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Sparschwein: Durch die von der Corona-Krise angefachten Verschuldungslawine der Staaten sind vorerst kaum noch nennenswerte Zinssteigerungen zu erwarten. Daher empfiehlt Johannes Sczepan den Einstieg in ETF-Investments. | © Foto von maitree rimthong von Pexels Foto: Foto von maitree rimthong von Pexels

Geldanlage-Tipps

So klappt die Altersvorsorge in der Corona-Krise

Johannes Sczepan, Plansecur

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hat die Regierung ein Hilfspaket von über 1 Billion Euro auf den Weg gebracht. Es umfasst haushaltswirksame Maßnahmen in Höhe von 353,3 Milliarden Euro und Garantien von insgesamt 819,7 Milliarden Euro. So richtig und wichtig dieses Vorgehen im Angesicht der Corona-Krise sein mag, es treibt den Schuldenberg des Landes in noch nie dagewesene Höhen. Zumal es wohl zusätzliche Hilfspakete zur Stützung der Wirtschaft geben wird. Das wird nur mit einer weiteren Neuverschuldung Deutschlands möglich sein.

Angesichts dieser Finanzierungsdimensionen haben die normalen Sparer auf absehbare Zeit keine nennenswerten Zinsen zu erwarten. Durch die jahrelange nahezu Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist eine Geldentwertung schon lange vor der Corona-Krise eingetreten. Es werden diejenigen bevorteilt, die Schulden machen statt zu sparen. Mit der durch die Krise bedingten Verschuldungslawine der Staaten ist nicht absehbar, wie es gelingen soll, diese Entwicklung zu stoppen oder gar umzukehren.

Aufschwung nach dem Tal der Tränen

Die Leidtragenden dieser Entwicklung sind die nächsten Generationen, die die hohen Staatsschulden ausgleichen müssen. Indes ist Deutschland besser aufgestellt als die meisten anderen Länder, nach der Krise am nächsten Aufschwung zu partizipieren. Der industrielle Kern Deutschlands wird über die Corona-Pandemie hinweg erhalten bleiben. Die Kreativität der Familienunternehmen, innovativen Mittelständler und krisenerprobten Selbstständigen und Freiberufler versprechen eine berechtigte Hoffnung auf eine zu bewältigende Rezession mit anschließendem Aufschwung – allerdingst erst nach dem Tal der Tränen.

Drei Säulen für die Altersvorsorge

Was heißt das für die Altersvorsorge? Dazu muss man zunächst einmal feststellen, dass diese auf drei Säulen stehen sollte: die staatliche, die private und die betriebliche Altersvorsorge. Über Auswirkungen der Pandemie-Folgen auf die staatliche Rente lässt sich derzeit nur spekulieren; ein unmittelbarer Zusammenhang ist jedenfalls nicht herstellbar. Bei der betrieblichen Altersvorsorge hängt es entscheidend davon ab, wie diese geregelt ist, und natürlich auch ein Stück weit davon, wie gut sich der Versicherer, bei dem der Vertrag läuft, in der Krise schlägt bzw. danach wieder davon erholt. Direkte Auswirkungen sehen wir hingegen bei der privaten Altersvorsorge, etwa bei Fondsgebundenen Lebensversicherungen.

Schritte zur Stärkung der Altersvorsorge

Vor den größten Herausforderungen steht die heutige Generation ab etwa 60 Jahren kurz vor der Rente. Sie läuft Gefahr, dass die Zeit nicht mehr reicht, den durch die Krise verursachten Wertverlust für ihre Altersvorsorge wieder aufzufangen. Diese Altersgruppe wird bei vielen fondsgebundenen Lebensversicherungen feststellen, dass sich die Ablaufleistung zum Auszahlungszeitpunkt verringert. Wer dies bei der Jahresmeldung seiner Versicherungsgesellschaft 2020 feststellt, kann bei ausreichender Liquidität eventuelle Lücken in seiner Vorsorge durch Erhöhung der Beiträge noch auffüllen. Diesbezüglich ist also Wachsamkeit bei Finanzfragen insbesondere Ende dieses Jahres angesagt. Durch geschicktes Agieren in der Krise besteht für viele Betroffene die Möglichkeit, die Altersvorsorge deutlich aufzubessern.

