Robert Almeida, globaler Investmentstratege beim Vermögensverwalter MFS Investment Management Foto: MFS IM

Gewinne und Margen

„Immer wenn etwas sehr üppig ist, ist es nicht von Dauer“

DAS INVESTMENT: Herr Almeida, haben Sie gut geschlafen?

Robert Almeida: Ich habe auf dem Flug von Boston nach Deutschland kein Auge zugetan. Dann war ich dermaßen müde, dass hier sehr gut geschlafen habe. Besser als gewöhnlich.

In einem Marktkommentar schrieben Sie, dass Ihnen etwas den Schlaf raubt.

Almeida: (lacht) Ach ja, stimmt. Ich wurde mal darauf angesprochen, dass ich meine Überschriften etwas prägnanter machen soll. Vielleicht war es ein bisschen zu bildlich, ich bleibe nicht wirklich die ganze Nacht wach.

Optimismus dürfte aber auch anders gehen.

Almeida: In der Tat. Aber meine Punkte sind nicht ganz neu. Es ist der Zusammenhang, dass Cashflows die Aktienkurse beeinflussen. An Finanzmärkten und in der Gesellschaft neigen wir aber dazu, Zufälle mit Ursache und Wirkung zu verwechseln. Viele Marktteilnehmer schauen aufs Bruttoinlandsprodukt und leiten daraus ab, wie sich die Kurse entwickeln.

Wo ist das Problem?

Almeida: Es geht einfach schief, wenn man sich immer nur an Wirtschaftsdaten hängt. Das BIP ist immer die Zahl der arbeitenden Menschen multipliziert mit der Höhe ihrer Löhne und ihrer Produktivität. Nur mal ganz grob gesprochen. Das ist aber der falsche Rahmen, wenn man die Märkte verstehen will. Dann muss man sich die Cashflows ansehen und die Gewinne.

Und da sieht es nicht so toll aus?

Almeida: So ist es. In der jüngsten Dekade haben wir unterdurchschnittliches Wirtschafts- und Umsatzwachstum gesehen.

Dafür aber Höchststände an den Aktienmärkten.

Almeida: Die sind nur dann berechtigt, wenn man sie an den hohen Unternehmensgewinnen festmacht. Da habe ich aber meine Zweifel, ob die wirklich nachhaltig sind. Immer wenn etwas sehr üppig ist, ist es nicht von Dauer.

Robert Almeida (links) im Gespräch mit Redakteur Andreas Harms

Ein Portfoliomanager sagte mal, dass die Margen weiter so hoch bleiben könnten, weil sich Geschäftsmodelle geändert haben.

Almeida: Das stimmt zum Teil, aber nicht komplett. Vor 100 Jahren kamen die meisten Unternehmen aus kapitalintensiven, zyklischen Branchen.

Und haben etwas produziert.

Almeida: Dinge, die man zählen konnte, Fernseher, Radios, Autos. Das war teuer, sie mussten viel verkaufen, um profitabel zu sein. Heute ist das in der Tat anders. Internetfirmen haben viel geringere Fixkosten zu tragen. Dieser generelle Wandel in der Kostenlandschaft wirkt disinflationär.

Der Sekundärsektor schrumpft, der Tertiär- also Dienstleistungssektor wächst?

Almeida: Genau so ist es. Diese Geschäftsmodelle haben tatsächlich höhere Margen, da hat der Portfoliomanager recht. Das betrifft aber nur die Facebooks und Googles dieser Welt. Ich mache mir Sorgen um die vielen anderen Unternehmen. Auch von denen sind die Aktien stark gelaufen.

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