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EZB-Ratssitzung Das könnten Draghis neue Aktionen sein

Mario Draghi: Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) (Foto: Getty Images)
Mario Draghi: Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) (Foto: Getty Images)
Die meisten Ökonomen erwarten zwar, dass die Währungshüter ihren Leitzins heute unverändert lassen und von breitangelegten quantitativen Lockerungen (QE) absehen. Doch Banken von der Commerzbank bis hin zu Barclays schließen nicht aus, dass sich Draghi einem Kaufprogramm für forderungsbesicherte Wertpapiere (Asset-Backed Securities, ABS) verschreiben könnte.

In der vergangenen Woche hatte die EZB Blackrock als Berater für die Entwicklung eines ABS-Kaufprogramms engagiert, mit dem das Finanzsystem mit zusätzlicher Liquidität versorgt und die Kreditvergabe angekurbelt werden soll. Dennoch: jetzt zu handeln könnte zu Unstimmigkeiten unter den Ratsmitgliedern führen, die vorsichtig sind, neue Risiken zu übernehmen, bevor Länder wie Frankreich und Italien Wirtschaftsreformen umsetzen.

“Wenn die EZB bei der anstehenden Sitzung ein Zeichen setzen will, wird sie wahrscheinlich allgemein ein ABS-Programm ankündigen”, sagte Michael Schubert, Ökonom der Commerzbank in Frankfurt. “Unser Basisszenario geht davon aus, dass die EZB in den nächsten 12 Monaten QE ankündigen wird.”

Von den 57 von Bloomberg News befragten Ökonomen rechnen 51 damit, dass die EZB nicht an der Zinsschraube drehen wird. Sechs Volkswirte prognostizieren eine Senkung des Leitzinses um 10 Basispunkte auf 0,05 Prozent, wobei der Einlagensatz um denselben Betrag auf minus 0,2 Prozent fallen würde.

Die EZB gibt ihre Entscheidung am heutigen Donnerstag um 13.45 Uhr in Frankfurt bekannt. Draghi wird 45 Minuten später eine Pressekonferenz abhalten.

Aktien und Anleihen stiegen und der Euro fiel infolge von Spekulationen, dass Draghis Techtelmechtel mit Aktiva-Käufen sich in ernste Absichten gewandelt hat. Bei einer Rede auf dem jährlichen Symposium der Federal Reserve Bank of Kansas City in Jackson Hole, Wyoming, hatte Draghi am 22. August auf einen Rückgang der Inflationserwartungen verwiesen. Dies hatte er zuvor als eine der Voraussetzungen für QE bezeichnet.

“Die Märkte scheinen sich nach Präsident Draghis Rede auf ein QE vorzubereiten”, sagt Antonio Garcia Pascual, Chefökonom für den Euroraum bei Barclays in London. “Wir rechnen weiterhin damit, dass die EZB bis Jahresende warten wird.”

Die Jahresteuerung im Euroraum lag im vergangenen Monat mit 0,3 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit 2009 und machte damit nur einen Bruchteil des EZB-Ziels von zwei Prozent Inflation aus. Die Stabsprojektionen an diesem Donnerstag könnten weitere Argumente für neue Schritte liefern. EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny hatte im August angedeutet, dass die Prognosen nach unten revidiert werden.

Im Juni hatte die EZB für 2014 eine durchschnittliche Inflation von 0,7 Prozent vorhergesagt, doch das Niveau wurde nur ein Mal in diesem Jahr überschritten. Zudem dürfte die Wachstumsprognose von einem Prozent für 2014 von der Stagnation im letzten Quartal und einem BIP-Anstieg um 0,2 Prozent in den ersten drei Monaten des Jahres untergraben werden.

“Niedrigere Inflationsprognosen könnten die EZB noch weiter in die Ecke drängen, in die Draghi sie bereits mit seiner Rede in Jackson Hole geschubst hat”, sagte Carsten Brzeski, Chefökonom von ING-Diba in Frankfurt.
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