Dieter Pfeiffenberger, Bereichsvorstand Immobilienfinanzierung der Postbank. Foto: Iris Laduch

Dieter Pfeiffenberger, Bereichsvorstand Immobilienfinanzierung der Postbank. Foto: Iris Laduch

Dieter Pfeiffenberger, Postbank

„Ich sehe keine Blase“

//
DAS INVESTMENT.com: Wie ist der deutsche Immobilienfinanzierungsmarkt segmentiert?

Dieter Pfeiffenberger
: Er ist stark zwischen den vielen Sparkassen und Volksbanken und den Privatbanken aufgeteilt. Postbank, DSL Bank und BHW Bausparkasse gehören zum Deutsche-Bank-Konzern. Unser gemeinsamer Marktanteil liegt bei insgesamt zirka 15 Prozent. Damit sind wir mit Abstand der größte Player, aber natürlich nicht marktbeherrschend. So gibt es für uns noch genug Potenzial für Wachstum.

Ist nicht auch das Internet ein großer Konkurrent?

Da müssen wir differenzieren. Zu Informations- und Orientierungszwecken hat sich das Internet etabliert. Vor zehn Jahren glaubte man aber noch, dass sich Produktabsatz und -abschluss bei der Immobilienfinanzierung stark ins Web verlagern würde. Das ist so nicht eingetreten. Der Online-Produktabschluss bewegt sich heute bei bestenfalls einem Prozent. Denn die Baufinanzierung ist beratungsintensiv.

Steigen angesichts des Markts die Zinsbindungszeiten?

Ja. Wir haben bei unserer Tochter DSL-Bank mittlerweile über 50 Prozent aller Finanzierungen über 15 oder 20 Jahre, dem niedrigen Zinsniveau folgend. Viele Kunden verzichten auf die 1 vor dem Komma, die sie bei 10-jährigen Finanzierungen haben könnten, und nehmen die 2 vor dem Komma für den längeren Zeitraum. Zudem haben wir tendenziell höhere Tilgungen, das ist auch eine klare Empfehlung von uns. Im Neugeschäft ist der Schnitt bei 2,5 Prozent.

Wächst der Anteil von Kapitalanlegern bei Ihren Verträgen?

Der Anteil von Kapitalanlegern ist bei uns recht stabil, er liegt bei 6 oder 6,5 Prozent. Kapitalanleger sind in der Vergangenheit für die Bank auch keine Kernzielgruppe gewesen.

Widerspricht das nicht dem allgemeinen Immobilien-Boom?

Das könnte so sein, wenn es am Markt genügend adäquate Objekte für Anleger gäbe. Vor allem in den Ballungszentren sind zwar viele Investoren auf der Suche, doch das Angebot ist knapp.

Klingt so, als ob sich eine Blase aufbauen könnte.

Die Preise sind in den Metropolen zwar stark gestiegen, ich sehe aber keine Blase. Es gibt in Hamburg, München oder Frankfurt sicherlich Stadtteile, wo ich angesichts der Preise heute nicht mehr kaufen würde. Die Erfahrung zeigt, dass eine Immobilie an der Außenalster in Hamburg eine nicht vermehrbare Lage hat. Sie war schon vor 20 Jahren teuer, und sie ist entsprechend teurer geworden. Das Gleiche gilt auch für München oder Frankfurt: Die Ballungsräume wachsen, und so wird es hier weiter eine Nachfrage geben.

Wird die Niedrigzinsphase noch zwei, drei Jahre andauern?


Eine solche Vorausschau würde ich mir nicht zutrauen. Wir alle wissen, dass die Rahmenbedingungen und offiziellen Verlautbarungen der Europäischen Zentralbank davon ausgehen, dass wir im Kurzfristbereich nahe der Nulllinie bleiben. Im Langfristbereich kommen jedoch viele nicht direkt steuerbare Effekte hinzu. Ich kann zwar keinen klaren absehbaren Trend zur deutlichen Zinssteigerung sehen, in den vergangenen 18 Monaten konnte der Zins auch schon mal um ein halbes Prozent nach oben und unten schwanken. Und das ist für den Finanzierungskunden dann schon eine ganze Menge.

Mehr zum Thema
Dank erhöhter BautätigkeitMieten in deutschen Innenstadtlagen stiegen 2014 etwas wenigerImmobilienDer Berliner Wohnimmobilienmarkt bleibt interessantImmobilienmarktUnd Wohnungen rentieren sich doch