Finanzfrage der Woche: Warum der Energiepreisanstieg nicht in den Depots ankommt?

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Trostpflaster Zinsrendite

Wenn es mit Spot-Preis-Entwicklung und Rollrendite für den Anleger nicht klappt, bleibt ihm ein kleiner Trost: die Zinsrendite (Collateral Yield). Beim Kauf eines Futures fällt zunächst nur eine kleine Sicherheitszahlung, die Margin, an. Sie liegt in der Regel bei 5 bis 10 Prozent des Rohstoffwerts. Der Investor muss also nur 500 bis 1.000 Euro bei der Börse hinterlegen, um Rohstoffe im Wert von 10.000 Euro zu erwerben. Die eigentliche Zahlung erfolgt erst bei Entgegennahme des Rohstoffs, und dazu wird es aufgrund des Rollens nie kommen. Bei Index- und Performanceberechnungen wird daher unterstellt, dass die bei Endfälligkeit erforderlichen Geldmittel vollständig und über die gesamte Laufzeit des Kontraktes risikolos angelegt werden.

Vier Index-Klassiker

Die daraus entstehende Rendite ist die dritte Ertragskomponente eines Rohstoffinvestments. Bei Rohstoffindizes enthält die Total-Return-Variante die Zinsrendite, beim Excess-Return-Index wird sie nicht mitgerechnet. Es gibt vier klassische Indizes, die den Rohstoffmarkt abbilden. Der Thomson Reuters/Jefferies CRB Index wird bereits seit 1940 berechnet und ist das älteste Rohstoffbarometer. Es enthält 19 Rohstoffe, die Gewichtung wird monatlich readjustiert. Der Goldman Sachs Commodities Index (GSCI) umfasst 24 Rohstoffe, mit rund 70 Prozent ist er sehr energielastig.

Am meisten Rohstoffe enthält der Rogers International Commodities Index (Rici). Einige der 35 Rohstoffe sind jedoch nur sehr gering gewichtet. Die gleichmäßigste Sektorenverteilung weist der DJ UBS Commodities Index (bis 2009 DJ AIG Commodities) auf. Er enthält 19 Rohstoffe, und der Energiesektor macht nur ein Drittel des Index aus – weniger als bei den drei anderen Indizes.

Neben den vier Klassikern gibt es Subindizes und auch eigens für Fonds geschaffene Barometer, wie den LBBW Top Ten ER Index. Er soll die Rollrendite optimieren und enthält nur Rohstoffe in Backwardation oder leichtem Contango. Er ist Basis für den Fonds LBBW Rohstoffe 1. Hintergrund: Fonds dürfen keine Futures auf Einzelrohstoffe kaufen, sondern nur Indizes abbilden.

Damit ist die Fondsbranche weniger flexibel als Derivateanbieter. Hier lässt sich die Vielfalt an Rohstoffinvestments kaum mehr überbieten. Bei Derivaten beziehungsweise Zertifikaten handelt es sich jedoch um Inhaberschuldverschreibungen. Geht der Emittent pleite, ist das Geld futsch. Fonds haben dagegen den klaren Sicherheitsvorteil, als Sondervermögen vor Insolvenzen gefeit zu sein.

Trügerisch: Investieren in Rohstoffe

Die Preisentwicklung von Rohstoffen, wie sie zum Beispiel in der Zeitung steht, entspricht nicht der Rendite auf dem Kontoauszug des Rohstoffinvestors. Die eigentliche Entwicklung (Spot-Rendite) wird durch die Rollrendite aufgepeppt oder geschmälert. Weitere Renditekomponente ist die Zinsrendite, die in Total-Return-Indizes enthalten ist, in Excess-Return-Indizes nicht.

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