Gerhard Dinter (links), Leiter institutionelle Kunden bei V-Bank, und Hartwig Webersinke, Mitbegründer des Instituts für Vermögensverwaltung, Hochschule Aschaffenburg: „Die Branche der Vermögensverwalter wächst“.

Gerhard Dinter (links), Leiter institutionelle Kunden bei V-Bank, und Hartwig Webersinke, Mitbegründer des Instituts für Vermögensverwaltung, Hochschule Aschaffenburg: „Die Branche der Vermögensverwalter wächst“.

Doppel-Interview

„Kleine Vermögensverwalter müssen sehr effizient sein oder stark wachsen“

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Die Branche der Vermögensverwalter befindet sich seit einigen Jahren auf dem Vormarsch. Vor knapp zwei Jahren gründete Hartwig Webersinke mit einigen Kollegen das Institut für Vermögensverwaltung (InVV).

Was war Ihre Zielsetzung mit der Gründung und wie lautet Ihr bisheriges Fazit, Herr Prof. Dr. Webersinke?

Hartwig Webersinke: Unser Ziel war von Anfang an, für zunehmende Transparenz auf dem Markt für Vermögensverwalter zu sorgen. Die Vermögensverwaltung gewinnt immer mehr an Bedeutung, gleichzeitig gibt oder gab es nur wenige Informationen über die Marktteilnehmer. Dieses Problem wollen wir beheben und als unabhängiges, an einer Hochschule tätiges Institut den Markt erforschen. Bislang haben wir hierzu zwei deutschlandweite Befragungen aller Vermögensverwalter durchgeführt, an denen rund ein Drittel der Branche teilgenommen hat. Die Ergebnisse wurden in Medien veröffentlicht und sind auf unserer Website frei zugänglich. Mit den bisherigen Ergebnissen sind wir sehr zufrieden.

Herr Prof. Dr. Webersinke, Herr Dinter, was können Sie uns über die momentane Entwicklung des Marktes für Vermögensverwalter sagen?

Webersinke: Die Branche verzeichnet nach wie vor starkes Wachstum. Die Mehrheit – mehr als 75 Prozent – gab in unserer letzten Befragung ein halbjährliches Wachstum der Kundenzahl um mindestens 2 Prozent an. Beim Kundenvolumen waren es sogar knapp 90 Prozent der Befragten. Von den guten Kundenzahlen profitieren die Vermögensverwalter enorm. Unter unseren Befragten gibt es kaum einen Vermögensverwalter, der Verluste schreibt oder seine aktuelle Wirtschaftslage als schlecht einschätzt. Ganz im Gegenteil: Die Branche steht gut da und blickt optimistisch in die Zukunft.

Gerhard Dinter: Das Wachstum der Vermögensverwalterbranche können wir aus Sicht der V-BANK nur bestätigen. Sieben Jahre nach der Gründung verwalten wir bereits mehr als 12 Milliarden Euro an Kundengeldern. Allein im ersten Halbjahr 2015 verzeichneten wir einen Zuwachs von 1,5 Milliarden Euro. Dabei profitieren wir überwiegend vom Neukundengeschäft der Vermögensverwalter.

Dabei steht die Branche doch angesichts der zunehmenden Regulierung vor großen Herausforderungen, Herr Prof. Dr. Webersinke.

Webersinke: Das stimmt. Die zunehmende Regulierung wird von vielen als eine der großen Herausforderungen angesehen. Dabei trifft sie insbesondere kleine Vermögensverwalter mit einem Kundenvolumen von bis zu 50 Millionen Euro hart. Unsere Studie ergab, dass kleinere Vermögensverwalter deutlich stärker von regulatorischen Maßnahmen belastet sind als große. Diese Gruppe machte ein Viertel aller Teilnehmer bei der letzten Befragung aus. Setzt man hier die branchenübliche Vermögensverwaltungsgebühr von 1 Prozent an, kommt man auf einen jährlichen Umsatz von etwa 500.000 Euro. Es stellt sich die Frage, ob das ausreicht, um ein gewinnbringendes Unternehmen zu führen. Kleine Vermögensverwalter müssen daher entweder sehr effizient wirtschaften oder stark wachsen.

Wie kommt es, dass die Branche insgesamt doch so optimistisch in die Zukunft blickt?

Webersinke: Während die zunehmende Regulierung ohne Zweifel eine große Herausforderung für weite Teile der Vermögensverwalter darstellt, bieten sich der Branche natürlich auch Chancen. Dazu zählt das aktuelle Niedrigzinsumfeld. Früher hatten viele private Anleger ihr Geld in Renten angelegt. Diese boten attraktive Zinsen und verhältnismäßig wenig Arbeitsaufwand. Das hat sich geändert. Renten sind schon seit einiger Zeit nicht mehr attraktiv, da sie eine zu geringe Rendite bieten, und für Investments in Aktien besitzen viele schlicht nicht das nötige Know-how. Aus diesem Grund sind Vermögensverwalter die Lösung insbesondere für vermögende Anleger. Vermögensverwalter können sich professionell um das Portfolio des Kunden kümmern. Die Vermögensverwalter profitieren sehr von den dadurch wachsenden Kundenzahlen. So sind sie in der Lage, den zunehmenden Kostendruck mehr als auszugleichen.

Und wie unterstützt die V-BANK ihre Kunden bei diesen Herausforderungen, Herr Dinter?

Dinter: Wir unterstützen die Vermögensverwalter bei der Neukundengewinnung und -bindung mit umfangreichen Maßnahmen. Dazu gehören beispielsweise Kundenveranstaltungen mit renommierten Referenten, die Teilnahme am Münchner Vermögenstag, die Organisation redaktioneller Werbemaßnahmen, die Vermittlung von Pressekontakten, Zitat- und Themenplatzierungen sowie individuelle PR-Beratung.

Herr Prof. Dr. Webersinke, was ist für Sie persönlich das interessanteste Ergebnis Ihrer Befragungen?

Webersinke: Neben den grundlegenden Zahlen über die Zusammensetzung des Marktes ist für mich als Hochschulprofessor natürlich aufschlussreich, dass weniger als die Hälfte der Beschäftigten in der Branche über einen akademischen Abschluss verfügt. Bei großen Vermögensverwaltern sind es etwa 43 Prozent, bei kleineren nur 37 Prozent. Dabei hat die Rekrutierung von Mitarbeitern direkt von der Hochschule gleich mehrere Vorteile. Sie sind oft hochqualifiziert, haben einen guten Kenntnisstand über betriebswirtschaftliche Vorgänge und bringen neue Ideen ein.

Auch bei einem anderen Kernthema helfen junge, engagierte Mitarbeiter: Sie fördern den Generationswechsel innerhalb der Kunden und der Vermögensverwaltung. Viele Vermögensverwalter werden gemeinsam mit ihren Kunden alt, es entstehen oft sogar Freundschaftsverhältnisse. Um nachhaltig erfolgreich zu sein, sollten Vermögensverwalter frühzeitig die Erbengeneration miteinbeziehen. Dafür sind jüngere Mitarbeiter sehr gut geeignet.

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