Thomas Schulte

Thomas Schulte

„Es gibt bessere Lösungen als Enteignung“

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DAS INVESTMENT.com: Herr Schulte, was würden Sie tun, wenn der Staat plötzlich sagt: Her mit Ihren Aktien? Thomas Schulte: Ich würde sie erst einmal hergeben und abwarten, was anschließend passiert. Erst wenn die Lage sich beruhigt, würde ich prüfen, ob auch rechtlich alles korrekt war und entsprechend reagieren. DAS INVESTMENT.com: Darf Ihnen denn der Staat einfach so Aktien wegnehmen? Schulte: So einfach nicht. Das Grundgesetz schützt Eigentum, und um das zu ändern, ist eine Dreiviertelmehrheit im Bundestag nötig. Wenn es allerdings herausragende Gründe und ein entsprechendes Gesetz gibt, kann der Staat Menschen enteignen. Es könnte ja auch passieren, dass ein Flughafen vergrößert werden soll und dafür Ihr Haus weg muss. Allerdings müssen Sie eine Entschädigung bekommen. DAS INVESTMENT.com: Wie soll die denn bei Bankaktien aussehen? Etwa in Höhe der extrem miesen Kurse? Schulte: Zunächst sicherlich ja. Aber dann hätte damit der Anleger auch seinen Verlust realisiert, weil er seine Aktien zum aktuellen Kurs los wird. Die Höhe der Entschädigung wird später dann das Thema vieler Rechtsstreitigkeiten werden. Das ist fast immer so bei Enteignungen. DAS INVESTMENT.com: Das heißt, nach der Enteignung gleich zum Anwalt? Schulte: Nicht sofort. Sie sollten erst einmal andere durch das Mienenfeld laufen lassen, damit Sie wissen, wo Sie hintreten können. Immerhin verjähren solche Fälle erst frühestens nach drei Jahren. DAS INVESTMENT.com: Glauben Sie eigentlich, dass es tatsächlich zu Enteignungen kommen wird? Schulte: Nein, denn es gibt bessere Lösungen. Wenn beispielsweise in einem Kindergarten ein Kind dem anderen das Spielzeugauto wegnehmen will, was glauben Sie, was die Kindergärtnerin am besten macht? DAS INVESTMENT.com: Keine Ahnung. Schulte: Sie lenkt die Aufmerksamkeit der Kinder ab, sodass das Auto uninteressant wird. Damit ist der Streit erledigt. Die Banken sind für Anleger jetzt schon uninteressant, sonst wären die Aktienkurse nicht so niedrig. Der Staat könnte also klammheimlich die Aktien aufkaufen. DAS INVESTMENT.com: Und damit den Kurs extrem in die Höhe treiben. Das wird teuer. Schulte: Dafür hätte er aber keine Diskussionen zu fürchten und auch nicht mehr das Problem mit den Schadenersatzforderungen. DAS INVESTMENT.com: Auch wieder wahr. Ich danke Ihnen für das Gespräch.

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