Emerging Markets

Schwellenländer brauchen eine mutige Fed

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Nach Monaten, wenn nicht Jahren, der Spekulationen sind die Finanzmärkte wieder einmal in Warteposition. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat beschlossen, ihren Leitzins für Kurzfristkredite auch weiterhin konstant bei nahe Null zu halten. Für Anleger in Schwellenmärkten ist das nicht zwangsläufig eine gute Nachricht. Denn es bleibt nun weiterhin die Ungewissheit am Markt. Bis Ende des Jahres können wir daher noch mit anhaltender Volatilität rechnen.

Nach Abschluss ihres zweitägigen Treffens am 17. September hatte die Fed den Leitzins unverändert belassen. Als Gründe hierfür führte sie die niedrige Inflation und Instabilität der Weltwirtschaft an. Auch wenn die Fed damit beginnt, Maßnahmen zu ergreifen, dürften diese noch keine aggressiven Straffungen sein. Denn die anderen Notenbanken der Welt bewegen sich in die entgegengesetzte Richtung – sie senken ihre Zinsen.

Drosselungskoller 2.0?

Die Unterrendite in den Schwellenmärkten in diesem Jahr lässt sich scheinbar auch der Ungewissheit über die US-Zinspolitik zuschreiben. Eine ähnliche Art von Abschwung in den Schwellenländern gab es bereits vor zwei Jahren, als die Fed zum ersten Mal Zinserhöhungen andeutete. Diese Entwicklung wurde „Drosselungskoller“ genannt.

Einige Kommentatoren äußerten, die Schwellenländer seien in einen Teufelskreis aus Kapitalabflüssen, Währungsschwäche und Liquidität bei höheren Zinsen geraten. Dadurch ist es zu einem schwächeren Wachstum gekommen. Das wiederum hat weitere Kapitalabflüsse ausgelöst, die zur Abwärtsspirale beitragen.

Stärkerer US-Dollar würde Handel mit Schwellenländern begünstigen

Es gibt allerdings auch positive Aspekte. Falls die Fed in den kommenden Monaten genug Vertrauen in die US-Wirtschaft gewinnt, um die Zinsen anzuheben, könnte man dies als eine positive Entwicklung für die Schwellenmärkte sehen. Insbesondere gilt dies für Länder mit solchen Handelsverbindungen, die von einer Erstarkung der US-Wirtschaft profitieren.

Eine stärkere US-Wirtschaft dürfte eine höhere Nachfrage nach mehr Importwaren mit sich bringen. Ein gegenüber anderen Schwellenmarktwährungen stärkerer US-Dollar könnte Schwellenländer dann in eine günstigere Handelsposition bringen. Schwächere Währungen dagegen haben die Tendenz Exporte zu fördern und Hersteller zu unterstützen.

Anders als die Fed denken die Notenbanken in Schwellenländern im Allgemeinen nicht über Zinserhöhungen in ihren Heimatländern nach. China, das größte Schwellenland, versucht seine Wirtschaft über niedrigere Zinsen und andere Maßnahmen zu stimulieren. Die Inflation ist generell schwächer und somit rechnen wir trotz allem weiterhin mit niedrigen Zinsen in Schwellenländern. Staatsanleihen von Schwellenländern verzeichnen in vielen Fällen höhere Renditen. Dieses Phänomen schlägt aber nicht zwangsläufig auch auf den Privatsektor durch.

„Volatilität geht in zwei Richtungen“

Die Schlüsselfrage für Aktienanleger ist daher: Wo besteht Wert? Während dem allgemeinen Abschwung in den Schwellenländern in diesem Jahr sind die Aktienbewertungen attraktiver geworden. Dabei fielen die Kurs-Gewinn-Verhältnissen. Bei den niedrigen Zinssätzen waren die durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnisse in den letzten Jahren natürlich gestiegen. Erst in jüngster Zeit konnten wir durch den Abschwung in den Märkten gemäßigtere Verhältnisse beobachten. Sie sind in vielen Fällen dennoch überdurchschnittlich hoch, verglichen mit dem historischen Verlauf. Eine sorgfältige Titelauswahl ist daher unabdingbar.

Mit der Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in China konnten wir auch einen Rückgang der Importe beobachten. Die Importe sind nichtsdestotrotz nicht nur in China, sondern in allen Schwellenmärkten weiterhin erheblich. Auch wenn der Wert der Importe bestimmter Rohstoffe - durch den Fall der Rohstoffpreise in US-Dollar - gesunken ist, ist die Menge keineswegs zurückgegangen.

Im Fall von China sind die wichtigsten Importe Materialien wie Metalle, Chemikalien und andere Rohmaterialien. Hierunter fällt Eisenerz, das annähernd 30 Prozent des Gesamtwerts der Importe ausmacht, gefolgt von Industriemaschinen (26 Prozent) und Energieimporten wie Kohle, Öl und Gas (14 Prozent). Exporteure dieser Güter dürften daher von dem Konjunkturrückgang in China betroffen sein. Eine Verbesserung der Wirtschaft in den USA wird jedoch diesen Branchen einen Schub verleihen – und die globalen Märkte generell stabilisieren.

Eine Serie rascher oder größerer Zinserhöhungen könnte die Märkte langfristig destabilisieren. Unserer Ansicht nach ist dies allerdings unwahrscheinlich. Wir möchten auch betonen, dass Volatilität in zwei Richtungen geht. Auch wenn die jüngsten Marktschocks für viele Anleger auch beunruhigend waren – wir könnten eine ebenso starke Erholung in den Schwellenmärkten erleben.

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