Die Europäische Zentralbank in Frankfurt.<br>Foto: Fotolia

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt.
Foto: Fotolia

Finanztipp der Woche: Mit der Unsicherheit Geld verdienen

//
Die Herabstufung der Bonität Griechenlands und Portugals und auch Spaniens durch die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Nervosität an den Weltbörsen erhöht. Sichtbar wird dies nicht nur durch Kursverluste, sondern auch an steigenden Volatilitätsindizes. Sie gelten als Fieberthermometer der Märkte und spiegeln die erwartete Schwankungsbreite der Aktienkurse wider.

So stieg der V-Stoxx, das Volatilitätsmaß für den wichtigsten europäischen Aktienindex, den Euro Stoxx 50, seit Mitte April sprunghaft von 20 auf über 45 Prozent. Das Niveau ist zwar noch weit entfernt von den panischen Zuständen an den Finanzmärkten im September 2008 nach der Insolvenz von Lehman Brothers, als der V-Stoxx auf mehr als 80 Prozent stieg, es ist nach Monaten der entspannten Ruhe an den Märkten allerdings ein erstes deutliches Aufflackern von Nervosität, nachdem die Aktienmärkte die Diskussionen um die Zahlungsfähigkeit Griechenlands bislang relativ gelassen verfolgt hatten.

Sicherheit mit Unsicherheit
Institutionelle Anleger nutzen die Anlage in Volatilität daher schon seit geraumer Zeit intensiv, um damit ihre Portfolios abzusichern und ihr Risiko zu reduzieren. Dazu kaufen sie Futures auf die Volatilitätsindizes, die für Privatanleger jedoch nicht zugänglich sind. Versuchen, Privatanleger mittels Zertifikaten an der Entwicklung der Volatilität teilhaben zu lassen, war bislang kein durchschlagender Erfolg beschieden.

Sasa Perovic von der Ratingagentur Scope erklärt die Problematik so: „Da  insbesondere in Phasen niedriger Volatilität stets die Angst herrscht, die Volatilität könnte steigen, ist der nächstfällige Future fast immer teurer als der aktuelle. Deshalb bekommen Anleger fürs gleiche Geld weniger Future-Anteile. So entstehen bei Endlos-Zertifikaten auf Volatilitäts-Indizes beim Tausch von einem Future in den  nächsten oft sogenannte Rollverluste."

DAS DERIVAT

DAS DERIVAT aktuelle Ausgabe
Aktuelle Ausgabe

Top-Tipp: Rare-Metals-Zertifikat

Flotte Nummer mit Deutsche-Bank-Bonus

>> kostenlos abonnieren

>> aktuelle Ausgabe (PDF)

Discount-Zertifikate werden preiswerter
Die steigende Volatilität hat auch praktische Auswirkungen auf die Preise von anderen Zertifikaten. Denn hinter fast allen Papieren steckt eine Kombination von Optionen. Zum Beispiel Discount-Zertifikate: Die Papiere sind preiswerter als der jeweilige Basiswert, auf den sie sich beziehen. Das wird dadurch möglich, dass der Emittent an der Terminbörse Optionen auf diesen Basiswert verkauft. Dieser Erlös wird als Rabatt an den Anleger weitergegeben.

Der Effekt: Je heftiger die Aktienkurse schwanken, desto teurer werden Optionen und desto mehr Rabatt bieten neue Discount-Zertifikate.

Fazit: Warum dieser Markt interessant ist
+ Weil die Nervosität an den Märkten anhalten wird
+ Weil intelligente Zertifikate ihre Stärken ausnutzen
+ Weil Volatilitäts-Papiere eine Versicherung für’s Depot sind

Die Zertifikate-Tipps

iPath VSTOXX Short-Term Futures Total Return ETN (WKN:
BC2KTT)
Der Indexanbieter Stoxx hat einen Index entwickelt, der Privatanlegern die Geldanlage in Volatilität erleichtert. Der Euro Stoxx 50 Volatility Short-Term Futures Index investiert dazu in die nächsten beiden ausstehenden Futures auf den V-Stoxx, aktuell also in den Juni- und Juli-Kontrakt. An jedem Handelstag wird ein Bruchteil des nächstfälligen Futures verkauft und dafür des übernächsten Futures gekauft.

Damit sollen die Rollverluste minimiert werden, da in der Regel die ferner in der Zukunft liegenden Kontrakte teurer sind als die aktuelleren. Privatanleger können nun über eine Exchange Traded Note (ETN) von Barclays an der Indexentwicklung partizipieren. Die neue ETN entwickelt sich genau wie der Stoxx-Volatilitätsindex. Es wird eine jährliche Gebühr von 0,89% fällig. Die sprunghaft gestiegene Nervosität an den Märkten hat dem Papier zu einem guten Börsenstart verholfen – in der Spitze ein Plus von knapp 28 %. Ein Buy-and-hold-Investment ist das Papier allerdings nicht. Die ETN sollte bei Bedarf und in stürmischen Zeiten an den Märkten zum Einsatz kommen.

Goldman Sachs Discount-Zertifikat auf Euro Stoxx 50 (GS2L4V)
Gelegenheit für konservative Discount-Jäger: Europa vor der Zerreißprobe, die Börsen haben Schüttelfrost. Über 350 Punkte ging es beim Euro Stoxx 50 vergangene Woche in den Keller. Zum Wochenstart dann die Rolle vorwärts. Gut für konservative Discount-Jäger. Über das Zertifikat von Goldman Sachs kaufen Sie den Europaindex mit 46,0% Rabatt. 7,7% (4,8% p.a.) Gewinne sind drin, wenn der Index zur Fälligkeit am 16.12.2011 über dem Cap bei 1.600 Punkten notiert (42%-Puffer).

WGZ Bank TeilGarant-Zertifikat 7 Euro Stoxx 50 (WGZ807)
Das Zertifikat der WGZ Bank könnte das richtige Zertifikat zur aktuell recht wackeligen Börse sein. Es läuft bis zum 15. Mai 2015. Den möglichen Verlust limitiert der Emittent auf 10 Prozent. Dafür nimmt das Zertifikat eins zu eins an den Kursgewinnen des Index teil. Um diese hohe Partizipationsrate darzustellen, hat die WZG Bank jedoch einen Deckel drauf gelegt. Mehr als 45 Prozent Gewinn werden insgesamt voraussichtlich nicht drin sein.

Aufs Jahr gerechnet wären das aber immerhin 7,3 Prozent. Das genaue Limit legt die Bank am Emissionstag fest. Na, das ist doch mal ein klares Konzept einfach umgesetzt. Und insgesamt ist es gar nicht so eine schlechte Idee.

Mehr zum Thema
Film ab am Brückentag: Finanzkrise 2.0Finanztipp der Woche: So spendiert der Staat Ihr EigenheimGriechen-Pleite: Versicherer mit 10 Milliarden Euro dabei