Aktualisiert am 30.10.2012 - 12:11 UhrLesedauer: 3 Minuten

„Ein Schrumpfen der US-Wirtschaft um drei bis fünf Prozent ist nicht unwahrscheinlich“

Joanna Shatney von Schroders
Joanna Shatney von Schroders
Szenario 1 – Barack Obama und die Demokraten gewinnen

Die Umfrageergebnisse bei den US-Wahlen deuten darauf hin, dass Barack Obama einen leichten Vorsprung genießt. Auch wir gehen von seiner Wiederwahl aus.

Doch eines der bestimmenden Themen ist die Kontrolle des Kongresses, bestehend aus dem House of Representatives und dem Senat. Der Ausgang der Wahlen ist wichtig für das „House of Representatives“, dass zurzeit von den Republikanern kontrolliert wird. Jedoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Partei die absolute Mehrheit im Kongress gewinnt, nicht anzunehmen. Für Investoren bedeutet das mehr Unklarheit im kommenden Jahr und schließlich einen Anstieg der Risikoprämien an den Aktienmärkten.

Für die Wirtschaft besteht das Risiko, dass wir aus den Wahlen mit einem ähnlichen politischen und wirtschaftlichen Stillstand herauskommen, mit dem wir in die Wahlen hineingegangen sind. Durch die kommende, sogenannte Schuldenklippe (Fiscal Cliff) sollte das Wirtschaftswachstum noch über zwölf Monate gebremst bleiben. Grund dafür ist der aktuelle Stillstand der US-Politik, wodurch bis zum Jahresende das Problem nicht in Angriff genommen werden dürfte.

Investoren sollten drei Faktoren im Auge behalten, die sich maßgeblich auf die Entwicklung des amerikanischen Bruttoinlandprodukts 2013 auswirken sollten: Erstens sind dies die vom früheren Präsidenten George W. Bush veranlassten Steuersenkungen, die nun auslaufen. Zweitens: Eine Reihe von Kosteneinsparungen, die sich vor allem auf den Gesundheits- und Verteidigungssektor auswirken und drittens die Gesundheitsreform und der damit verbundene Anstieg der Gesundheitskosten (Medicare), die am 1. Januar 2013 in Kraft treten sollten. Es sei denn, Mitt Romney gewinnt die Wahl.

Mit Blick auf alle diese Faktoren, ist ein Sinken des Bruttoinlandprodukts um drei bis fünf Prozent nicht unwahrscheinlich. Ein Aufschub der Steuerreform sollte sich um Einsparungen zwischen ein bis zwei Prozent bei den Staatsausgaben widerspiegeln.

Während die negativen Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum unumgänglich sind, glauben wir, dass sie sich trotz allem im Rahmen halten werden. Denn bereits 2012 haben wir Budgetkürzungen mit einer ähnlichen Größenordnung gesehen. Das Risiko, dass der Kongress eine Entscheidung zum Aufschub des Fiscal Cliff nicht hinauszögert, schätzen wir geringer als 20 Prozent ein.

Während viele Marktteilnehmer von einem Ausverkauf der US-Aktienmärkte ausgehen, hoffen wir auf einen positiven Effekt auf die Anlagemärkte - egal, wer die Wahlen letztendlich gewinnt.
 
Szenario 2 – Obama wird als Präsident abgelöst

Sollte Barack Obama die Wahlen verlieren, hoffen wir auf mehr Klarheit in der Steuerreform. Dies wird allerdings einige Zeit dauern und eine Entscheidung vor dem zweiten Halbjahr 2013 scheint unwahrscheinlich.

Bezüglich der Gesundheitsreformen würden die Karten neu gemischt werden, da Mitt Romney bereits verkündet hat, die Gesundheitsreform außer Kraft setzen zu wollen.

Im Fall, dass Obama die Wahlen verliert, sollte der Aktienmarkt einen kurzweiligen Anstieg verzeichnen, der jedoch an Fahrt verlieren wird, sobald mehr Klarheit zur Steuerreform herrscht.  Wir gehen davon aus, dass die Fiskalreform gelöst wird und Unternehmen 2013 wieder positive Aktienerträge verzeichnen können.   

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