Globalisierung 3.0: Dynamik & Treiber des Wandels
Ostblockeffekt Der Fall des „eisernen Vorhangs“ brachte dem Globalisierungsprozess neuen Schwung. Aus verschiedenen Gründen, auf die wir im Folgenden eingehen.
1. Handeln statt bedrohenViele Nationen, die sich in der Nachkriegszeit feindlich gegenüberstanden treiben heute Handel von Gütern und Dienstleistungen. Diese Tatsache trug ihren Teil dazu bei, dass der Welthandel seit 1989 rund 3 ½ mal so stark wuchs wie die Weltwirtschaft insgesamt (siehe Schaubild 1). Aber neben diesem direkten Auftrieb reichen die Auswirkungen der Wandlung vieler zentralistisch geprägter Wirtschaftssysteme zur Marktwirtschaft viel weiter. 2. Gewinnstreben statt Planung
Etwas verkürzt dargestellt, markierte der Fall der Berliner Mauer den Sieg der Markt- über die Planwirtschaft. Die Auswirkungen des Zerfalls des sowjetischen Reichs gingen weit über Osteuropa hinaus. Beispielsweise wurde Shanghai nicht ohne Grund erst 1990 „wiedergeboren“. Bis zur Wirtschaftspolitischen Wende Anfang der neunziger Jahre waren die sogenannte Sonderwirtschaftszonen Chinas unter zentralistischer Planung nur mäßig erfolgreich. Erst die Öffnung für ausländisches Kapital und damit verbundene Deregulierung war die Initialzündung für den industriellen Boom Chinas, was ohne den Zerfall des Ostblocks so vermutlich kaum eingetreten wäre. Auch die indische Wirtschaftspolitik sah bis 1991 ihr Heil in einer staatlichen Schwer- und Grundstoffindustrie mit Fünf-Jahresplänen. Ausgerechnet der Golfkrieg brachte hier die Wende: Vor dem Hintergrund des Wegfalls der vorher wichtigen Handelpartner Iran und Irak, höherer Ölpreise und damit zusammenhängend rapide schrumpfender Devisenreserven waren umfassende Umstrukturierungen unausweichlich.
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