Minuszins wird sich verschärfen

Diejenigen, die „einfach“ Rücklagen für das Alter bilden, sollten allerdings bedenken: Größere Geldmengen auf dem Bankkonto zu lassen ist angesichts der Minuszinsentwicklung, die sich durch die Corona-Krise verschärfen wird, nicht angeraten. Eine gute Streuung des Vermögens umfasst Aktienfonds, Immobilien und Gold oder andere Edelmetalle. Dieser Ratschlag gilt in und nach der augenblicklichen Krise mehr als je zuvor.

Für Anleger stellt sich damit die Frage: Was soll mit freier Liquidität geschehen? Erfahrungen zeigen, dass Investoren, die Aktien nach einem Kurseinbruch verkauft haben, bei dem folgenden Rebound an den Aktienmärkten nicht investiert sind. Dadurch geht ihnen ein Teil der Kurserholung verloren. Wer das Rückschlagsrisiko begrenzen will, ist besser beraten, das Kapital nicht in einem Zug, sondern in mehreren Tranchen zu investieren. Auch ein ratierlicher Fondssparplan ist ein probates Mittel, möglichen Verlustängsten ein Schnippchen zu schlagen, um in derart schwierigen Kapitalmarktphasen nicht das Falsche zu tun.

Als vorteilhaft erweisen sich neben reinen Aktienfonds auch vermögensverwaltende Fonds mit einem hohen Aktienanteil, mit denen man auch in Krisenzeiten gut aufgestellt ist. Aktiv gemanagte Fonds sind in der Lage, Wertverluste entsprechend ihres Anlagestils zumindest ein Stück weit zu begrenzen und sind – im Gegensatz zu börsengehandelten Exchange Traded Funds (ETF) – nicht blind an Marktindizes gebunden. In der Zukunft eröffnet dies den Fondsmanagern auch die Chance, verstärkt an robusten und zukunftsorientierten Geschäftsmodellen teilzuhaben. So profitieren zum Beispiel die Bereiche Medizintechnik und Informationstechnologien bereits heute und auch nach der Krise von verstärkten Aktivitäten, sei es hinsichtlich der Nachfrage nach medizinischem Gerät oder verstärkter digitaler Kommunikation.

Alternativen L, V oder U

Niemand weiß zum jetzigen Zeitpunkt, welche Entwicklung die Kapitalmärkte nehmen werden: L, V oder U. L steht für eine langfristige Talsohle, V für eine schnelle und U für eine langsame Erholung der Kapitalmärkte. Die Erfahrungen aus vergangenen Krisen lehrt indes, dass ein L-förmiger Verlauf sehr unwahrscheinlich ist. Realistischer sind die beiden Alternativen: Können Unternehmen die Produktion vergleichsweise schnell wieder hochfahren, sodass das Wirtschaftswachstum zügig an Dynamik gewänne, würden wir eine V-förmige Erholung der Börsenkurse erleben.

Oder halten die mit dem „Shutdown“ verbundenen Restriktionen länger an, sodass die Wirtschaft beispielsweise erst nach sechs oder zwölf Monaten zur Normalität zurückfände? Bei diesem Szenario würde sich ein U-förmiger Verlauf einstellen, der durch eine länger anhaltende Talsohle gekennzeichnet wäre. Welches Szenario wir erleben werden, hängt maßgeblich davon ab, wie stark sich die Corona-Pandemie weiter ausbreiten wird. Das kann derzeit aber niemand seriös vorhersagen.

 


Über den Autor:

Johannes Sczepan ist Geschäftsführer der Kasseler Finanzberatungsgruppe Plansecur.

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