrales Niveau gesunken. Aufgrund der zyklischen Modelle rechnen wir bei der Bank Sarasin in diesem Sommer aber nicht mit einer weiteren Konjunkturdelle.

Im Gegenteil : Mit einer Wachstumsbeschleunigung werden auch die positiven Überraschungen bei den Wirtschaftsdaten in den nächsten Monaten wieder zunehmen.

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Schwünge im Aktienmarkt stellt die Positionierung der Anleger dar. Wenn alle Anleger sehr pessimistisch sind und wenig Aktien halten, dann führen positive Überraschungen zu starken Marktbewegungen.

Wenn hingegen alle Anleger bereits in Aktien übergewichtet sind, wie im Frühjahr 2010 und 2011, dann ist das Aufwärtspotenzial für Aktien meist gering und der Verkaufsdruck bei einer Korrektur hoch.

2012 ist anders

Derzeit ist weder übertriebener Optimismus noch übertriebener Pessimismus unter den Anlegern vorhanden. Das Verhalten der Aktienmärkte in den vergangenen Wochen, abnehmende positive Wirtschaftsüberraschungen und technische Signale weisen heute starke Gemeinsamkeiten mit 2010 und 2011 auf.

Die positiven Konjunkturaussichten für den Rest des Jahres, welche nach einer Verschnaufpause wieder zu positiven Überraschungen führen sollten, und die neutrale Positionierung der Anleger sprechen aber gegen einen erneuten Ausverkauf an den Börsen im Sommer.

Die Geschichte vom vergangenen Jahr dürfte sich daher nicht wiederholen, auch wenn es nach den ersten paar Monaten verlockend ist, sich einen ähnlichen Verlauf für den Rest des Jahres zusammenzureimen.   

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